Stadt Kempen: Spargel wächst mit Fußbodenheizung

Stadt Kempen: Spargel wächst mit Fußbodenheizung

Auch wenn draußen noch kein dauerhaftes Frühlingswetter herrscht, Spargelfreunde können sich freuen. Die ersten Stangen des weißen Goldes sprießen aus dem heimischen Boden. Die Preise sind allerdings noch recht hoch.

Auf dem St. Huberter Spargel- und Erdbeerhof Goetzens ist die Saison der weißen Stangen angelaufen. "Heiz-Spargel" heißt dabei das Zauberwort, das für den ersten frischen Spargel sorgt. Denn die Restwärme der Blockheizkraftwerke, die für die Erdbeertreibhäuser des Hofes nicht benötigt wird, geht in die Spargelwälle. Warmwasserleitungen liegen an den "Füßen" des Spargels. Ohne diese Fußbodenheizung für den Spargel, kombiniert mit schwarzer Folie, die über den Wällen liegt, und darüber stehenden Minitunneln, gebe es das edle Gemüse in diesem Jahr noch nicht.

"Die Sonnenstunden fehlen", sagt Karl Goetzens. Normalerweise würde die Sonne die schwarze Folie, die auf den Spargelfeldern liegt, ordentlich erwärmen und dadurch Wärme bis in die tieferen Bodenschichten transportieren. Denn immerhin sitzt das Wurzelgemüse 24 Zentimeter tief unter der Erde. Zudem würde durch mehr Sonne dank der Folie auch für die Nacht Wärme gespeichert werden.

Doch das ist momentan nicht der Fall. Auf Grund dieser Faktoren wächst der Spargel ohne weitere Hilfe derzeit nicht. "Durch die generelle Verfrühung mit den Minitunneln ist der Verbraucher aber auch verwöhnt. Klassisch gesehen würde es den Spargel eigentlich erst Anfang Mai geben", erklärt Goetzens.

Direkt am Spargelstock gemessen ergibt die Erdtemperatur derzeit zwölf Grad. Daneben im Boden, der nicht durch Folie und Minitunnel geschützt ist, sind es gerade einmal zwei bis drei Grad. Der erste beheizte Spargel ist dabei ein sehr mild schmeckendes Gemüse. Ein Hochgenuss, wie es Goetzens beschreibt.

Dieser Spargel kann dank der gleichmäßigen Temperaturen im Boden zügig durchwachsen und bildet nur eine sehr dünne Schale, da er sich mit ihr nicht gegen Kälte schützen muss. "Der spätere Spargel im Mai und Juni ist dafür würziger. Kenner schmecken den Unterschied", sagt der Spargelanbauer. Den ersten Spargel, den Goetzens am 15. März entdeckte, hat der Landwirt direkt im Feld roh gegessen. "Davon habe ich keinem etwas erzählt", verrät er lachend. Die nächste Stange brachte er dann mit nach Hause, wo er sie mit seiner Frau Anni teilte. Ganz Gentleman dabei.

"Meine Frau bekam natürlich das Köpfchen", sagt Goetzens. Zu Ostern war dann der erste Spargel nicht nur bei der Familie Goetzens auf dem Mittagstisch zu finden, sondern auch schon im Verkauf im hauseigenen Bauernlädchen. "Wenn es jetzt zehn Tage lang durchschnittlich zwölf Grad warm ist, dann haben wir neben dem ,Heiz-Spargel' den Spargel unter der doppelten Folie, das heißt schwarze Folie und Minitunnel", erklärt Goetzens.

Für den richtigen Freilandspargel muss noch gut eine Woche gewartet werden, dann müsste er — wenn das Wetter mitspielt — ebenfalls da sein. Goetzens hat dabei eine Faustregel, die sich in den vergangenen Jahren bewährt hat. Wenn die Narzissen auf dem Parkplatz vor dem Bauernladen blühen, dann ist der klassische Freilandspargel da.

Der Preis ist angesichts der aufwendigen Anbaumethode derzeit noch recht hoch. Er liegt beim Spargelhof Goetzens in St. Hubert in diesen Tagen — je nach Qualität — zwischen sechs und zehn Euro pro Kilogramm.

(tref)
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