SV Vorst Frauen B-Jugend: Sie machen trotz vieler Niederlagen immer weiter.

Frauen Nachwuchsfußball : Aus Liebe zum Spiel

Die weibliche B-Jugend des SV Vorst wurde aus der Kreisklasse in die Niederrheinliga gespült. Obwohl chancenlos kämpfen die Mädchen immer weiter.

Eine Anzeigetafel gibt es im Stadion des SV Vorst nicht – und das ist auch gut so. Auf dem Feld laufen 21 junge Frauen dem Fußball nach. Sie kämpfen, sie spielen, sie haben Spaß. Das gilt auch für die Mädchen des SV Vorst. Dabei hätten sie allen Grund, frustriert zu sein. Wie es steht? „Weiß ich gar nicht genau. 0:16 oder 0:17 meine ich“, sagt Trainer Holger Albrecht. Tatsächlich weist die Statistik ein 0:18 aus. Egal, die Mädchen haben Spaß.

Dass sie in der Niederrheinliga spielen und damit das höchsteingestufte Team des Kreises überhaupt sind, kam sehr plötzlich. „Unsere gesamte B-Jugend der Vorsaison ist über die Altersgrenze gekommen oder gewechselt. So mussten wir die Mädels hochziehen. Sie hatten bis dahin in der Kreisklasse, also zwei Ligen tiefer, gespielt“, sagt der Trainer. Entsprechend haben sie in der Niederrheinliga nichts zu bestellen.

Die Niederlage heute ist die höchste der Saison, denn neben dem ohnehin vorhandenen Leistungsunterschied haben sie auch noch mit Krankheiten und Verletzungen zu kämpfen. Torhüterin Julia Wanders ist eigentlich die Spielmacherin. Außerdem haben sie überhaupt nur zehn Spielerinnen im Kader.

Der Gast aus Rhede ist Tabellenvierter und nutzt das gnadenlos aus. Trotzdem geben sich die Vorster Mädels nicht auf. Noch in der Schlussminute kämpfen sie um jeden Ball, laufen bis zum Umfallen, grätschen, werfen sich in Schüsse. „Mittlerweile ist es für uns ja relativ normal, dass wir so hoch verlieren“, sagt Abwehrspielerin Alexa van Pluer nach der Partie und Kapitänin Leonie Grunewald, die aus dem defensiven Mittelfeld heraus versucht, das Spiel zu lenken, fügt hinzu: „Wir versuchen immer erstmal, dass es nicht zweistellig wird.“ 0:89 lautet die Tordifferenz nach elf Spielen.

Die Rückrunde hat gerade begonnen. Einmal, bei einem 0:1 gegen Dienslaken, waren sie knapp an einem Punktgewinn. Erst kurz vor Schluss fiel das Gegentor. „Wir glauben aber daran, dass wir irgendwann diesen einen Punkt holen“, sagt Grunewald. Die Stimmung der Mädchen ist gut. Sie wissen, dass sie ihr Bestes geben und in eine Situation geworfen wurden, in der sie sportlich überfordert sind. Trotzdem macht es sie stolz, in der Niederrheinliga zu spielen. „Das hört sich doch besser an als Kreisklasse, oder?“, fragt Alexa van Pluer schelmisch grinsend. Stürmerin Anna Keufen hofft unterdessen neben dem ersten Punkt auch auf das erste Tor. „Klar weiß ich, dass es wahrscheinlich nicht funktioniert. Aber ich versuche es weiter“, sagt sie.

Ob die jungen Frauen im kommenden Jahr noch zusammen spielen können, ist noch fraglich. Fünf Spielerinnen kämen über die Altersgrenze. Nur zwei Ältere wären zulässig. „Vielleicht gehen wir in die U19. Vielleicht löst sich das Team auf. Wichtig wäre, dass wir mehr Spielerinnen bekommen. Wer interessiert ist kann gern bei uns vorbei kommen“, sagt der Trainer. Der sieht auch durchaus eine Entwicklung in der Mannschaft. Ob die irgendwann zum ersten Punkt führt? Das wird sich zeigen. Zu wünschen wäre es den jungen Frauen allerdings, die mit so viel Herzblut und Leidenschaft bei der Sache sind und sich auch von noch so deftigen Niederlagen nicht irritieren lassen. Der Teamgeist stimmt, der Spaß auch. „Auch wenn heute die Schule mehr im Mittelpunkt steht: Fußball ist mir enorm wichtig“, sagt Verteidigerin Alexa. Ihr und den anderen ist zu wünschen, dass es so bleiben kann.

Junge Frauen, speziell der Jahrgänge 2003 und 2004, sind beim Training willkommen. Montags und Freitags wird ab 18 Uhr Am Sportplatz 1 in Vorst trainiert. Telefonische Infos unter 02156-7462.

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