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Schulen im Kreis Viersen bereiten sich darauf vor, am 23. April zu öffnen

Neustart in den Schule : Schulen bereiten sich auf Öffnung vor

Abschlussprüflinge und Abiturienten sollen ab dem 23. April wieder in ihre Schulen dürfen, für Lehrer und Personal geht es bereits am Montag los. Viele Einrichtungen sind skeptisch — denn es fehlen klare Vorgaben vom Ministerium.

Ein kleiner Schritt in Richtung Normalität: Ab dem 23. April sollen Schüler weiterführender Schulen, die sich auf Abschlüsse vorbereiten, wieder die Einrichtungen besuchen können, teilt das NRW-Schulministerium mit. Start für Schulleiter, Lehrer und anderes Personal ist bereits am Montag, 20. April. Sie sollen Vorbereitungen treffen, etwa für Raumnutzungs-, Abstands- und Hygienekonzepte. In den Grundschulen geht es am 4. Mai wieder los, wohl mit den vierten Klassen. Doch noch warten die Schulen auf konkrete Vorgaben, wie die Wiederaufnahme des Unterrichts unter den Coronavirus-Bestimmungen gelingen kann. So ist der Stand in der Region.

Tönisvorst An der Rupert-Neudeck-Gesamtschule in St. Tönis habe es für Schüler und Lehrer viel Bildschirmarbeit gegeben, berichtet Schulleiter Andreas Kaiser. Obwohl die Schulen in Tönisvorst digital nicht besonders gut aufgestellt seien, habe das geklappt. Auf der Internetseite der Schule wurden Wochenpläne mit Aufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Gesellschaftslehre eingestellt, dazu haben die Lehrer E-Mails verschickt. Kaiser sieht auch einen positiven Effekt: „Gerade die jungen Lehrer haben neue Plattformen und Onlinedienste ausprobiert. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse und erhoffe davon einen Mehrwert.“ Elternbeschwerden habe es „so gut wie gar nicht“ gegeben. Kaiser gibt aber auch zu bedenken: Rund zehn Prozent der knapp 800 Schüler habe man nicht erreichen können, weil sie weder einen Computer oder ein Tablet noch überhaupt einen Internetzugang dafür hätten.

Er sieht noch einige Probleme, bevor es weitergehen kann. Die etwa 125 Zehntklässler der Schule ab Donnerstag wieder in den Räumen im Kirchenfeld unterrichten zu können, sei machbar. Aber wie werde es mit der Einhaltung der Abstandsregeln, wenn wieder mehr Schüler kommen dürfen und auch das Michael-Ende-Gymnasium im gemeinsamen Schulzentrum voller werde, fragt er. Auf mögliche versetzte Pausen blickt Kaiser skeptisch: „Der Lehrer muss nach jeder Stunden in einen anderen Raum, wie soll das gelingen?“ Defizite im Bereich Hygiene seien beseitigt worden. „Wir haben eine komplette Grundreinigung gemacht“, sagt Kaiser. In den Toiletten seien Seife und Einmalhandtücher vorhanden.

An der Gemeinschaftsgrundschule Vorst hatten die Lehrer den Schülern ihre Arbeitshefte mitgegeben, zudem seien jede Woche Aufgaben in Mathe und Deutsch per E-Mail verschickt worden, berichtet Schulleiterin Schahla Marandi-Jansen. Seit Dienstag befindet sich die Schule in Absprache mit der Stadt; es geht um Flüssigseife und Einmalhandtücher für die Waschbecken in den Klassenzimmern und Handdesinfektionsmittel für die Lehrer. Zudem soll die tägliche Reinigung der Räume mit Desinfektionsmittel erfolgen. Alles Weitere werde man sehen müssen, sagt Marandi-Jansen, etwa dass jeder Schüler einen eigenen Tisch bekomme oder wie man in den Pausen vorgeht. Ähnlich ist es an der Gemeinschaftsgrundschule Hülser Straße in St. Tönis. Die rund 90 Schüler der vierten Klassen könne man auf die 14 Klassenräume aufteilen, aber alles Weitere sei schwer zu planen, sagt Schulleiterin Beate Jacobs. Sie sei zwiegespalten: „Es ist gut, dass der Alltag ein Stück weit wieder da ist, aber man hat die Sorge: Bleiben alle gesund?“

Grefrath Die Schule an der Dorenburg in Grefrath war vorbereitet: Über einen schon vorab eingerichteten Server seien alle Schüler immer schnell digital erreicht worden, sagt der kommissarische Schulleiter Christian Rütten. Obwohl der digitale Unterricht nicht verbindlich gewesen sei, habe er das Gefühl gehabt, dass manche engagierter bei der Sachen gewesen seien, als sonst. Wenn es für die 76 Schüler der zehnten Klassen wieder losgeht, werden sie in kleinen Gruppen in ihren prüfungsrelevanten Fächern unterrichtet – alles Weitere regeln die noch ausstehenden Vorgaben.

