1. NRW
  2. Städte
  3. Kempen
  4. Lokalsport

Verena Borrmann von der Turnerschaft St. Tönis denkt ans Weitermachen

Mit 46 Jahren : Verena Borrmann denkt ans Weitermachen

In der Corona-Krise und dem Saisionabbruch will sie nicht abtreten. Die 46 Jahre alte Torhüterin des Handball-Nordrheinligisten Turnerschaft St. Tönis möchte auf Abruf im Team bleiben.

Bei der Betrachtung der Kaderliste vom Handball-Nordrheinligisten Turnerschaft St. Tönis reibt sich wohl mancher Beobachter verwundert die Augen. Dass das Geburtsjahr vieler Spielerinnen mit einer zwei beginnt, das ist durchaus nicht überraschend. Doch hinter Verena Borrmann taucht die Jahreszahl 1974 auf. Sie ist mit 46 sogar ein Jahr älter, als Trainerin Miriam Heinecke, mit der sie einst in der Jugend zusammen spielte. „Wir kennen uns seit sie 13 und ich zwölf war. Damals haben wir in Kempen gemeinsam in der Jugend gespielt“, sagt die Übungsleiterin des Viertligisten, die selbst längst nicht mehr aktiv ist. „Damals haben wir große Erfolge gefeiert, haben sogar in der B-Jugend die Westdeutsche Meisterschaft gewonnen. Im Kampf um die Deutsche Meisterschaft sind wir dann aber in der ersten Runde rausgeflogen“, fügt die Torhüterin lachend hinzu.

Erst im durchaus gesetzten Alter von 39 Jahren schloss sie sich der Turnerschaft an. Bis dahin war die Kempenerin in ihrem Heimatverein aktiv. „Dort habe ich bis hoch zur Regionalliga gespielt, die damals dritthöchste Spielklasse“, erzählt sie. Aus dem geplanten Karriereausklang unter ihrer alten Freundin und neuen Trainerin wurde dann eine veritable Ära von sieben Jahren. Eine Ära, die nun auslaufen sollte. „Eigentlich wollte ich nach der Saison deutlich kürzer treten. Ich habe zwei jugendliche Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Mein Sohn spielt Fußball, meine Tochter hat Handball gespielt und ich muss sie oft auch zu Terminen fahren. Mein Freund wohnt in Bonn und ich bin selbstständige Friseurmeisterin. Da wird es zeitlich schwierig“, erklärt sie. Doch der Entschluss, der eigentlich feststand, gerät nun ins Wanken. „Das Saisonende durch Corona soll nicht das Ende meiner Karriere sein. So will ich nicht abtreten“, sagt sie und will nun das Gespräch suchen. „Ich wollte sowieso auf Abruf im Team bleiben. Vielleicht können wir jetzt etwas aushandeln, dass ich begrenzt trainiere und einige Auswärtsspiele mit weiten Fahrten auslasse oder etwas in der Art“, sagt sie. Trainerin Heinecke ist hier aufgeschlossen. „Sie hat viel Erfahrung und hilft uns als Spielerin. Ich würde mich freuen, wenn sie dabei bleibt“, sagt die Übungsleiterin und fügt hinzu: „Corona ist kein Ende für eine so lange Karriere.“ Mit neun Jahren, 1983, begann die Karriere der sympathischen Torfrau. „Das sind jetzt schon 37 Jahre. Erschütternd“, stellt diese lachend fest. Wie sie ins Tor kam? „Das ging ganz schnell. Am Anfang haben wir nur einfache Übungen gemacht. Als wir dann richtig zu spielen anfingen sagte der damalige Trainer zu mir und einer Freundin ‚Ihr bringt morgen lange Hosen mit und geht ins Tor’. Den Satz habe ich noch heute in den Ohren und er hat mein Leben geprägt“, erzählt sie und die Augen blitzen schelmisch. Ihren jungen Teamkameradinnen glaubt sie, noch einiges mitgeben zu können – als Mentorin. Und so könnte die Ära Verena Borrmann in St. Tönis noch ins achte Jahr gehen. Trainerin Heinecke und die Teamkameradinnen würde es freuen.