Kempener Frauen-Handball im Aufwind

Handball : Kempener Frauen-Handball im Aufwind

Auch wenn die weibliche A-Jugend der Vereinigten Turnerschaft über Pfingsten bei der bundesweiten Qualifikation den Aufstieg in die Bundesliga verpasste, gehört diesem Team die Zukunft. Die meisten Spielerinnen bleiben im Verein.

Am 2. Mai 2010 endete in Kempen eine glorreiche Ära des Frauen-Handballs. Nach ihrem letzten Heimspiel in der Regionalliga verabschiedeten sich die Spielerinnen der Vereinigten Turnerschaft in der Ludwig-Jahn-Halle unter Tränen von den 250 Zuschauern. Der Vereinsvorstand um den nicht gerade als Freund des Handballs geltenden Vorsitzenden Detlef Schürmanns hatte schon früh während der Saison entschieden, dass man sich nicht für die 3. Liga bewerben werde. Damit begann der Absturz des Frauen-Handballs, der in der Bezirksliga endete. Jetzt besteht wieder große Hoffnung, dass schon bald ein Frauen-Team an die guten alten Zeiten der VTK anknüpfen kann. Dafür ist die weibliche A-Jugend verantwortlich, die zu den besten Teams ihrer Altersklasse in Deutschland zählt. Über Pfingsten nahm die Mannschaft der beiden Trainer Jürgen Witzke und Steffi Schuhmacher in Bad Soden (Taunus) an der bundesweiten Qualifikation für die Bundesligasaison 2019/20 teil. Zwar verpassten die Mädels aus der Thomasstadt gegen sehr starke Konkurrenz das gesteckte Ziel, verkauften sich allerdings sehr teuer und machten prima Werbung für den Handball am Niederrhein.

In Bad Soden kämpften sechs Teams in zwei Dreiergruppen um jeweils zwei Plätze für die Endrunde der besten vier Mannschaften. Die VTK hätte lieber im Norden an der Qualifikation teilgenommen, wo es auf dem Papier leichtere Gegner gab als in den beiden Südgruppen. Aber bereits im ersten Gruppenspiel am Pfingstsamstag gab die VTK-Auswahl zu erkennen, dass sie sich für den Kampf um den Aufstieg viel vorgenommen hatten. Sie fegten Gastgeber Bad Soden mit 22:6 aus der Halle und sicherten sich somit schon das Ticket für die Endrunde. Im zweiten Gruppenspiel ging es gegen die Juniorinnen des Bundesligisten TV Nellingen. Das Duell war lange ausgeglichen. Erst beim Stande von 14:14 setzte sich der Favorit aus dem Süden vorentscheidend ab und gewann mit 24:17.

Am Sonntag musste dann gegen den Nachwuchs des Bundesligisten TuS Metzingen ein Sieg her. Nach einer zerfahrenen ersten Halbzeit (7:12) zeigte die VTK ihr wahres Gesicht und hielt erneut sehr lange mit. Erst beim Stande von 16:17 zog der TuS davon und gewann am Ende mit 21:16. „In den Spielen gegen Nellingen und Metzingen ging meinem Team gegen Spielende die Luft aus. Die beiden Gegner hatten durch ihre Tiefe im Kader einfach das größere Stehvermögen. Aber meine Mannschaft hat alles gegeben und sich klasse verkauft. Kempen mussten unsere Gegner im Internet erstmal googeln. Jetzt kennt man uns“, sagte Trainer Jürgen Witzke. Von der Konkurrenz erntete der Regionalliga-Meister aus dem Westen viel Lob und Anerkennung.

Jürgen Witzke ist seit fünf Jahren Cheftrainer des Teams. Fast alle Spielerinnen bleiben dem Verein erhalten und werden in der kommenden Saison das Grundgerüst der Frauen-Mannschaft bilden, die wie auch die 2. Mannschaft der VTK in der Bezirksliga spielen. „Wir peilen natürlich den Aufstieg an, und das nicht nur in der kommenden Saison. Wir wollen wieder in die Gefilde kommen, wo Kempen mal war “, sagt der Coach. Seinen Spielerinnen gönnte er jetzt erstmal eine Pause: „Einige sind angeschlagen oder verletzt.“ Seine Planungen für die Vorbereitung auf die neue Spielzeit stehen schon. Dazu gehört auch ein viertägiges Trainingslager in Münster. „Dort werden wir auch nochmal unsere tolle A-Jugend-Saison feiern“, sagt Witzke.

Um den weiblichen Nachwuchs muss sich die VTK keine Sorgen machen. In der B-Jugend gingen in dieser Saison gleich drei Mannschaften an den Start. Ein Team kämpft derzeit noch um den Aufstieg in die Oberliga. Nicht so rosig sieht es bei den Männern aus. Die 1. Mannschaft ist gerade in die Bezirksliga abgestiegen. Mit einem jungen Team ist ein Neuaufbau geplant. Bei der männlichen Jugend fehlten zuletzt Teams der Altersklassen B und C.

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