Starke Jungs machen auf Schottland

Starke Jungs : Im Garten fliegen die Eisenkugeln

Zum dritten Mal hat sich die Highland Games Gruppe „Paradise Punks“ den Titel Deutscher Meister im Teamwettbewerb geholt. Die neun Männer aus Grefrath und Kempen trainieren seit Jahren zusammen.

Benjamin Jozefow schwenkt den rechten Arm ein wenig hin und her. Dann holt der junge Mann kräftig aus, schleudert den Arm nach vorn und lässt den Griff los, an dessen kurzer Kette eine 13,5 Kilogramm schwere Eisenkugel hängt. Von der Abwurfplatte, auf der er steht, fliegt die Kugel über eine Rasenfläche und landet in einem großen Wurffeld, das komplett mit Mulch ausgekleidet ist. Einsatz für Chris Bahnen, der genau an der Aufschlagstelle einen nummerierten Pin in die Mulchfläche bohrt.

Dann ist er selber an der Reihe. Gewichtsweitwurf steht an, eine der Disziplinen, die neun Männer im Altern von Anfang 20 bis Ende 30 zweimal in der Woche im Garten von Bahnen trainieren. Rund 600 der rund 2000 Quadratmeter Gartenfläche haben eine etwas andere Nutzung erhalten. Hier werden Disziplinen wie Baumstammüberschlag, Strohsack- und Gewichtshochwurf, Steinstoßen, Weinfassrollen, Tauziehen. Steintragen, Hufeisenwerfen und Bogenschießen geübt.

Und das mit Erfolg. Die neun Männer der „Paradise Punks“, wie die Highland Gruppe aus Grefrath/Kempen heißt, haben sich gerade zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren den Titel Deutscher Meister im Teamwettbewerb geholt. Sie schlugen bei den Deutschen Meisterschaften in Angelbachtal 37 weitere Teams aus ganz Deutschland und fuhren als Sieger nach Hause. Angefangen hat alles aus einer Laune heraus. „Wir haben mit mehreren zusammen in einem Fitnessstudio trainiert und uns 2005 spontan entschlossen, bei den Highland Games in Kempen mitzumachen“, erinnert sich Norbert Brinkmann. Mit zwölf Männern ging man in zwei Teams an den Start. Technik habe man Null gehabt, nur die Kraft des Trainings aus dem Studio, fügt Chris Bahnen an. Der Spaßfaktor überwog alles. In den folgenden Jahren beteiligten sich die Männer unter dem Namen „Paradise Punks“ an ein bis zwei Wettkämpfen, wobei sie auch mal den ein oder andere Clan besuchten und sich dort ein wenig in den Techniken der speziellen Disziplinen übten. „Unser Name stammte seinerzeit von unserem Sponsor. Sein Unternehmen trug den gleichen Titel“, informiert Brinkmann.

In den Jahren 2012 und 2013 kam es zu einem Dornröschenschlaf der „Paradise Punks“. Das änderte sich dann. 2014 starteten neun Männer durch. „Wir hatten uns entschlossen, das Ganze professioneller aufzuziehen“, sagt Bahnen. Ein Gelände in St. Hubert wurde zwecks Training angemietet, und pro Jahr standen sechs bis sieben Wettkämpfe auf dem Programm. Wobei die „Paradise Punks“ sich 2015 direkt den Titel Deutscher Meister beim Highland Games Teamwettbewerb holten. Ein Jahr später schloss sich der nächste Titel an. „2017 sind wir Vizemeister geworden. Uns fehlten acht Punkte zum Titel“, berichtet Bahnen. In diesem Jahr klappte es wieder mit dem Meistertitel. Dazu kommt in den vergangenen vier Jahren dreimal der Titel Westdeutscher Meister. „Wir sind derzeit das erfolgreichste Team in Deutschland“, freut sich Brinkmann.

Neben dem normalen Fitnessstudio-Training treffen sich die neun Männer zweimal in der Woche zu dem speziellen Highland-Games- Training, das inzwischen seit über zwei Jahren im Garten Bahnens stattfindet. In Eigenleistung haben die neun Männer die entsprechenden Anlagen und Gerätschaften gebaut. Für die Disziplin „Stone of Manhood“ ist ein 100 Kilogramm schwerer Stein selbst gegossen worden, die Gerätschaften für das sogenannte Koffertragen sind zwei je 35 Kilogramm schwere Stahlzylinder mit Hantelstangenerweiterungen, um Gewichtsvariationen durchspielen zu können. Das regelmäßige, spezielle Training, Sommer wie Winter, bei dem an der Technik gefeilt wird, ist unabdingbar. Heute sind die neun Männer auf bis zu zwölf Wettkämpfen pro Jahr nicht nur in Deutschland auf Tour, sondern auch international in Ländern wie der Schweiz oder Belgien. In diesem Jahr steht neben der Teilnahme bei den Highland Games in Kreuzau und Trebsen noch eine Titelverteidigung an. In Kerpen treten sie als Titelverteidiger an. Die Saisonabschlussveranstaltung gewannen sie nämlich im vergangenen Jahr.

Die Highland Gruppe ist immer auf der Suche nach Mitstreitern. Es handelt sich um keinen Verein, sondern um einen Freundeskreis. Interessiert können unter dem Stichwort „Paradise Punk“ über Facebook und Instagram in Kontakt treten.