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Tiefbauarbeiten auf der Hülser Straße in Kempen verzögern sich erneut

Kempen : Hülser Straße: Tiefbau vor neuen Problemen

Die neue Gasleitung kann nicht unter den Bahngleisen hindurch geschoben werden. Neben den Gleisen muss nun zusätzlich gebuddelt werden. Diese Arbeiten müssen von der Bahn genehmigt werden. Und das kann lange dauern.

Es war Anfang Juni, als Vertreter von Stadt, Stadtwerken und Baufirma Hamelmann bei einem Pressegespräch ankündigten, dass die Tiefbauarbeiten auf der Hülser Straße in Kempen bis Ende August beendet sein werden. Damals war der ursprüngliche Zeitplan bereits ziemlich aus den Fugen geraten. Dennoch waren die Verantwortlichen zuversichtlich, dass das gemeinsame Werk in dem damals angekündigten Zeitfenster zu vollenden sei. Mittlerweile steht fest, dass auch dies nur teilweise gelingen wird

Zwar wird die nach wie vor auf dem Teilstück zwischen Verbindungs- und St. Huberter Straße gesperrte Hülser Straße wahrscheinlich in etwa drei Wochen wieder für den Verkehr freigegeben, das Tiefbauprojekt ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Als die Baufirma Hamelmann nämlich die neue Gasleitung in das vorhandene Schutzrohr unter den Bahngleisen einführen wollte, traten ungeahnte Schwierigkeiten auf, von denen die Beteiligten im Vorfeld nichts geahnt hatten. Die alte Gasleitung ließ sich nicht aus der Schutzumantelung ziehen, so sehr man sich mit schwerem Gerät auch bemühte.

Wie Stadtwerke und Stadt am gestrigen Montag bei einem erneuten Pressegespräch erläuterten, ist in dem vorhandenen alten Rohrsystem ein Versprung: Es ist nicht gerade, sondern mit einem so genannten Düker im Bereich der Bahnquerung in der Hülser Straße verbaut worden. Das Rohrsystem stammt aus den 1970er-Jahren. Das Gasrohr liegt auf der rechten Seite stadtauswärts unter dem Bürgersteig und dem Bahnkörper. „Ursprünglich sollte die alte Leitung herausgezogen und dann das neue Rohr in das Schutzrohr eingeschoben werden“, erläuterte Stadtwerkechef Siegfried Ferling. Im Normalfall dauert so etwas ein paar Stunden. Doch beim Versuch, das vorhandene Rohr herauszuziehen, traten die Schwierigkeiten auf. „Dabei hatten wir im Vorfeld der gesamten Baumaßnahme auf beiden Seiten der Bahnquerung Baugruben ausgehoben und die Lage der Gasleitung geprüft. Alles schien zu passen“, erläuterte Stadtwerke-Projektleiter Hubertus Kinkel jetzt. Auch die vorhandenen Pläne hätten auf keinerlei Besonderheiten hingedeutet.

Mittlerweile weiß Kinkel, dass sich bei dem Rohrsystem im Bahnbereich neben den Gleisen auf der Seite zur Innenstadt hin ein Versprung befindet. Der ist 1,80 Meter lang und behindert die Arbeiten für die neue Gasleitung. Die Stadtwerke mussten sich erneut an die zuständige DB Netz wenden. Bahnspezialisten sind nun mit im Boot, denn neben dem Gleis in Fahrtrichtung Krefeld muss ein speziell gesicherter Schacht gegraben werden, um dort zu sehen, wie die Problemstelle beschaffen ist und wie sie gegebenenfalls behoben werden kann. Das Problem: Ein von der Bahn beauftragtes Ingenieurbüro muss beauftragt werden. Es ist ein besonderes Sicherheitskonzept für die Bauarbeiten erforderlich. Das Eisenbahnbundesamt muss schließlich die geplanten Arbeiten genehmigen. Und das kann dauern. Stadtwerke und Stadt Kempen rechnen mit einem Genehmigungsverfahren, das zwischen 14 und 20 Wochen dauert. Solange kann an der neuen Gasleitung nicht weiter gearbeitet werden, hieß es am Montag.

So werden die übrigen Arbeiten – wie geplant – bis Ende dieses Monats fertiggestellt. Die Baugruben im Bürgersteig, die für das Austausch des Gasrohres gebuddelt worden sind, werden provisorisch verfüllt. „So kann der Verkehr – wie versprochen – bald wieder auf der Hülser Straße fließen“, sagte der Technische Beigeordnete Marcus Beyer. Er und Stadtwerkechef Ferling hoffen, dass das Eisenbahnbundesamt das Genehmigungsverfahren für die Arbeiten neben dem Gleisbett beschleunigt, so dass möglicherweise noch in diesem Jahr an dieser Stelle weitergearbeitet werden kann. Im ungünstigsten Fall könnte die neue Gasleitung erst im Frühjahr 2019 verlegt werden. Dann übrigens möglicherweise erneut mit einer Vollsperrung der Hülser Straße im Bereich der Bahnquerung. Projektleiter Kinkel hofft, dass die Arbeiten dann innerhalb von 14 Tagen zu erledigen sind.

Eine Alternative für diesen Plan gibt es übrigens nicht. Das sei geprüft worden, betonte Siegfried Ferling. In Kempen gibt es für die Gasversorgung eine Ringleitung. Eine komplett andere Versorgungsleitung sei technisch praktisch nicht machbar. Projektleiter Kinkel erklärte, dass die Baustelle Hülser Straße nicht nur das größte Vorhaben seiner beruflichen Laufbahn in Kempen sei, sondern auch das schwierigste.