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Serie: 725 Jahre Stadtrechte für Kempen - Zukunft der Burg

Kempen : Was wird nun aus dem Wahrzeichen der Stadt?

Nachdem am 1. Januar 1975 Kempen seinen Rang als Kreissitz an Viersen abtreten musste, sollen die im Kreishaus verbliebenen Ämter ab August 1984 in das neue Verwaltungsgebäude in Viersen umziehen. Kempen ist 168 Jahre lang Kreissitz gewesen, und über dessen Verlust sitzt der Schmerz in der Stadt tief.

Was soll aus der Burg werden, wenn sie leer steht?

21. Februar 1984: Auf Drängen des Kempener CDU-Politikers Rudi Alsdorf, der von Landrat Hannes Backes und CDU-MdB Julius Louven unterstützt wird, beschließt der Kreistag den Verbleib des Kreisarchivs, der Jugendberufshilfe, der Geschäftsstelle der Kreisvolkshochschule (VHS) und einer Nebenstelle des Straßenverkehrsamtes in Kempen und darüber hinaus der Kreisbücherei in Unterweiden. Die nun einsetzenden Planungen sehen vor: Kreisarchiv, Straßenverkehrsamt und VHS sollen in der Burg unterkommen.

8. Juni 1984: Der Kempener Haupt- und Finanzausschuss beschließt, das Stadtarchiv aus dem Kuhtor als eigenständige Abteilung an das Kreisarchiv in der Burg zu geben. 15. Juni 1984: Der Vorsitzende der jungen Union, Otmar Falkner, macht einen Alternativvorschlag: Die Burg solle das vom Land NRW geplante vierte Spielcasino aufnehmen: „Ein Casino hebt das Ansehen und das Flair einer Stadt. Das gäbe einen enormen Aufschwung für die Gastronomie und die Geschäftswelt.“ Dazu ist es nicht gekommen. In die Burg kommen Kreisarchiv, Straßenverkehrsamt und VHS.

Seit 2013 sucht der Kreis Viersen eine andere Verwendung für die Burg. Als Standort des Archivs sei sie mittlerweile ungeeignet, sagt Landrat Andreas Coenen, seit Oktober 2015 im Amt, und stützt sich auf zwei Gutachten der Leiterin der Archivberatung beim Landschaftsverband.

22. September 2016: Der Kreistag beschließt einen Neubau des Kreisarchivs in Viersen.

27. Juni 2017: Der Kempener Stadtrat spricht sich aus Kostengründen gegen die Ausgliederung des Stadtarchivs aus dem Kreisarchiv durch einen Neubau in Kempen aus. Damit ist klar: Das Stadtarchiv wird die Burg spätestens 2021 mit dem Kreisarchiv verlassen.

Wieder erhebt sich die Frage: Was wird aus der leer stehenden Burg? Im Falle ihres Verbleibs beim Kreis will dieser sie an einen privaten Investor verkaufen. Würde die Stadt Kempen die Burg übernehmen, müsste sie wohl zwischen zehn und 20 Millionen Euro in einen Umbau investieren, und das, obwohl in den nächsten Jahren Anforderungen in Höhe von etwa 80 Millionen Euro (Kitas, Schulen, Rathaus-Sanierung) auf sie zukommen werden. In Kempen entspinnt sich eine teilweise emotional geführte Diskussion darüber, ob die Stadt die Burg zurückkaufen soll oder nicht.

6. Februar 2018: Der Kempener Stadtrat beschließt mit 28:14 Stimmen, die Stadt möge mit dem Kreis Verhandlungen über den Ankauf der Burg einleiten. Wesentlich dazu beigetragen hat eine öffentliche Stellungnahme von Alt-Bürgermeister Karl Hensel für den Rückkauf der Burg. Sein Tenor: „Ein Verkauf an einen privaten Investor birgt Risiken. Was geschieht, wenn der Unternehmer schwer zu vereinbarende Kompromisse einfordert oder das Bauwerk einfach spekulativ liegen lässt? Bei einer Übernahme der Burg hat die Stadt dagegen genügend Zeit, um ein tragfähiges Nutzungskonzept zu entwickeln und mit Hilfe öffentlicher Fördergelder umzusetzen.“