Sozialer Tag in der Gesamtschule

Gesamtschule : Schüler zeigen soziale Verantwortung

Erstmals findet der Soziale Tag an der Gesamtschule statt. Neuntklässler erkunden an einem Tag die Berufswelt und spenden ihren Lohn für einen guten Zweck.

Der Soziale Tag bleibt den Kempener erhalten, allerdings unter Regie der Gesamtschule. Das Konzept wurde von der auslaufenden Erich Kästner Realschule unter dem Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – ein oft zitierter Satz von Erich Kästner – übernommen. „Der Soziale Tag bietet den 179 Schülern der Jahrgangsstufe neun die Möglichkeit, einmal weit über den Tellerrand hinaus zublicken“, sagt Mira Dugal-Klahre, Schulsozialarbeiterin.

Die Schüler der Klassen 9a bis f arbeiten am Sozialen Tag, der am Dienstag, 18. Juni, stattfindet, in einem von ihnen ausgesuchten Betrieb. Sie erhalten einen Stundenlohn, der bei rund fünf Euro liegt und am Ende von Schülern und Lehrern ausgewählten sozialen Projekten zugutekommt. „Mit dem Sozialen Tag sollen sich die Schüler mit dem Ehrenamt vetraut machen, Verantwortung für sich selbst und andere übernehmen und erfahren, dass die eigene Hilfe etwas bewirkt“, sagt Lehrerin Angelika Canders-Lemkens.

Sechs bis acht Stunden sollen die Jugendlichen in einem Betrieb arbeiten, bei dem sie sich vorab beworben und einen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben. Ob die Schüler im Einzelhandel, in der Landwirtschaft, im elterlichen Betrieb oder in einem privaten Haushalt arbeiten, bleibt ihnen selbst überlassen. Der Soziale Tag sei kein Berufspraktikum, in dem es darum geht, ein Berufsfeld, für das man sich interessiert, auszuwählen, sondern es gehe darum, Geld zu verdienen und  dieses zu spenden, betont Angelika Canders-Lemkens weiter. Außerdem sei es gut für die Schüler an Organisationen zu spenden, bei denen sie wissen, wo ihr Geld hingeht.

Um dies zu gewährleisten haben die drei Spendenempfänger sich und ihre Projekte bei den Schülern vorgestellt. Der Verein „Löwenkinder“ ist einer dieser drei Organisationen. Der vor etwa 30 Jahren gegründeter Verein mit Sitz in Viersen unterstützt und betreut krebs- und chronisch kranke Kinder. Die fast 200 ehrenamtliche Mitarbeiter leisten Einzelfallhilfe, indem sie sich um notwendige Therapien, die die Kassen nicht zahlen, kümmern oder auch besondere Wünsche erfüllen. Sie fördern nach Auskunft von Jeanette Wyes Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und regionale Projekte, wie beispielsweise Studien und Forschungen.

Ein weiterer Spendenempfänger ist die Kempener Tafel. Schon vorab haben einige Schüler diesen Verein besucht, um sich selbst ein Bild zu machen. Mit 45 ehrenamtlichen Mitarbeitern versorgt die Tafel, so Vorsitzender Bruno Wrede, bedürftige Menschen und Familien mit Lebensmitteln, Haushaltswaren sowie Kleidung für kleines Geld.

Der dritte Verein nennt sich „Haus der Sonne“ und hilft Kindern und Jugendlichen in Kamerun mit einer Grundversorgung. Gegründet wurde die Organisation von Christian Elloundu, der vor 16 Jahren nach Kempen kam. Er war in seinem Heimatland nicht mehr sicher und musste dieses verlassen. In der Stadt Mbouda renovierte der Verein durch ehrenamtliche Mitarbeiter ein Haus, indem nun Waisenkinder eine tägliche Mahlzeit bekommen sowie Unterstützung bei der schulischen Bildung durch eine Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung, damit die Kinder, denen es zuvor nicht möglich war eine Schule zu besuchen, den Lernstoff aufholen können. Hintergrund: Elloundu hat selber als Straßenkind gelebt und weiß um das Leid der Betroffenen. Das Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe“ hat sich als Ziel gesetzt soviele Kinder wie möglich mit einer Grundversorgung und einem Zugang zu Bildung und Beruf auszustatten.

„Der Soziale Tag ist ein Beweis dafür, dass auch Jugendliche etwas im sozialen Bereich bewegen können“, sagt Bürgermeister Volker Rübo. Die Idee ist einfach und kann mit der Unterstützung von Unternehmen in und um Kempen große Wirkung zeigen. „Wir sind sehr dankbar für die Kooperationsbereitschaft der Betriebe“, sagt Schulleiter Uwe Hötter. Das Projekt soll sich nach einem hoffentlich erfolgreichem Start zu einem festen Bestandteil auch an der Gesamtschule etablieren.

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