Sonderausstellung "Triumph der Maschinen" im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath

Neue Sonderausstellung im Niederrheinischen Freilichtmuseum : Die Technisierung der Landwirtschaft

Von der Feldarbeit mit Muskelkraft, kleinem Gerät und Tieren hin zum Einsatz immer effizienterer Maschinen — das Niederrheinische Freilichtmuseum zeigt in einer Sonderausstellung, wie die Landwirtschaft immer technischer wurde.

Morgens um zwei aufstehen, den Röhrenkessel aufheizen, damit er vier Stunden später einsatzbereit ist, und ihn dann den ganzen Tag am Laufen halten. Gegessen wird im Stehen neben der Lokomobile, die Maschine braucht stetig Wasser und Kohle in rauen Mengen. Zwölf bis 14 Stunden dauert ein normaler Arbeitstag. Auch mit dem Einsatz von Maschinen war die Landwirtschaft noch beschwerlich – aber immerhin deutlich leichter als zuvor. Wie die Technisierung der Landwirtschaft in der Region bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vorangeschritten ist, zeigt der Kreis Viersen in der Sonderausstellung „Triumph der Maschinen“ im Niederrheinischen Freilichtmuseum.

Diese Lokomobile von 1907 steht sonst im LVR-Industriemuseum. Foto: Emily Senf

Damit widmet sich der Kreis einem Kernthema des Museums, sagte Ingo Schabrich, Kreisdirektor und Kulturdezernent des Kreises, bei der Vorstellung: dem landwirtschaftlichen Leben am Niederrhein und einem extrem wichtigen geschichtlichen Schritt. Denn zwar führte der Einsatz von Maschinen zu einer Arbeitserleichterung – aber auch zu einer Steigerung des Ertrags, die bitter nötig war. „Allein schon, weil die Bevölkerung Ende des 19. Jahrhunderts stetig anwuchs“, sagte Anke Petrat, Leiterin des Niederrheinischen Freilichtmuseums und Kuratorin der Ausstellung. Lebten zuvor rund 80 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, zogen im Zuge der Industrialisierung nun immer mehr Menschen in die Städte. Um 1900 habe ein Landwirt noch vier Menschen ernährt, um 1950 seien es schon 19 gewesen, inzwischen seien es 155.

Dank dieser Maschine konnten drei Personen gleichzeitig Kappespflanzen (Weißkohl) in die Erde setzen. Foto: Emily Senf

Die Sonderausstellung ist in der Hofanlage Waldniel zu sehen. Diese wurde 1785 gebaut und ist der jüngste der Höfe des Freilichtmuseums. Der Beginn der Technisierung begann nur wenige Jahrzehnte nach dem Baubeginn. Der Hof biete sich darum als Standort geradezu an, sagte Schabrich. Die landwirtschaftlichen Geräte, die nun dort gezeigt werden, stammen aus dem späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, überwiegend aus dem Bestand des Museums. Eine der wenigen Ausnahmen ist die rund viereinhalb Tonnen schwere Lokomobile von 1907. Sie wurde erst am Dienstag mit einem Schwertransport nach Grefrath gebracht und steht eigentlich im Industriemuseum des Landschaftsverbands Rheinland in Oberhausen.

Auch der Pflanzenschutz wurde bedeutsamer. Foto: Emily Senf

Großformatige Texte neben den Ausstellungsstücken erläutern die Funktion der Maschinen, für Kinder gibt es Informationen auf Augenhöhe in kindgerechter Sprache.

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