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Stadt Kempen muss drängende Probleme angehen

Ausblick 2020 : Kempen vor großen Herausforderungen

In der Thomasstadt herrscht bei vielen Bürger Unzufriedenheit. Das vergangene Jahr hat in vielen Bereichen kaum Fortschritte gebracht. Im Rathaus war die Führungsspitze zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das muss anders werden.

Zugegeben: Es ist unglücklich, wenn ein Hoffnungsträger von Bord geht, bevor er auf der Kommandobrücke richtig loslegen kann. Der vorzeitige Abgang des Technischen Beigeordneten Marcus Beyer im vergangenen Herbst als neuer Bau- und Planungsdezernent in Krefeld hat eine Lücke hinterlassen, die nur allmählich geschlossen werden kann. Beyer konnte in den 14 Monaten, die er für die Stadt Kempen tätig war, nur wenig bewegen. Es hat den Anschein, als sei ihm die Anfrage aus seiner Heimatstadt Krefeld gerade recht gekommen, um dort einen Neustart hinzulegen, der sich für Marcus Beyer in Kempen schnell als äußerst schwierig hätte darstellen können. Zu viele drängende Probleme insbesondere im Baubereich hatten sich bei der Amtsübernahme von Beyer aufgetan. Und die meisten sind bis heute nicht gelöst.

Hiobsbotschaft Kurz vor Jahresende verkündete die Stadtverwaltung die neuerliche Hiobsbotschaft, dass es zum kommenden Kindergartenjahr nicht wirklich Fortschritte beim Ausbau der Betreuungsplätze geben wird. Ein Notfallplan ist in Vorbereitung, weil sich die seit Längerem geplanten neuen Kindergärten nicht rechtzeitig realisieren lassen. Eine Interimslösung war bekanntlich mangels Interessenten, die mietweise eine Übergangskita hätten zur Verfügung stellen können, gescheitert. Nun wird es wohl darauf hinauslaufen, dass in bestehenden Einrichtungen weitere Plätze bereit gestellt werden müssen.

Übergangslösungen Bei dem ambitionierten Großprojekt Sanierung der Schulen ist man auch nicht wesentlich weiter gekommen als bis zu der Erkenntnis, dass es auch hier nur mit Übergangslösungen geht. Für die neue Oberstufe der Gesamtschule soll es ab dem kommenden Schuljahr eine Übergangslösung zunächst im Erdgeschoss der leer stehenden Martin-Schule geben. Parallel soll eine Interimslösung in Holzbauweise ins Auge gefasst werden, die dann zunächst der Oberstufe der Gesamtschule und später den beiden weiterführenden Schulen als Ausweichquartier dienen soll, wenn dort die bestehenden Gebäude saniert werden. Das Interimsschulgebäude soll an der Berliner Allee neben dem Luise-von-Duesberg-Gymnasium entstehen. Inzwischen haben die Grünen beantragt, den maroden Erweiterungsbau der Martin-Schule vorzeitig abzureißen und dort einen Neubau zu errichten.

Ganz andere Variante Es mehreren sich aber auch schon Stimmen, die eine ganz andere Variante für das Schulsanierungsproblem im Sinn haben. Dabei könnte ein alter Plan zum Tragen kommen. Die Stadt nutzt für einen Schulneubau das Gelände der Ludwig-Jahn-Kampfbahn. Der Sportplatz galt vor Jahren als Fläche, auf der mal ein neues Verwaltungsgebäude für die Stadt hätte gebaut werden können. Dieser Plan wurde jedoch nie realisiert. Stattdessen gibt es mittlerweile drei neue Bürogebäude auf dem früheren Arnoldgelände an der Schorndorfer Straße, die in den kommenden Wochen bezogen werden sollen.

