Stadt Kempen: Tafeln der Region kritisieren Essener Kollegen

Stadt Kempen: Tafeln der Region kritisieren Essener Kollegen

Die Tafel in Essen steht derzeit bundesweit in der Kritik. Vergangene Woche wurde bekannt, dass dort ein Aufnahmestopp für Migranten verhängt wurde. Anders sei die Versorgung mit Lebensmitteln nicht mehr zu gewährleisten gewesen, argumentierte die Tafel. Deutsche seien kaum noch gekommen, der Chef der Einrichtung sprach von einem "Nehmer-Gen" und einer fehlenden "Anstellkultur" unter den Asylbewerbern, die mittlerweile mehr als 70 Prozent der Essener Kundschaft ausmachen sollen.

Doch wie sieht die Lage eigentlich in der Region aus? Bei den Tafeln in Kempen und Grefrath gibt es bei der Essensausgabe keine Probleme mit ausländischen Kunden. "Ich kann mich nicht beklagen. Bei uns ist alles gut", sagt Bruno Wrede, Vorsitzender der Kempener Tafel. Zwar habe man seit dem verstärkten Flüchtlingszuzugs vor knapp drei Jahren einen zunehmenden Anteil an Migranten unter den Kunden registriert, Probleme oder Streit ums Essen gebe es aber nicht. Die Entscheidung der Essener Kollegen kann Wrede nicht nachvollziehen. "Man hätte eine andere Lösung finden müssen, statt von der Nationalität abhängig zu machen, ob jemand bedient wird oder nicht." In Kempen werden die gespendeten Lebensmittel gleichmäßig über die Woche verteilt, die Tafel öffnet an fünf Tagen - auch, weil zahlreiche Supermärkte und Bäckereien ihre überschüssigen Produkte spenden. "Die Leute sind zufrieden und gehen bei uns mit gefüllten Taschen wieder raus", so Wrede.

Kritik kommt auch aus Grefrath. "Armut ist nicht teilbar. Man darf dabei nicht zwischen Deutschen und Migranten unterscheiden", sagt Sozialamtsleiter Volkmar Josten, der sich auch um die Tafel kümmert. "Unabhängig von Nationalitäten ist es aber auch klar, dass unschöne Szenen entstehen können, wenn es etwas umsonst gibt." Klar ist für Josten aber auch: Die Entscheidung in Essen war ein Hilfeschrei. Man müsse dort nun dringend handeln - und dafür Sorge tragen, dass sich so etwas nicht wiederholt. "Tafeln können immer nur das verteilen, was da ist. Das ist eine Mangelverwaltung," sagt Josten. 2015, zur Hochzeit der Flüchtlingskrise, habe man in Grefrath ein Nummernsystem eingeführt, damit niemand drängelt. Notfalls hätte man auch die Rationen verkleinert. "Aber Asylbewerber ausschließen, das ist falsch", sagt Josten.

(atrie)