„The Wave Quartet“ mit Marimbas in der Kempener Paterskirche

Kempen : Paterskirche: Begeisterter Beifall für vier Marimba-Virtuosen

Voll gerecht wurde das letzte „Musica-antica-e-viva“-Konzert dem Titel der Reihe bei den Klosterkonzerten. Was „The Wave Quartet“ in der Paterskirche vortrug, reichte „From Bach to Tango“, von der Barockmusik über große romantische Oper bis zum Tango und zu amerikanischen Schlagern.

Einheitliche Klammer fürs Ganze war die Besetzung mit vier Marimbaphonen. Emiko Uchiyama, Nico Gerstmayer, Christoph Sietzen und Bogdan Bacanu, der Gründer und Chef des Ensembles, ließen die insgesamt 16 Schlägel mit traumhafter Sicherheit über die Holzstäbe flitzen und gaben der Musik aus verschiedenen Zeiten und Genres einen neuen Zuschnitt.

Es ist ein eigentümliches Phänomen, dass Bachs Musik letztlich in jeder Besetzung klingt, auch mit Instrumenten, die es damals noch gar nicht gab. Gut gespielt klingt, was fürs Cembalo geschrieben wurde, auch auf einem modernen Konzertflügel; Orgelmusik kann auch in der Wiedergabe durch ein Saxophonquartett vorzüglich klingen. Hier war es das Konzert für zwei Klaviere (BWV 1061a), das zwar ungewohnt, durchaus aber reizvoll klang.

Das lässt sich auch von einem anderen, weit weniger bekannten Barockkomponisten sagen, dem Franzosen Gaspard Le Roux. In der ersten Suite aus seinen „Pièces de clavessin“ wurde nicht nur munter musiziert. Da wurden auch die Details ernst genommen, die Vorschläge genauso wie die Triller und ihre Nachschläge.

Glänzend vorgetragen wurde auch der Ausflug in die französische Oper. Bei einem ausführlichen Querschnitt durch Bizets Carmen gab es ein Wiederhören bekannter und beliebter Melodien. Dabei zeigte sich, welche Musik für diese Besetzung besonders geeignet ist. Alles Schnelle, Temperamentvolle, Feurige klang mitreißend. Weite Melodiebögen wie etwa in der Blumenarie oder im Zwischenspiel (im Original für Flöte Solo) sind dagegen schwerer überzeugend umzusetzen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Das liegt an den Möglichkeiten des Instruments und nicht an den hervorragenden Spielern.

Viel Virtuosität und Musikalität war schließlich noch zu hören in neueren Transkriptionen von Gitarrenmusik (Reentko: „Danza non Danza“) und amerikanischen Titeln (Vega: „Gipsy“).

Auch der Meister des Tango nuevo, Astor Piazzolla, fand eine mitreißende Berücksichtigung: zweimal im Programm mit „Tanguedia I“ und dem berühmten „Libertango“ – und ein drittes Mal, nach begeistertem Beifall der zahlreichen Zuhörer, bei einer von zwei Zugaben: „La Muerte Del Angel“.

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