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Sekundarschule Grefrath: Schüler bauen Luftfilter selbst

Anfragen aus anderen Städten : Grefrather Schüler bauen Luftfilter selbst

Die Grefrather Sekundarschule sagt den Aerosolen den Kampf an. Der Technikkurs baut Abluftanlagen – und das nicht nur für die eigenen Schulräume, sondern auch für die benachbarte Grundschule. Das Material kommt aus dem Erzgebirge.

Während die Stadt Willich im Kampf gegen das Coronavirus für Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen 700 mobile Luftfilter im Wert von 368.000 Euro angeschafft hat und andere Städte wie Kempen auf den Kauf solcher Geräte verzichten, haben Schüler der Grefrather Sekundarschule bereits vor einigen Monaten eine eigene Luftfilteranlage gebaut. Nun expandieren sie sogar und sind in der benachbarten Gemeinschaftsgrundschule Grefrath zugange.

Die Flure der ersten Etage gleichen einer Baustelle. Auf dem Boden liegen sechs Meter lange Aluminiumrohre, Lüftungsgitter und Ventilatoren sowie diverses Befestigungsmaterial. Auf den Fensterbänken parken Akku-Bohrschrauber. Dann werden Rohre und Co. in Klassenzimmer getragen, und kurze Zeit später ist das Surren der elektrischen Handwerksgeräte zu hören. Schüler vom Technikkurs der Sekundarschule bauen in die Grundschulklassenräume Abluftanlagen ein, mit deren Hilfe die Aerosole angesaugt und nach draußen geführt werden.

„Wir haben Ende 2020 im Technikkurs die erste Anlage nach Bauplänen des Max-Planck-Instituts für unsere Schule nachgebaut und im Laufe der Zeit optimiert“, sagt Tobias Schmitz, der stellvertretende Schulleiter und Techniklehrer. Inzwischen haben die Schüler eine Anlage konzipiert, die nicht nur äußerst effektiv, sondern auch kostengünstig und unkompliziert zu installieren ist. Das Thema Luftfilterung fand sich im Grefrather Schulausschuss wieder, und es fiel der Entschluss, als Gemeinde selbst aktiv zu werden, um solche Anlagen einbauen zu können.

 Schüler des Technikkurses der Sekundarschule Grefrath arbeiten an dem Luftfilter-Projekt.
Schüler des Technikkurses der Sekundarschule Grefrath arbeiten an dem Luftfilter-Projekt. Foto: Norbert Prümen
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Da die Fördergelder für Lüftungsgeräte von Schulen nur für Räume abgerufen werden können, die manuell nicht zu lüften sind, fließen aus diesem Topf keine Mittel. Die Gemeinde Grefrath nimmt daher selbst Geld in die Hand, damit die Klassen der Stufen fünf und sechs der Sekundarschule sowie die Klassen der Grundschule mit Filteranlagen ausgerüstet werden können. In den Schulen hängen bereits CO2-Messgeräte, ebenfalls finanziert durch die Gemeinde. „Zusammen mit den nun installierten Filteranlagen können wir unseren Schülern die größtmögliche Sicherheit bieten“, sagt Berrit Liebisch. Die Schulleiterin der Grefrather Grundschule ist begeistert, dass die Schüler des Technikkurses 22 solcher Anlagen in der Schule installieren – 14 Stück in Grefrath und acht in der Oedter Dependance. Weitere fünf Anlagen bauen die Zehntklässler in der eigenen Schule.

Dabei sah es anfangs so aus, als würde das Projekt scheitern, denn die benötigten Ausgangsmaterialien waren nicht lieferbar. Ein Zufall führte die Sekundarschule ins Erzgebirge zur Firma Dalap, die sich mit Ventilatoren, Wohnraumlüftung und Lüftungstechnik beschäftigt. „Einer unserer Schüler hatte die Idee, den seinerzeit zu schwachen Ventilator durch einen Stalllüfter zu ersetzen. Er sprach von der Firma Dalap“, erinnert sich Schmitz. Er fand heraus, dass das Unternehmen selbst produziert und in der Lage ist, die benötigten Materialien zu liefern.

Die Aluminiumrohre und die Ventilatoren kommen nun also aus dem Erzgebirge an den Niederrhein, wo sie die Schüler des Technikkurses zusammen- und danach einbauen, wobei sich der Hausmeister der Grundschule ebenfalls einbringt. „Er entfernt Fensterscheiben in den Klassenräumen und schneidet ein Brett zurecht, das genau in die Öffnung passt. In das bauen unsere Schüler den Ventilator mit dem Lüftungsgitter ein“, erklärt Schmitz.

Mittels Y-Verbindung werden die beiden Alu-Rohre angeschlossen und an der Decke befestigt. Die Rohre mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern tragen in einem vorgegebenen Abstand die sogenannten Diffusoren, die die Luft nicht nur von unten, sondern auch von den Seiten ansaugen. Vier- bis fünfmal wird die Luft auf diesem Weg pro Stunde ausgetauscht. Damit werden die Aerosole, an denen Coronaviren haften könnten, aus dem Klassenzimmer nach draußen geführt.

Die Abluftanlagen haben einen weiteren Vorteil: Die Klassenzimmer müssen nicht mehr so stark gelüftet werden, und damit bleiben die Temperaturen in den Wintermonaten stabil. „Die Kinder saßen sonst bei Temperaturen von zehn Grad im Klassenraum und mussten Jacken tragen. Jetzt liegen die Temperaturen wieder zwischen 18 und 20 Grad“, sagt Liebisch. Optimal arbeiten die Anlagen, wenn im Flur ein Fenster auf ist, die Klassenraumtür aufsteht und die Fenster im Klassenraum geschlossen sind.

Für die Einbauarbeiten stellt die Sekundarschule die jeweiligen Schüler vom Technikkurs frei. „Es macht viel Spaß, die Anlagen einzubauen. Es ist toll zu wissen, dass man etwas macht, das den Grundschulkindern guttut“, sagt der 15-jährige Jamie. Das kann der gleichaltrige Luis nur bestätigen. Mit Maurice, Benedikt, Leon, Maximilian, Sean und Shear bilden die beiden das Monteurteam.

Wenn die Grundschule Ende dieser Woche versorgt sein wird, geht es in der Sekundarschule weiter. Dort werden die nächsten fünf Räume der Fünft- und Sechstklässler ebenfalls mit Abluftanlagen ausgerüstet. Inzwischen hat sich das Projekt der Sekundarschule herumgesprochen, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Dalap. Schulen aus ganz Deutschland bekunden ihr Interesse und kontaktieren die Grefrather Schule. „Morgen kommt eine Schule aus Duisburg vorbei und schaut sich alles an“, berichtet Schmitz. Das Nachbauen ist gut möglich, und das Material kann aus dem Erzgebirge geliefert werden.