Stadt Kempen: Sportentwicklung auf den Prüfstand

Stadt Kempen : Sportentwicklung auf den Prüfstand

Der Vereinssport in Kempen soll auch nach der Kommunalwahl am 25. Mai seinen gebührenden Stellenwert in der politischen Diskussion behalten, sagen die Parteien. Im Herbst soll der Sportentwicklungsplan vorliegen.

Das Thema Kunstrasenplatz ist rechtzeitig vor der bevorstehenden Kommunalwahl am 25. Mai in Kempen vom Tisch. Bereits im Juni sollen die Arbeiten für die Erneuerung des maroden Aschenplatzes im Sportpark an der Berliner Allee beginnen - dem SV Thomasstadt sei dank. Der Sportverein hat in beispielhafter Weise in relativ kurzer Zeit die finanziellen Mittel gesammelt, um den Eigenanteil von 150 000 Euro leisten zu können. Diese Leistung wurde von der Politik zuletzt im Sportausschuss und Stadtrat gewürdigt. Den neuen Rat wird im Herbst die Sportentwicklung in Kempen grundsätzlich beschäftigen. Sportdezernent Michael Klee sicherte dem Sportauschuss zu, ein entsprechendes - seit langem vor allem von Sportvereinen gefordertes - Konzept vorzulegen. Ab November soll über die Sportstätten und die sportlichen Angebote, die es in Kempen gibt, diskutiert werden.

Der Vereinssport spielt für die derzeit im Stadtrat vertretenen Fraktionen eine wichtiges Rolle. Dass die Stadt dafür Geld in die Hand nehmen muss, um die Voraussetzungen für sportliche Aktivitäten sicherzustellen, ist klar. Für alle Parteien ist wichtig, nicht nur die Sportvereine, sondern grundsätzlich jedes ehrenamtliche Engagement in Vereinen, ob in der verbandlichen Jugend- oder Seniorenarbeit, in Hilfsorganisationen oder im kulturellen Bereichen zu unterstützen.

"Für die Bewirtschaftung und Sanierung unserer Sportplätze und Hallen sowie Zuschüsse an Sportvereine stellt unser Haushalt im Rahmen der Sportförderung jährlich Mittel in Höhe von fast einer Million Euro bereit. Wir unterstützen diesen Mittelansatz und die damit verbundene Förderung des Breitensports", erklärt CDU-Fraktionschef Wilfried Bogedain.

Und zum Sportentwicklungsplan stellt er fest: "Wir legen Wert darauf, dass die Sportstättenentwicklungsplanung in enger Abstimmung mit den Vereinen und Verbänden auf den Weg gebracht wird und in der weiteren Planung auch Rücksicht genommen wird auf sich verändernde Interessen einer älter werdenden Gesellschaft." Die Sportstättenbenutzungsgebühren sind nach Ansicht der CDU "auf geringem Niveau zu halten und dürfen die Vereine nicht überfordern". Mit der Beteiligung an den laufenden Kosten solle das Bewusstsein gestärkt werden, verantwortlich und rücksichtsvoll mit den Sportanlagen umzugehen, so Bogedain.

Speziell der Vereinssport stehe auch unter dem Aspekt des demografischen Wandels vor erheblichen Veränderungen. Während in früheren Jahren die Jugend das Bild der Sportvereine prägte, sind nun vermehrt auch ältere Menschen sportlich aktiv, stellt SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Gareißen fest.

Die Kommunen könnten nicht jedes sportliche Bedürfnis befriedigen. Sie müssten aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemüht sein, die Rahmenbedingungen für die sportliche Betätigung der Bevölkerung sicher zu stellen, so Gareißen. Dazu gehöre die Instandhaltung der Sportstätten ebenso, wie die Schaffung guter Rahmenbedingungen für die Ehrenamtler. "Dies ließe sich durch ein Sportentwicklungskonzept, welches die SPD schon seit Jahren fordert, sicherstellen."

Bei der Sportentwicklungsplanung müssten nach Ansicht der Kempener Grünen "die vorsorgenden Effekte des Sports in den Bereichen Persönlichkeitsbildung, Gesundheit, Sozialisation und Integration stärker Berücksichtigung finden", sagt deren Fraktionsvorsitzender Joachim Straeten,. Die verschiedenen Zielgruppen, wie örtliche Sportvereine, Schulen, Kindergärten und Freizeitgruppen, benötigten differenzierte Angebote.

Die Grünen sprechen sich in diesem Zusammenhang für eine ausführliche Bürgerbefragung zum Thema Sport in Kempen aus. Aus ihrer Sicht treiben viele Sportler mittlerweile selbst organisiert und vereinsunabhängig Sport. Dies müsse bei dem zu erarbeitenden Konzept berücksichtigt werden. Eine ganzheitliche Betrachtung der Sportentwicklung müsse somit neben den klassischen Sportanlagen auch frei zugängliche Bewegungsangebote, öffentliche Trainingsplätze oder auch Gelände für Trendsportarten einbeziehen. Außerdem müsse berücksichtigt werden, dass Schulen im Rahmen der Ganztagsbetreuung Kooperationen mit den Vereinen gestalten können. Auch Möglichkeiten der Umstrukturierung von Hallennutzungszeiten gilt es ergebnisoffen zu diskutieren. Straeten: "Da, wo möglich, sollten Sportstätten auch während der Ferienzeiten zur Verfügung stehen."

Für die Kempener Liberalen verbinden Sport und Spiel die Gesellschaft. "Hier finden junge und alte Menschen zusammen, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, behinderte und nicht behinderte Menschen. Sport verbindet Leistungs-, Vereins- und Breitensport, er verbindet gewinnorientierten Sport, ehrenamtliche Tätigkeit und er verbindet Individualismus und Teamfähigkeit", so die FDP. Zur Gewaltprävention und Gesundheitsförderung bei Jugendlichen sei die Jugendarbeit der Vereine unverzichtbar.

"Um bedarfsgerechte Investitionen und Erhaltungsmaßnahmen in Kempen zu ermitteln, unterstützen wir den Sportentwicklungsplan", so die Freidemokraten. Die FDP will das Ehrenamt in ihrem umfassenden gesellschaftlichen Nutzen noch stärker würdigen.

Die Freien Wähler sind glücklich, dass das Kunstrasenprojekt vor der Realisierung steht. Nun müsse auch die marode Umlaufbahn des Tennenplatzes in Tönisberg schnell saniert werden. "Der Vereinssport in Kempen muss insgesamt weitaus mehr gestärkt werden, als es bisher der Fall war", betont Udo Kadagies, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Kempen profitiere von einer Vielzahl ehrenamtlich engagierter Sportler und Sportlerinnen in verschiedenen Sportarten, "die sich aber nicht ausreichend im Fokus befinden". Die Freien Wähler stehen für eine Kommunalpolitik, in der Sport mehr ist als nur lästige Pflicht. Auch sie fordern einen entsprechenden Sportentwicklungsplan. Im neuen Rat wollen sie sich dafür einsetzen, dass Kinder- und Jugendmannschaften keine Nutzungsgebühren für Sportstätten mehr zahlen müssen.

(RP)
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