So war der Auftritt von Tobias Mann in Kempen-St. Hubert

Tobias Mann : Ein echter Hingucker auf der Bühne des Forums St. Hubert

Kabarettist Tobias Mann weiß, wie er die Blicke auf sich zieht: mit Charme sowie einem vielfarbigen Klavier und einer Gitarre mit aufgemalten Kreisen.

Der Mann hat eine Vorliebe für bunte Instrumente – und spielen kann er sie auch. Das vielfarbige Klavier und die Gitarre mit den aufgemalten psychedelischen Kreisen waren – neben dem Kabarettisten natürlich – ein echter Hingucker auf der Bühne des Forums St. Hubert. An zwei Abenden hintereinander sorgte Tobias Mann nicht nur für einen ausverkauften Saal, sondern ebenso für lachende, begeisterte, aber auch nachdenklich werdende Menschen.

Der Mainzer ist 44 Jahre alt und hat Wirtschaftswissenschaften studiert. Doch entschied sich der Diplomkaufmann schnell für die Bühne als Arbeitsplatz. Mit „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ begann seine Karriere als Kabarettist/Comedian/Musiker. Es gelingt ihm tatsächlich, diese drei Genres zu einem Mann-typischen Mix zu verbinden. Mittlerweile hat er sich auch in einigen im Fernsehen ausgestrahlten Kabarett- und Comedy-Sendungen wie „Nightwash“ oder „Neues aus der Anstalt“ einen Namen gemacht. Bewundernswert ist, wie Mann mit Worten, Begriffen, Beschreibungen jongliert. „Chaos“ heißt sein Programm, und von Klimakatastrophe über AfD, FDP, SPD, Ikea, den Stau, die Wespen, „Morbus Greta“ ist alles dabei. Neben den pointierten, auf die Spitze getriebenen Beobachtungen des politischen und gesellschaftlichen Alltags war Mann in seiner Show immer auch auf einer übergeordneten Ebene unterwegs: Er reflektierte das, was er tat. Zum Beispiel, wie schwierig es ist, in Zeiten von Trump, Putin und dem Brexit (den er in vier Worten zu erklären vermag: „Nein. Doch. Oh. Fertig.“) das zu tun, was Satiriker tun sollen: „Auf die Realität noch einen draufsetzen.“ Und wie schwierig es ist, mit Ironie zu arbeiten. Er gab die Warnung aus: „Teile des Programms sind ironisch gemeint.“ Und erklärte weiter: „An bestimmten Stellen im Programm kommt meine Meinung durch, ich entschuldige mich – auch im Namen von Tom Buhrow – dafür.“

Mann beschrieb, wie kompliziert so eine Show ist. Das beginne mit dem Beginn, dem die Probleme mit den Übergängen von einer Nummer zur anderen folgten und dann ein weiteres Problem: „Schluss machen ist auch schwer.“ Dabei ist es nicht das erste Bühnenprogramm, das Mann entwickelt hat, aber manche Probleme bleiben eben bestehen – und werden souverän gelöst. In der Reflektion der eigenen Arbeit benannte Mann die Regeln für einen Kabarettisten, der „immer nur nach oben, nie nach unten treten darf“. Er sinnierte darüber, wie ein Witz wirkt, wie eine Pointe funktioniert. Wie das mit den Klischees und Vorurteilen ist, auf denen viele der Witze aufgebaut sind. Welche funktionieren und welche nicht. Dabei kam das Publikum ins Grübeln. Gut kam auch an, wie Mann es auf eine respektvoll respektlose Art einzubeziehen vermochte. Das ist auch eine kabarettistische Kunst! Eine ganz einfache Lösung für das Chaos bot Mann in einem dahin geschmetterten Lied an: „Männer sind das Übel der Welt“.

(b-r)