Theaterpädagogischer Workshop in der Gesamtschule Kempen

Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück war zu Gast : Kinder und Jugendliche stark machen

Mit den Themen Sucht und Cybermobbing setzten sich die Siebtklässler der Gesamtschule Kempen auseinander. Mit ihrem Stück „Natürlich bin ich stark“ war die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück zu Gast.

„Wir erzählen euch jetzt eine Geschichte, in der ein jeder von euch die Hauptfigur ist und Entscheidungen treffen muss“, erklärt Daniel Marré. Doch zuvor verteilt seine Kollegin Beate Heinze noch grüne und rote Karten. Grün steht dabei für Ja und rot für Nein. Es ist mucksmäuschenstill im Klassenraum, in dem die beiden Schauspieler und Theaterpädagogen der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück vor einer blauen Wand sitzen und mit der Geschichte beginnen.

Die Situation stellt eine Geburtstagsparty da, die besucht wird. „Ihr kennt alle Leute, bis auf eine Person. Das kann ein Junge oder ein Mädchen sein, ganz wie ihr wollt. Die Person lächelt euch an. Lacht ihr zurück?“, möchte Marré wissen. Überwiegend grüne Karten gehen in die Höhe. Das gilt auch für die Frage, ob man gemeinsam ein alkoholfreies Getränk trinken würde. Bei der Vergabe der eigenen Telefonnummer, weil einem die andere Person sympathisch ist, teilt sich die Schülergruppe indes deutlich. Rote und grüne Karten halten sich auf die Frage, ob man seine Telefonnummer herausgeben würde, die Waage. Lachen ertönt bei der Frage nach einem gemeinsamen Tanz. Die Mädels strecken grüne Karten in die Höhe, die Jungs eher rote. Für ein gemeinsames Spiel entscheiden sich alle mit grün.

Genauso geschlossen gehen die roten Karten in die Höhe, als in der Geschichte beim Spiel Flaschendrehen bei der Pflichtaufgabe ein Joint geraucht werden soll. Und damit sind Marré und Heinze zusammen mit den knapp 30 Siebtklässlern der Gesamtschule Kempen schon mitten im Thema Drogen angekommen. Drogen und Cybermobbing stehen im Mittelpunkt eines insgesamt dreiteiligen Programms, mit dem die Theaterpädagogische Werkstatt erstmals an der Gesamtschule zu Gast ist. Unter dem Titel „Natürlich bin ich stark!“ zeigen die Theaterpädagogen mit einem interaktiven Programm, wie leicht ein Einstieg in die Drogenabhängigkeit als auch in die Einsamkeit eines Mobbing-Opfers ist.

Was zunächst völlig harmlos wirkt, kann fatale Folgen haben. Umso wichtiger ist es, stark zu sein und unabhängig sowie eigenverantwortlich über das eigene Leben zu bestimmen. Das heißt auch, in der Lage zu sein, Nein zu sagen, wenn es darauf ankommt. „Es geht darum, Mut zu haben, man selbst zu sein. Auch wenn eine Gruppendynamik einsetzt und Druck von anderen erfolgt“, sagt Mira Dugal-Klahre, die Schulsozialarbeiterin der Gesamtschule. Die Idee, die Theaterpädagogische Werkstatt mit der interaktiven Szenencollage an die Gesamtschule zu holen, hatten die beiden Referendare Kevin Perschon und Philipp Ludwig. „Wir hatten das Präventionsprogramm der Theaterpädagogischen Werkstatt gesehen und waren begeistert“, sagt Ludwig.

Der Umgang mit den beiden Problematiken Drogen und Cybermobbing, die in dem auf drei Einheiten verteilten Programm angegangen werden, sei wichtig, betont Perschon. Sie holten Dugal-Klahre mit ins Boot. Gemeinsam stellte man über das Bundesprogramm „Demokratie leben“ einen entsprechenden Antrag für eine finanzielle Übernahme der Kosten. Diese erfolgte, wodurch das Stück für alle sechs Klassen der siebten Stufe kostenfrei ist. Auf drei Tage verteilt gibt es nun für jede Klasse jeweils eine Stunde mit der Theaterpädagogischen Werkstatt.

Bei den Schülern kommt das dreiteilige interaktive Programm mit Theatersequenzen und Geschichten mit Raum für eigene Entscheidungen gut an. „Wir haben Situationen durchgespielt, die so oder ähnlich passieren könnten. Man ist jetzt ein Stückweit darauf vorbereitet und weiß, wie man sich selber verhalten und wie man Hilfe erhalten kann“, sagt Lara. Für David hat sich dabei herausgestellt, dass Hilfe suchen kein Zeichen von Schwäche, sondern eins von Stärke ist. Dugal-Klahre würde das Angebot für die Siebtklässler indes gerne fest im Schulprogramm installieren. „Das Projekt liegt uns sehr am Herzen, da es eine wertvolle Möglichkeit bietet, Schüler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden zu stärken“, sagt die Schulsozialarbeiterin.

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