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Kreis Viersen: Tolle Bands, volles Haus

Kreis Viersen : Tolle Bands, volles Haus

Gestern ging in Viersen das Jazzfestival zu Ende. Die Festhalle erlebte einige Höhepunkte: Für die WDR Big Band gab es Standing Ovations, klatschend forderte das Publikum Till Brönner eine Zugabe ab.

"Das habe ich in Viersen noch nicht erlebt." So kommentiert Ali Haurand Samstagnacht das rhythmische Klatschen des Publikums in der Festhalle. Till Brönner wird nach seinem anderthalbstündigen Auftritt zu einer Zugabe gebeten. Der Headliner des Jazzfestivals Viersen hat zuvor für eine bis auf letzten Platz gefüllten Festhalle gesorgt und der große Teil des Publikums ist begeistert. Mit einem Mix aus Stars und spannenden Newcomern zog das 23. Jazzfestival in diesem Jahr so viele Besucher an, dass nicht nur im Kleinen Saal die Sitzplätze knapp wurden, sondern auch in der Festhalle viele standen.

Auf portugiesisch gesungen

Offenbar konnte der in Viersen geborene Startrompeter Brönner die Erwartungen angesichts der vorgerückten Stunde erfüllen. Von seinem Aufenthalt in Rio zeigte sich Brönner beeindruckt, dort nahm er 2008 sein gleichnamiges Erfolgsalbum mit einheimischen Musikern auf. Latin-Rhythmen zogen sich wie ein roter Faden durchs Programm, das er mit seinem perfekt funktionierenden Sextett präsentierte und dessen Möglichkeiten er in den Arrangements bestens zu nutzen wusste: die Farbigkeit des Percussionspiels von Roland Peil, die Improvisationen von Jasper Soffers am Piano oder Dieter Ilgs mit großem Beifall bedachte Virtuosität und rhythmische Souveränität am Bass. Gitarrist Johan Leijonhuvfud war gern gehörter Unisono-Partner in den Themen, bekam aber auch reichlich Raum für Improvisation, während Martijn Vink grundsolides Schlagzeugspiel als Herz- Rhythmusmaschine des Ensembles fungierte.

Der perfekte Background für Brönners Trompetenspiel, das in seiner Klarheit in den hohen Lagen ebenso überzeugte wie in fast gehauchten Passagen in den wunderbaren Balladen. Er beherrscht alle Schattierungen der Ausdrucksmöglichkeiten seines Instrumentes, setzt mitunter auch elektronische Effekte ein, um seine Vielseitigkeit noch zu erweitern. Aus Rio hatte er auch zwei Songs des von ihm verehrten Joao Donato mitgebracht, die er — mit viel Beifall bedacht — auf portugiesisch sang.

Big Band mit glänzenden Solisten

Auch ein Song von Leonard Cohen fand den Weg ins Repertoire — Ausdruck der unverkrampften Haltung von Brönner zum Thema Jazz: Da lässt er sich nicht festlegen, und das ist vielleicht auch ein Grund für seinen großen Erfolg, der ihm auch in seiner Heimatstadt Recht gab.

Standing Ovations hatte es auch schon bei der Festivaleröffnung mit der WDR Big Band gegeben. Unter der Leitung ihres genialen Leiters und Arrangeurs Michael Abene fand die Band, ohnehin schon stets auf hohem Niveau agierend, zu einer Form, die man auch von ihr selten gehört hat. Die Songs von Billie Holliday erklangen in modernem Sound, in sich stimmig, rhythmisch absolut perfekt umgesetzt, mit glänzenden Solisten. Da blieb für die Sängerin Cécile Verny nichts mehr übrig, als auf diesem Niveau einen hinreißenden Auftritt hinzulegen, der die ganze Bandbreite ihres interpretatorischen Vermögens förmlich einforderte. Großartig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das war das Jazzfestival 2009 in Viersen

(RP)