Stadt Kempen soll Terrorsperren in der Innenstadt installieren.

Kempen: Politik für feste Polleranlagen in der Altstadt

Die Freien Wähler haben einen entsprechenden Antrag gestellt. Auch die Kempener SPD ist für mehr Sicherheit. Die Stadtverwaltung soll sich um das Thema kümmern.

Bereits vor dem letzten Weihnachtsmarkt in der Kempener Altstadt war das Thema im politischen Gremium. In der November-Sitzung befasste sich der zuständige Ausschuss für Ordnungsangelegenheiten und Feuerschutz des Stadtrates mit der Frage, wie die Fußgängerzone für Stadtfeste gegen mögliche Terroranschläge abgesichert werden kann. Der zuständige Erste Beigeordnete Hans Ferber hatte seinerzeit berichtet, dass die Sicherheitsbestimmungen deutlich verschärft worden seien. Experten hätten dazu geraten, dass Kommunen mit weitläufigen Fußgängerzonen und großem Publikumsverkehr dauerhafte Sperranlagen an den Zufahrten installieren sollten. Im November kündigte Ferber an, die Stadtverwaltung werde sich mit diesem Thema im Jahr 2018 näher beschäftigen.

Die Freien Wähler Kempen haben nun einen konkreten Antrag zu diesem Thema gestellt. Sie fordern, die Politik möge die Stadtverwaltung damit beauftragen, in der Kempener Altstadt entsprechende Polleranlagen zu installieren, um die Sicherheit bei Stadtfesten zu verbessern. Bislang muss der Kempener Werbering auf eigene Kosten Lastwagen oder Trecker an den Zufahrten zur Altstadt oder spezielle mobile Betonsperren platzieren, damit Terrroristen keine Lastwagen in die Fußgängerzone steuern können, um Anschläge verüben. Seit den Terrorakten vom Berliner Weihnachtsmarkt, von Nizza oder Barcelona gilt für Fußgängerzonen eine erhöhte Sicherheitsstufe.

Die bislang angewandten Lösungen sind nach Ansicht der Freien Wähler teuer, unpraktikabel und ineffektiv. Wirtschaftlicher und sicherer seien fest installierte Polleranlagen von ausreichender Größe. Solche Anlagen gibt es bereits in verschiedenen Städten, etwa beim niederländischen Nachbarn in Venlo. Die Poller sind massiv, aber versenkbar, um Anlieger- oder Lieferverkehr zu bestimmten Zeiten zu ermöglichen. Allerdings sind solche Anlagen teuer, Nutzer müssten mit Funkfernbedienungen ausgerüstet werden, um die Poller für die Durchfahrt abzusenken. Zudem ist die Technik sehr anfällig.

Die Freien Wähler haben sich umgehört. „Unseren Recherchen nach ist mit Kosten im mittleren sechsstelligen Bereich zu rechnen“, so Fraktionsgeschäftsführer Christian Gehlen. Die Kosten könnten auf einen längeren Zeitraum gestreckt werden, wenn man die Altstadtzufahrten schrittweise mit solchen Polleranlagen ausrüsten würde. Das Projekt könnte so kostenmäßig auf mehrere Haushaltsjahre verteilt werden.

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Auch die Kempener SPD befürwortet solche Anlagen, weil sie sicherer seien als mobile Sperren. Man müsse den Werbering in Sachen Sicherheit mehr unterstützen. Es könne nicht sein, so SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Gareißen im Gespräch mit der Rheinischen Post, dass der Werbering Personal abstellen oder bezahlen müsse, dass an Lastwagen oder Treckern positioniert ist, um im Notfall die Fahrzeuge beiseite zu fahren, sollte es einen Feuerwehreinsatz in der Kempener Altstadt geben.

Auch zur Sicherung der Martinszügen seien die Sperranlagen hilfreich. Zudem sollte die Kempener Altstadt nicht nur bei Stadtfesten gesichert werden, so die SPD. „Es ist immer mal viel los in der Altstadt. Nehmen wir beispielsweise die Petersstraße mit ihren vielen Gaststätten. Im Sommer spielt sich dort doch viel draußen ab“, so Gareißen. Die Sozialdemokraten empfehlen, dass sich die Stadtverwaltung bei Kommunen umhört, die bereits mit festen Sicherungsanlagen Erfahrungen gesammelt haben.

Fest steht indes: Die Sperren müssten stabiler sein als diejenigen Poller, die an der Zufahrt zum Kirchplatz installiert worden sind. Die würden im Falle des Falles einen Lastwagen nicht an der Durchfahrt hindern.

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