Gemeinde Grefrath: "Schnapsidee" erfolgreich umgesetzt

Gemeinde Grefrath: "Schnapsidee" erfolgreich umgesetzt

Wo früher Pferde standen, finden sich jetzt auf Hochglanz polierte Edelstahlkessel. David und Wolfram Lünger haben sich einen Traum erfüllt: Der eine braut sein eigenes Bier, der andere produziert Brände.

/ Vorst Ohne eine Geschmacksprobe genommen zu haben, kommt keiner aus dem ehemaligen Pferdestall heraus. Mild schmeckt es, das "Auffelder Duster", frisch und viel zu gut, wenn man noch Auto fahren muss. David Lünger hat das Problem nicht. Er wohnt praktischerweise neben der Brauerei im Oedter Auffeld. Eigentlich ist der 29-Jährige Koch und seit sieben Jahren auch Restaurantchef. Damals hat der junge Mann den Sprung ins kalte Wasser gewagt und aus dem rustikalen Vorster "Schützenhof" an der Anrather Straße das elegante Restaurant "Tafelsilber" gemacht, das sich großer Beliebtheit erfreut.

Damit, etwas Neues auszuprobieren, hat Lünger also erstens kein Problem und zweitens Erfahrung. Zwei wichtige Voraussetzungen für die Geschichte um das Auffelder Bier. "Als ich im Urlaub einen Bierbrauer aus Berlin kennen gelernt habe, der total begeistert von seinem Beruf erzählt hat, habe ich Lust bekommen, das auch mal auszuprobieren", sagt Lünger. Und weil der Berliner sein Bier mit in den Urlaub genommen hatte, konnte der Grefrather sich auch gleich vom guten Geschmack des Selbstgebrauten überzeugen.

Zurück in Oedt hatte David Lünger mit seinem Vater Wolfram, der ebenfalls auf dem ehemaligen Bauernhof im Auffeld wohnt und genauso wie sein Sohn ein Mann der Tat ist, schnell einen Verbündeten gefunden, der bereit war, die "Schnapsidee" mit seinem Sohn umzusetzen. David Lünger besuchte Brauereiseminare und mit fachmännischer Beratung des Berliner Braumeisters wurde die Mikro-Brauanlage gekauft, die seit September 2017 im ehemaligen Pferdestall steht. Auch das richtige Rezept war schnell zur Hand. "Anders als Köche, die sich nicht gerne in die Töpfe gucken lassen, sind Brauer sehr offen, wenn sie nach den Zutaten für ihre Biere gefragt werden", weiß David Lünger.

In dieser Destillieranlage werden Obstbrände, Korn und Gin gebrannt. Als nächstes kommt ein Whisky dazu, der dann erst einmal drei Jahre lagern muss. Foto: Kaiser Wolfgang

Und so war es auch kein Problem, die vielfach getesteten und immer wieder verfeinerten Rezepte aus Berlin zu bekommen, Hopfen und Malz bei empfohlenen Händlern in Süddeutschland zu bestellen und loszulegen. "Das Bier war vom ersten Tag an ein Volltreffer", sind die Lüngers sich einig. Überraschenderweise schmeckt das "Auffelder" aber anders, als das "Original" aus Berlin. "Das liegt daran, dass wir unser eigenes Brunnenwasser verwenden", weiß Wolfram Lünger. Das Wasser mache das "Auffelder" tatsächlich einmalig, denn der Brunnen versorgt einzig den Hof der Lüngers.

Beide Biersorten, das "Auffelder Hell" und das "Auffelder Duster", sind untergärig und werden bisher ausschließlich im "Tafelsilber" ausgeschenkt. "Zuerst hatten wir auch noch die industriellen Biersorten, aber nach und nach hat sich das Auffelder durchgesetzt, so dass wir die anderen Sorten jetzt gar nicht mehr im Angebot haben", erzählt David Lünger, und es ist ihm anzusehen, dass er sich freut, weil sein Selbstgebrautes bei den Gästen so gut ankommt.

Dass das "Auffelder" immer frisch ist, versteht sich von selbst, denn große Lagerkapazitäten gibt es nicht. "Wenn die Tanks leer sind, wird gebraut", sagt der 29-Jährige, der dafür die Montage und Dienstage nutzt, wenn das "Tafelsilber" geschlossen ist. In Kürze will David Lünger seinen Kunden anbieten, das Selbstgebraute in Zwei-Liter-Flaschen mit nach Hause zu nehmen. Den Namen "Auffelder" haben Vater und Sohn mittlerweile schützen lassen, denn sie haben damit noch viel vor.

"Ich habe schon seit 30 Jahren den Traum von einer eigenen Brennerei", sagt Wolfram Lünger. Jetzt steht der Traum in Edelstahl und Kupfer ebenfalls im ehemaligen Pferdestall. Von der Firma Holstein am Bodensee hat der 57-Jährige sich die Anlage exakt nach seinen Vorstellungen bauen lassen. "Geheizt wird mit Eichenholz, ganz traditionell", schwärmt Lünger Senior. Der kleine Computer, der ebenfalls in der Anlage eingebaut ist und der exakt die Temperaturkurven anzeigt, ist allerdings hochmodern.

"So kann der Brennverlauf jederzeit nachvollzogen werden", erklärt Lünger, der schon vor vielen Jahren in der "Heckenrose", dem Blumengeschäft seiner Frau, eine Likörstube betrieben hat. Nun destilliert der 57-Jährige seinen Himbeer- und Waldbeergeist selber. Auch Obstbrände, Korn und Gin brennt Wolfram Lünger in Oedt. Auf lange Sicht kann er sich vorstellen, sein Wissen in Seminaren an andere Interessierte weiterzugeben. "Zur Verköstigung des Selbstgebrannten könnte es dann Verpflegung aus dem 'Tafelsilber' geben", blickt das tatkräftige Vater-Sohn-Gespann in die Zukunft. Außerdem hat Lünger Senior über der Toreinfahrt des Hofs ein Lager gebaut. Dort soll bald Whisky in Holzfässern gelagert werden. An die edle Spirituose will der 57-Jährige sich als nächstes heranwagen. "Den gibt es aber erst Ende 2021, denn Whisky muss mindestens drei Jahre lang gelagert werden", erklärt Lünger. Die Gäste des "Tafelsilber" dürfen sich aber jetzt schon auf den ersten "Auffelder Whisky" freuen, denn dass der im Restaurant des Sohnes ausgeschenkt wird, ist für den Vater Ehrensache.

(WS03)