Besagte Stimmen meinen, man solle den Sportplatz an der Ludwig-Jahn-Straße für eine Übergangslösung für die weiterführenden Schulen nutzen. Dazu müsste allerdings an anderer Stelle in Kempen ein neuer Sportplatz angelegt werden. Auch da gibt es bereits Überlegungen: Der SV Thomasstadt möchte im Sportpark an der Berliner Allee einen zweiten Kunstrasenplatz haben. Insider meinen: Man solle den Sportpark entsprechend erweitern, um dort eine zentrale Anlage für den Vereinssport in Kempen zu schaffen. Der alte Sportplatz an der Ludwig-Jahn-Straße könnte dann – zumindest vorübergehend – mit einem Gebäudekomplex bebaut werden, der während der anstehenden Schulsanierungen als Ausweichquartier genutzt wird. Ist das Sanierungsprojekt, das sich angesichts grob geschätzter Kosten von mehr als 50 Millionen Euro über mehrere Jahre hinziehen wird, abgeschlossen, könnte der Komplex möglicherweise noch einmal als Ausweichquartier dienen. Und zwar für eine Auslagerung der Dienststellen aus dem Rathaus am Buttermarkt, sollte das saniert werden. So abwegig klingt ein solcher Plan nicht, könnte er bei den anstehenden Entscheidungen über einen Standort für eine Interimsschule durchaus von Bedeutung sein.

Missliche Finanzlage Angesichts der misslichen Finanzlage der Stadt – der Stadtrat hat kurz Weihnachten einen Etat für 2020 verabschiedet, der mit einem Minus von zehn Millionen Euro abschließt, – muss die Politik nun aber vor allem eins tun: Sie muss sich auf eine Prioritätenliste verständigen all derjenigen Aufgaben, die in den kommenden Jahren zu bewältigen sind. Ob das allerdings gelingt oder die Parteien dies lieber auf einen Termin nach der Kommunalwahl im Herbst verschieben wollen, ist unklar.

Rathaus-Sanierung Der Politik muss klar sein, dass bestimmte Vorhaben auf absehbare Zeit keine Chance auf Realisierung haben. Die schon angesprochene Sanierung des Rathauses am Buttermarkt gehört sicherlich dazu. Da weiß heute keiner, was da auf die Stadt an Kosten zukommt. Mit der Belegung der drei neuen Bürogebäude im neuen Teilrathaus am Bahnhof werden Büros im Hauptgebäude frei. Dies könnte genutzt werden, um die Unterbringung der Stadtbediensteten etwas zu verbessern. Einem neuen Bürgermeister und dem neuen Stadtrat blieb es dann überlassen, ein Konzept zur Rathaus-Sanierung auszuarbeiten und zu beschließen.

Zukunft der Burg Ein anderes Thema, das von den Kempenern besonders beachtet wird, ist die künftige Nutzung der Burg. Wenn das Kreisarchiv voraussichtlich im kommenden Jahr 2021 in den Neubau nach Viersen-Dülken umzieht, übernimmt die Stadt Kempen vereinbarungsgemäß das Denkmal vom Kreis Viersen. Wie dann damit verfahren werden soll, ist noch nicht entschieden. Grobe Schätzungen gingen zuletzt davon aus, dass etwa zehn Millionen Euro in die Hand genommen werden müssten, um die Burg zu renovieren und für eine Nutzung mit Gastronomie, Standesamt und Kreisvolkshochschule umzubauen. Auch dieser Plan sollte auf der Prioritätenliste ganz nach hinten rutschen, weil auch dafür das nötige Kapital fehlen dürfte.

Da es aber schwierig sein dürfte, das historische Gemäuer länger ungenutzt leer stehen zu lassen, könnte auch der alte Plan einer Privatisierung wieder aktuell werden. Interessenten soll es nach wie vor geben, die die Burg übernehmen möchten und dort eine – wie auch immer geartete – neue öffentliche Nutzung, beispielsweise als Hotel mit Gastronomie, einrichten könnten. Ganz so abwegig scheint diese Idee auch zu Beginn des Jahres 2020 nicht zu sein. Es ist noch genug Zeit, einen solchen Plan zu konkretisieren. Ob angesichts des bevorstehenden Wahlkampfs die Politik dies ernsthaft thematisieren möchte, bleibt ebenfalls abzuwarten.