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Schweizer Kabarettistin Doris Friedmann in der Grefrather Buchhandlung Groß

Grefrather Buchhandlung Groß : Frauenkabarett nach Schweizer Art

Für einen Abend voller Lacher sorgte Doris Friedmann in der Grefrather Buchhandlung Groß.

Auf dem roten Barhocker stehen schwarze Pumps, ein glänzendes Saxophon lehnt an dem aufgebauten Paravent, und ein knallrotes kleines Keyboard liegt auf einem Ständer. Rund 80 Gäste betrachten das Stillleben voller Interesse. „Wir begrüßen herzlich zur Kultur am Montag anlässlich des Weltfrauentages. Aber auch ohne den Weltfrauentag hätten wir eingeladen. Es passt so gut“, scherzt Hausherr Karl Groß bei der Begrüßung in seiner Buchhandlung. Zu Gast hat er bei seiner Reihe „Kultur am Montag“ diesmal Doris Friedmann.

Und diese Künstlerin kommt unübersehbar daher. In einem roten Samtkleid, die Haare hochgesteckt und mit rosa Kunstblüten samt Kunstgrün dekoriert, eine kleine schwarze Lacktasche in der Hand tragend und ein Akkordeon über der Schulter hängend, wuselt sie durch die Stuhlreihen nach vorne. „Wie toll. Ich freu mich so“, ruft Friedmann aus, nimmt die Quetschkommode in die Hand und startet mit einer Ouvertüre, damit alle zusammen mit ihr „ankommen können“, wie sie es ausdrückt.

Friedmann flötet mit, baut Jauchzer ein und demonstriert eine Mimik und Gestik, die die Besucher in einen spontanen ersten Zwischenapplaus ausbrechen lässt. Allein ihr Augenrollen ist unübertrefflich. Ihre Frage, ob nun alle angekommen seien, löst ein lautes „Ja“ beim Publikum aus, das zum größten Teil aus Frauen besteht. Die Männer sind eindeutig in der Unterzahl.

Die Reise „L‘Amour und Glück“, die die gebürtige Schweizerin startet, ist eine Kombination aus Chansons, Komik, Pantomime und Theaterspiel. Wobei ihr charmanter Dialekt dem Abend eine besondere Note verleiht. Wenn sie von der „glück­lich machenden Schoki“ spricht und das Schokoladenlied vorträgt, hat jeder Besucher gleich Berge von Schokolade vor Augen. Die Demonstration von Friedmann, wie praktisch eine Handtasche ist und dass sie bei Weitem mehr als nur einen Aufbewahrungsraum für Damenutensilien darstellt, löst wahre Lachsalven aus. „Wenn die schicke Dame alleine nach Hause geht und der Lump kommt, dann“, sagt Friedmann und führt das „dann“ mit dem Ausruf „Nasen einziehen“ mittels der schwingenden Handtasche aus. Herrlich anzusehen ihr Schminkeinsatz mit Handspiegel und Lippenstift, bei dem die Hülle des Verschönerungsobjektes zwischen ihren Zähnen klemmt.

Die Schweizerin reißt mit. Dann verschwindet sie hinter dem Paravent, um sich umzuziehen, denn das richtige Outfit macht auch glück­lich, wie sie sagt. Klamotten, vor allem Unterwäschestücke, fliegen über den Wandschirm. „Ich komme mir vor wie Heidi, als sie zum ersten Mal auf die Alm ging und all ihre Anziehsachen übereinander anhatte“, ist ihre Stimme hinter der Abtrennung zu hören. Zum Aufräumen spannt sie Bernhard, einen der wenigen Herren im Publikum, im Anschluss ein. Eine Aufgabe, die er meisterlich erledigt.

Sie selbst erscheint im schwarzen Abendkleid mit passender Jacke, und es geht weiter. Sie spielt Klavier und Saxophon mit der gleichen Bravour wie das Akkordeon. Ihre Körpersprache zur Musik lässt Lachtränen rollen, selbst wenn es melancholisch zugeht. Friedmann als gackerndes Huhn oder als Lachtrainerin, sie macht wieder einmal einen Tag zu dem glücklichsten in ihrem Leben und dem der Besucher. Zudem hat sie dem Publikum die Anleitung zum Glücklichsein ganz nebenbei geliefert.