Stadt Kempen: Schulnoten für Kempens Schultoiletten

Stadt Kempen : Schulnoten für Kempens Schultoiletten

Die Stadt hat sämtliche WC-Anlagen an Schulen in der Thomasstadt unter die Lupe genommen. Schul- und Hochbauamt haben für die Toiletten Noten vergeben und einen Sanierungsplan erstellt. Erste Arbeiten sind bereits im Gange.

Anfang Dezember stank die Angelegenheit buchstäblich zum Himmel. Das eher unappetitliche Thema kochte hoch und das städtische Hochbauamt sah sich unversehens massiven Vorwürfen entgegen. Eltern und Politiker kritisieren die Stadtbediensteten, nachdem es erhebliche Probleme mit der Sauberkeit in den Schultoiletten der Katholischen Grundschule Wiesenstraße gegeben hatte. Die Urinal-Rinne in der Jungen-Toilette war zuvor schon bei einer Qualitätsanalyse der Schulbehörde eher negativ bewertet worden.

Nach ungeschickten Äußerungen des Hochbauamtsleiters Christian von Oppenkowski, der Kindern, die auf den Fußboden pinkelten, eine Mitverantwortung für die Misere gab und damit einen Sturm der Entrüstung bei vielen Eltern hervorrief, sind die Beteiligten in den vergangenen Monaten wieder auf eine sachbezogene Ebene zurückgekehrt. Von Oppenkowski stellte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses, Schuldezernent Michael Klee seinerseits im nachfolgenden Schulausschuss eine Zustandsbewertung der Schultoiletten vor.

Zwei Mitarbeiter des Schul- und des Hochbauamtes hatten WC-Bereiche mit fünf oder mehr Einheiten untersucht. Kriterien waren unter anderem der Wandanstrich, Zustand der Fenster und der Eingangstüren, die Beleuchtung, Belüftung, Waschbecken, Spiegel, Wand- und Bodenfliesen, Bodenabläufe, Trennwände und -türen sowie die WCs selbst oder Urinal-Rinnen und — nicht zuletzt — die subjektive Geruchswahrnehmung. Am Ende wurden für insgesamt 19 Bewertungskriterien Schulnoten von 1 ("sehr gut") bis 6 ("ungenügend") vergeben. Insgesamt 575 Einzelpunkte wurden aufgelistet, davon sind 46 Punkte mit Note 5 oder schlechter bewertet. Dies entspricht nach Angaben der Stadt einem Anteil von acht Prozent.

Die Stadt hat der Politik zugesichert, dass in Fällen mit erheblichen Mängeln diese bis zum Ende der Sommerferien im August behoben sein werden. Am Luise-von-Duesberg-Gymnasium wurden Sanierungen teilweise bereits vorgenommen, ebenso an der Katholischen Grundschule Wiesenstraße. Für die Regenbogenschule im Kempener Süden kündigte das Hochbauamt an, mit dem Einbau einer neuen Belüftungsanlage im Jungen-WC für bessere Luftqualität sorgen zu wollen.

In der Jungen-Toilette der Katholischen Grundschule Wiesenstraße wird zudem seit einigen Wochen ein neues Reinigungsmittel erprobt. Nach Angaben des Hochbauamtes sei die Geruchsbelästigung geringer geworden. Der Versuch werde fortgesetzt, erklärte Amtsleiter von Oppenkowski.

Aus seiner Sicht ist der Zustand der Schultoiletten in Kempen größtenteils mit "befriedigend" und "ausreichend" zu bewerten. "Negativ auffallende Punkte können momentan mit vertretbarem Aufwand kurzfristig optimiert werden", so der Hochbauamtsleiter im Bauausschuss. Für die kontinuierliche Instandhaltung und Sanierung der Schultoiletten würden entsprechende Gelder in den städtischen Haushalt eingestellt.

Interessant an der Untersuchung sind Einzelaspekte. So ist die Geruchsbelästigung im Jungen-WC der Regenbogenschule zwar erheblich und soll durch die neue Belüftung abgestellt werden, der Gesamtzustand der Jungen-Toiletten in dieser Grundschule im Kempener Süden wird von der Stadtverwaltung in den meisten Kriterien mit "gut" bewertet. Die zu Beginn der Diskussion Ende vergangenen Jahres von einigen Eltern und Politikern als antiquiert verteufelte Urinal-Rinne im Jungen-WC der Katholischen Grundschule Wiesenstraße erhält vom städtischen Bewertungsteam die Note "befriedigend". Mangelhaft stellt sich in vielen Schultoiletten der Anstrich von Wänden oder Heizkörpern sowie der Zustand von Trennwänden dar.

Großartige Diskussionen um die Analyse der Schultoiletten gab es weder im Bau- noch im Schulausschuss. Die Politiker nahmen die Ausführungen der Stadtverwaltung zur Kenntnis. Sie sind mit dem Vorgehen der Verwaltung einverstanden. Monika Schütz-Madré (Grüne) schlug regelmäßige Kontrollen vor und empfahl, die Stadtschülervertretung in das weitere Vorgehen einzubinden. Irene Steeger (SPD) meinte, man müsse das Thema weiter im Blick behalten.

(RP)