Gemeinde Grefrath: Straßennamen erzählen Ortsgeschichte

Gemeinde Grefrath : Straßennamen erzählen Ortsgeschichte

Viele Erinnerungen werden geweckt, wenn man an den Hintergrund der Straßennamen denkt. Da geht es um Adlige, Geistliche und Fabrikanten, aber auch Städtepartnerschaften und einst florierende Industriegebiete.

Straßennamen können nicht selten Orts- und Heimatgeschichte lebendig machen, wenn man sich mit ihnen beschäftigt, denn nicht selten weisen sie auf geschichtliche Ereignisse hin oder auf Einrichtungen, die es einmal gab. So war der "Pastoratshof" (heute längst ein Gewerbegebiet) rund 800 Jahre lang der Wohnsitz der Grefrather Pfarrer. Die Straße "Am alten Friedhof" erinnert an den kircheneigenen Friedhof hinter der Laurentiuskirche, der dort 1854 angelegt wurde und der heute eine Grünanlage im Besitz der Gemeinde ist. Das alte Hochkreuz ist noch erhalten. Am 1. November 2014 wurde der Friedhof 160 Jahre alt. Unter großer Anteilnahme der Bürgerschaft war er am 1. November 1854 durch den Lobbericher Dechant Krins eingeweiht worden.

Das Neubaugebiet "Dieckerhof" im Grefrather Südwesten erinnert an eine mittelalterliche Hofanlage. An der "Schulstraße" lag von 1858 bis 1954 die katholische Volksschule Grefrath, daher der Name. Aber auch der Steigerturm der Feuerwehr war dort einst zu finden. Auf einem Teil des Schulgeländes entstand ein Parkplatz und der Neubau eines Supermarkts. Die Straße "Am Nordkanal" hieß bis zur kommunalen Neugliederung "Südstraße". Mit dem Nordkanal ist die geplante Wasserstraßenverbindung zwischen Rhein und Maas gemeint. Unter Napoleon begannen die Arbeiten, die jedoch 1852 wieder eingestellt wurden.

Der "Burgweg" erstreckt sich vorbei am Schulgelände von der Bruckhauser Straße bis zur Hermann-Lenßen-Straße. Er erinnert an die Pötenburg, die als mittelalterliche Siedlung nachgewiesen ist. Die Straße "Am Kreuz" im 2000-Seelen-Dorf Vinkrath war ursprünglich Standort eines Holzkreuzes. Eine erste Erwähnung gibt es schon um das Jahr 1700. Im Jahre 1850 wurde das alte Kreuz durch ein neues ersetzt und 1860 erstmals als Missionskreuz verwendet. 2001 wurde die Kreuzanlage restauriert.

Die "Mörtelsstraße" in Vinkrath ist eine wichtige Verkehrsader von West nach Ost. Es ist eine alte Flurbezeichnung, die auch In den Mörtel, oder Mortel genannt wurde. Die "Fréventstraße" erinnert an die fast 50-jährige Partnerschaft mit Frévent in Frankreich (Pas-de-Calais). Der oder die "Deversdonk" im Herzen von Grefrath war eine hügelartige Anschwemmung in der Niederung. Es gibt in Grefrath mehrere Donken. Der "Heudonk" hieß eigentlich "Heydonk". Es war eine mittelalterliche Siedlungseinheit im Besitz der Grafen Spee.

Der "Bergerplatz" (heute die zentrale Bushaltestelle der Niersgemeinde) erinnert an den Grefrather Ehrenbürger Kommerzienrat Wilhelm Berger, der auch Leinenfabrikant war. Die "Hermann-Lenßen-Straße" im Nordosten der Gemeinde weist auf den Polizeiwachtmeister hin, der am 24. Oktober 1923 bei der Erstürmung des Krefelder Rathauses von Separatisten erschossen wurde. Die kleine Straße "Am Gröningskreuz" im Norden Grefraths weist auf das älteste Wegekreuz im Kreis Viersen aus dem 16. Jahrhundert hin. Die "Dunkerhofstraße" beheimatete eine Hofanlage und einen mittelalterlichen Adelssitz. Um 1900 wurden die letzten Gebäude abgerissen. Die Straße "Am Wasserwerk" erinnert an das alte Wasserwerk im Südwesten von Grefrath, direkt hinter dem Sportplatz am Nordkanal, der heute ein Neubaugebiet ist. Die Honschaft "Heitzerend" im Westen von Grefrath, ist nach dem dortigen Heitzerhof benannt. Die Straße "An der Plüschweberei" erinnert an den größten Arbeitgeber in Grefrath. Das Gelände ist heute ein Wohngebiet.

(mab)