Stadt Kempen: Schüler bauen eine Mini-Orgel

Stadt Kempen: Schüler bauen eine Mini-Orgel

Unter Anleitung der Organisten bauen Schüler der Astrid-Lindgren-Schule und der Regenbogenschule in Kempen eine kleine Orgel.

Auch in diesem Jahr findet in einigen Kempener Schulen das bewährte Projekt "Orgelkids" statt. Zusammen mit Organisten bauen die Schüler aus vielen Einzelteilen eine funktionstüchtige kleine Orgel. "Was braucht man denn alles, um so ein Instrument zu bauen?", möchte Organist Christian Gössel von den Schülern der vierten Klasse der Astrid-Lindgren-Schule wissen. In einem Stuhlkreis schauen die Kinder neugierig auf die Kiste mit den Bauteilen. "Pfeifen und Tasten", antwortet eine Schülerin. Mit einem Lob bestätig Gössel die Antwort und erklärt, welche Funktion die Einzelteile haben.

Die Öffnung einer Pfeife zum Beispiel werde Labium genannt, was der lateinische Begriff für Lippe ist. In diesem unverzichtbaren Teil der Orgelpfeife entsteht der Ton. Die großen Pfeifen erzeugen die tiefen Töne und die kleinen Pfeifen die hohen. Im nächsten Schritt werden Teile wie Tasten, Blasebalg, Pfeifenstock, Windlade und Register unter die Lupe genommen. Das Ziel des Projekts ist es, die Popularität des Instruments zu steigern, und so darf die Klasse beim eigentlichen Bau mit anpacken. Zusammen werden die Teile auf verschiedenen Tischen ausgebreitet und in Gruppen geordnet.

Die unterschiedlichen Holzteile sorgen zunächst für Rätselraten in der Klasse, aber mit fachlicher Hilfe ist das Problem schnell gelöst: "c, d, e, f, g, a, h, c, ich kann's" freut sich eine Schülerin nach dem erfolgreichen Sortieren der Pfeifen. Währenddessen baut Gössel mit einer anderen Schülergruppe das große Gehäuse der Orgel, und an einem weiteren Tisch wird bereits die Tastatur zusammengesetzt, was sich als größte Herausforderung herausstellte.

Hinter dem Werk steht der niederländische Orgelbauer Wim Jansen, der vor rund drei Jahren das Projekt "Orgelkids" gegründet hat. Kempen stellte in Deutschland im vergangenen Jahr die zweite Station der Orgel-Kiste dar, die schon das ganze Nachbarland bereiste.

Für einen Lacher sorgt der Blasebalg, mit dem die Kinder Saras Haare hochpusten, die in alle Richtungen fliegen ließen. Der Blasebalg wird anschließend mit einem langen Rohr verbunden und kurz auf seine Funktion getestet: Alles läuft nach Plan. Nun wird es spannend, denn die Einzelteile sollen zusammengesetzt werden. Clara nimmt eine Taste und fügt sie auf Anweisung Gössels in das Gehäuse ein. "Das sieht aus wie eine Tastatur vom Klavier", bemerkt sie später. Die Pfeifen werden reihum eingefügt, und so langsam entstehen die ersten Töne.

Auch in der 4c der Regenbogenschule haben die Kinder viel Spaß am Bau der Orgel. "Heute geht es um mein Lieblingsinstrument", beginnt Stefanie Hollinger die Schulstunde. Clemens fängt gleich damit an, alle Kirchen aufzuzählen, in denen er schon eine Orgel gesehen hat. "Sie ist das vielfältigste mechanische Instrument, und jede von ihnen sieht anders aus", erklärt die Organistin den Kindern, die schon auf ihren Einsatz zum Sortieren und Zusammenbauen warten.

Nachdem die Klasse in Gruppen aufgeteilt alle Teile der Orgel geordnet hat, geht es auch hier an den eigentlichen Bau. "Das Instrument hat deshalb so viele Pfeifen, da jede von ihnen je nur einen Ton erzeugen kann", erfahren die Kinder. "Das ist wie beim Klavier, wir brauchen Tasten", bemerkt Lotte. "Und Luft, die in die Pfeifen gepumpt wird", fügt Lukas hinzu. Das Gerüst wird zusammengesteckt, die Tasten ins Gehäuse gesetzt und die Pfeifen einsortiert.

Die Orgel ist fertig, und alle klatschen. Jetzt darf jeder Gruppentisch einmal Blasebalg und einmal Orgel spielen. Lotte probiert sich an "Alle meine Entchen", und Lucie pumpt kräftig den Wind durch den Blasebalg in die Pfeifen. Die Kinder sind mit Begeisterung bei der Sache und freuen sich über das gelungene Zusammenbauen der kleinen Orgel. Zum Schluss spielt Hollinger noch ein bekanntes Stück, und die ganze Klasse singt mit. Die Organisten freuen sich über das gelungene Projekt und über die Freude und das Interesse der Kinder an dem Instrument. Insgesamt sechs Schulen im Gebiet nahmen in diesem Jahr am "Orgelkids"-Programm teil.

(RP)