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Sozialer Tag an der Gesamtschule

Gesamtschule Kempen : Gesamtschüler zeigen Solidarität

179 Neuntklässler der Gesamtschule schwärmten gestern aus und arbeiteten einen Tag für gemeinnützige Projekte. Der Soziale Tag ist in Kempen längst etabliert. Die Schüler haben kaum Probleme, eine Stelle zu bekommen.

Den Sozialen Tag  kennen die Kempener seit langem, aber am Dienstag gab es trotzdem eine Premiere: Erstmals  fand die Aktion  unter der Regie der Gesamtschule statt. Die Realschule, die diese Sozialaktion in Kempen begründete und etablierte, läuft bekanntlich mit Ende des Schuljahres aus. 179 Schüler der Jahrgangsstufe 9 tauschte die Schulbank für einen Tag mit der realen Arbeitswelt. Sie erhalten dafür einen Stundenlohn von rund fünf Euro, den sie in vollem Umfang für soziale Projekte spenden.  Es fiel deutlich auf, dass in vielen Kempener Geschäften und Betrieben zusätzliche Arbeitskräfte am Werk waren.

Luis Sobotta arbeitete bei der Kühler GmbH an der Verbindungsstraße, Lieferant von Bauteilen für Maschinenbau und Metallverarbeitung. Wie ist er an diese Stelle gekommen? „Der Chef ist ein Freund meiner Eltern.“ Am Vormittag war er mit dem Aufräumen der Außenlage beschäftigt. Was am Nachmittag auf ihn wartet, wusste er noch nicht. Ein große Lob gab es  von den Mitarbeitern: „Der Junge ist fleißig.“ Was Luis später einmal beruflich machen möchte, weiß er noch nicht.

Lennard Fischer schaute am Condienplatz den Tierärztinnen über die Schulter. Er hat hier bereits ein Praktikum absolviert. Foto: heiner deckers

Maxim Müller hatte ein Stelle in der Concordienapotheke am Concordienplatz gefunden. Er räumte gerade Medikamente aus den Regalen, säuberte die Ablagen und räumte die Medikamente wieder ein. Er wohnt gleich um die Ecke und hat Apotheker Bernd Schulze einfach nach einem Arbeitsplatz gefragt. Der hat sofort zugestimmt: „Da machen wir gerne mit.“ Der Neuntklässler bekommt neben seiner Arbeit dann auch mit, was hinter den Kulissen einer Apotheke so abläuft. Maxim kann sich vorstellen, später in einem Handwerksberuf zu arbeiten.

Maxim Müller  machte sich in der Apotheke am Concordienplatz nützlich und reinigte unter anderem Regale. Foto: heiner deckers

Nur wenige Häuser weiter ist Lennard Fischer zu Gange, nämlich in der Kleintierpraxis am Concordienplatz. Er kennt sich da schon aus, ha bereits ein Praktikum absolviert. „Das hat mir gefallen“, sagt er und habe nach einer Stelle gefragt. Am späten Vormittag hat er bereits geholfen, drei Katzen und einem Hund Blut abzunehmen. Beim Berufswunsch ist sich Lennard noch nicht gant sicher: „Tierarzt oder Grundschullehrer.“

Luis Sobotta hat eine Stelle  bei der Kühler GmbH gefunden. Unter anderem war er mit Aufräumen beschäftigt. Foto: heiner deckers

Für den Einzelhandel hat sich Alexa Bosch entschieden. Sie arbeitet bei Taschen Tick an der Peterstraße. Am Anfang stand sofort eine vertrauensvolle Aufgabe: Sie musste das Geld in der Kasse zählen. Sie hat die Verkaufsständer nach draußen gestellt und auch schon kassiert. Für den Nachmittag steht die Dekoration eines Schaufensters auf dem Programm. Den Job hat sie durch persönliche Beziehungen bekommen. Besonders interessant findet Alexa, „wie die Kunden so drauf sind.“ Bereits nach wenigen Stunden weiß sie, dass die Kempener genau wissen, was sie wollen. Diesen Eindruck betätigt Siham Mir, die seit 2007 im Geschäft arbeitet: „Die Kempener sind sehr wählerisch.“

Mit dem Sozialen Tag sollen die Schüler lernen, wie wichtig es ist, sich für andere einzusetzen und Solidarität zu zeigen. Der Erlös geht an drei soziale Projekte, die den Schülern bereits vorgestellt wurden. Die Kempener Tafel hilft Bedürftigen, ihren Alltag zu bestreiten. 45 ehrenamtliche Mitarbeiter verteilen Lebensmittel und Kleidung. Der Verein „Löwenkinder“ unterstützt krebskranke und chronisch kranke Kinder. Die fast 200 ehrenamtlichen Mitarbeiter kümmern sich etwa um Therapien, die die Kasse nicht zahlt, erfüllen aber auch gern Einzelwünsche.  Der Verein „Haus der Sonne“ sorgt für eine Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen in Kamerun. Gegründet wurde er von Christian Eloundou. Er kam vor 16 nach Kempen, weil er in seiner Heimat nicht mehr sicher war und verfolgt wurde. Eloundou hat selber als Straßenkind und gelebt und weiß um deren schweres Leid. Die Spenden werden im Herbst an die dei Organisationen verteilt. Die Schülerhalten es damit wie Erich Kästner, der einst sagte: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“