An der Liebfrauenschule Mülhausen geht es zunächst um die 119 Abiturienten. Zwar habe das digitale Lernen sehr gut geklappt, sagt Schulleiter Christoph Aretz, aber „der persönliche Kontakt fehlt“. Sorgen mache er sich besonders um die schwächeren Schüler, die von alleine manchmal nicht weiter kämen. Für die Abiturienten sollen Kurse in ihren Prüfungsfächern angeboten werden; mit 13 bis 15 statt 30 Schülern in einem Raum.

Kempen „Wir werden die Abiturienten in den nächsten beiden Wochen in ihren Abiturfächern vorbereiten. Wir wissen derzeit nur noch nicht, in welchen Größen wir arbeiten werden können“, sagt Benedikt Waerder, Schulleiter am Luise-von-Duesberg-Gymnasium (LvD). Man wartet auf die Vorgaben des Schulministeriums. Bei den aktuellen Hygienevorschriften sieht Waerder kein Problem. Hier befindet sich das Gymnasium im ständigen Kontakt mit dem Schulträger, der Stadt Kempen. Vor dem Hintergrund, dass das LvD und das Thomaeum in der Oberstufe kooperieren, stehen Waerder und Agnes Regh, Schulleiterin des Thomaeum, im engen Austausch, um gemeinsam zu agieren. Eine Frage ist auch noch, wie man mit den Risikogruppen umgeht. „Wir haben Lehrer über 60, die damit zur Risikogruppe gehören. Dürfen wir sie einplanen?“, fragt sich Waerder. Ihn freut, dass die Schülerbetreuung über digitale Medien so gut klappt. Es gibt Videochat-Unterricht, es wurden E-Mails mit Aufgaben verschickt, und auf der Internetseite wurde eine Corona-Auszeit-Seite geschaffen, auf der Schüler und Lehrer Beträge von Freizeitgestaltung über Gedichte bis hin zu Sportübungen stellten. „Die digitale Technik hat sich bewährt, wobei wir von Anbietern kostenfreie Nutzungsmöglichkeiten erhalten haben, die wir auch nach Corona gut nutzen können“, sagt Waerder. Am LvD lief bereits eine erste Online-Evaluation bei Eltern und Schülern, bei der es ein positives Feedback gab.

Auch am Thomaeum konnten die Wochen der Schließung durch Corona gut überbrückt werden. „Kollegen haben Online-Tools eingearbeitet. Aufgaben wurden verschickt und korrigiert. Gerade unsere Abiturienten wurden intensiv betreut“, berichtet Regh. Zudem versandte das Gymnasium an Schüler, die daheim keine ausreichenden Möglichkeiten haben, auf digitale Medien zurückzugreifen, das Arbeitsmaterial als Paket. In den Planungen für die langsame Schulöffnung steht eine Videokonferenz der erweiterten Schulleitung an. Es gelte, zeitnah auf die Anweisungen des Schulministeriums zu reagieren und die Anforderungen umzusetzen, wozu auch die Hygienevorschriften gehören.

Willich An der Robert-Schuman-Europaschule (RSE) in Willich wartet man ebenso auf die Detailvorschriften. „Der Infektionsschutz hat Vorrang. Laut der Vorgaben werden wir entsprechende Gebäudeteile für die Abiturienten und die Zehntklässler öffnen, denn auch sie stehen vor ihren Abschlussprüfungen“, sagt Schulleiter Burkhard Brörke. Ein Rahmenplan liegt bereits vor, der dementsprechend der genauen Auflagen modifiziert wird. In Sachen digitales Arbeiten an der Gesamtschule spricht Brörke von einem ordentlichen Sprung nach vorne. Unterricht per Videokonferenz für die Oberstufenschüler, das Erstellen von Videos über Teams und Youtube für Schüler, das Arbeiten über die schuleigene Cloud, das Verteilen von Arbeitsblättern und -aufträgen über die Internetseite – alles, was die Digitalisierung an der RSE zu bieten hat, wurde genutzt. Wichtig war es Brörke, den Kontakt zu den Eltern zu erhalten und bei den Schülern keinen Notendruck aufzubauen: „Nicht jeder kann gleich gut mit den Medien umgehen. Uns war es wichtig, den Lernprozess am Laufen zu halten und das ist uns gelungen.“

„Die digitale Betreuung lief gut, aber der persönliche Kontakt fehlte schon sehr“, das ist das Fazit von Margret Peters. Die Schulleiterin des St.-Bernhard-Gymnasiums spricht von einer kurzen Anlaufzeit, in der die digitalen Möglichkeiten des Unterrichts, die Cloud-Nutzung und die Arbeitsmaterialversendung ausprobiert wurden, um danach eingespielt weiterzulaufen. Peters begrüßt den Schulstart sehr, wobei nach einer Telefonkonferenz mit dem Träger, die Malteser in Köln, am Dienstag eine Begehung der Schule mit einem Pandemie-Experten erfolgen wird. Die Umsetzung vor Ort soll im Detail besprochen werden. Nicht nur bei Peters stellt sich allerdings die Frage, wie Schule mit allen Schülern laufen soll, wenn das Kontaktverbot weiterhin besteht. Das Unterrichten in kleinen Gruppen erfordert nicht nur mehr Lehrer, sondern benötigt auch mehr Raumkapazität. Beides Dinge, die keine Schule aus dem Ärmel schütteln kann.