Stadt Kempen: Rogler sorgt für Paukenschlag

Stadt Kempen: Rogler sorgt für Paukenschlag

Der 68 Jahre alte Kabarettist gastierte wieder einmal im Forum in St. Hubert - diesmal mit seinem Programm "Tour 2017". Es war sein Abschiedsgastspiel. Denn Rogler beendet seine Bühnenkarriere.

Der Paukenschlag kam zum Schluss. Nach einem rund zweistündigen ausgesprochen guten Kabarettabend bedankte sich Richard Rogler artig bei seinem Publikum im ausverkauften St. Huberter Forum. Er wisse gar nicht mehr, wie oft er in Kempen gewesen sei. Das wäre einer seiner Lieblingsspielorte gewesen. Das wäre keine Satire, fügte er hinzu. Aber nun, nach mehr als 44 Jahren trete er von der Bühne ab. Die beiden Abende in St. Hubert und noch ein weiterer im Dezember anderswo sind das Ende seiner Zeit als Kabarettist. Erst Stille im Saal, dann applaudierten die Besucher lang und herzlich, einige erhoben sich sogar von den Stühlen. Man müsse wissen, wann Schluss ist, so der 68-Jährige. "Seien Sie nicht traurig, ich habe noch genug zu tun", meinte er zum Publikum tröstend.

Diesen Abschiedsworten war ein kurzweiliger Abend voraus gegangen. In seinem Programm "Tour 2017" nahm er wie gewohnt scharfzüngig die gesamte Menschheit ins Visier. Ob Gesellschaft, Religion oder die Politik, nichts ist vor seinem scharfen Blick sicher. Wieder gab es ein ganze Reihe Figuren, die dem Besucher so vertraut vorkommen, als ob sie Nachbarn wären. Frau Euskirchen ist immer überängstlich. Er solle bei dem Wetter doch zu Hause bleiben. Sie sieht in allem nur das Böse und Unsichere. Ja überhaupt bestimme doch die Angst heute bei vielen das Leben, hatte Rogler festgestellt.

Ganz anders bei seinem Freund Willi Scheffkens: Der ist früh pensionierter ehemaliger Postbote. So einer, wie man ihn aus alten Zeiten kennt. Aber das Berufsleben wurde immer stressiger, es kam immer noch eine Straße im Zustellbezirk hinzu. Bis Scheffkens dann vor lauter Eile einen Unfall hatte und auch noch die kaputt gegangene Karre bezahlen muss. Jetzt trägt ein Afrikaner die Post aus. Der hat gleich klargestellt: "Du Weißer, ich Neger." Das sei doch ein Vorteil bei Schnee, ihn würde man sehen, Rogler mit seinem rosa Schweinchengesicht nicht. So viel dann mal eben ganz nebenbei zum Thema Political Correctness. Rogler hatte wie immer so viele Themen, dass einem fast schwindelig wird. Die vielen Ratgebersendungen im Fernsehen, die Talks und dann auch noch jede Viertelstunde ein Wetterbericht - garniert mit dem Foto, das eine Zuschauer gemacht hat. Mohnblüte im Gegenlicht, dass kenne doch keiner. Herrlich war dabei, wie er die Wetterfrösche karikierte.

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Von Jamaika über Rauchverbote bis hin zu den vielen Ideen grüner Politiker, welche Ge- und Verbote man erlassen kann, nichts findet Gnade bei Rogler. Bisher durfte er unter der Dusche eine Brause Marke Niagarafall verwenden, aber in Brüssel gibt es bereits einen Entwurf, in Zukunft nur noch einen Marke "Nieselregen im Emsland" mit Wasserersparnis zuzulassen. So wie man Rogler kennt, hat er dies gut recherchiert und es entspricht der Wahrheit. Seine Partei, die SPD, erkennt er zur Zeit nicht wieder, gab er zu. Martin Schulz mit schwankenden Einstellungen für Opposition oder Regierungsverantwortung bekam dabei genauso seine Kritik zu spüren wie auch die Ferne der Parteiführung zum einfachen Mitglied. Was habe Andrea Nahles denn da noch stets laut zu lachen, fragte er sich und das Publikum. Mit Blick auf Postenverteilungen, bevor es überhaupt eine Regierung gibt, stellte er fest: "Wer die Grenze seiner Inkompetenz überschritten hat, ist für jedes Amt gut."

Wie in all den vergangenen Jahren erlebte man einen Meister seines Faches. Im Rückblick auf seine Ankündigung am Schluss kann man sagen, dies war ein würdiger Abschied. Sie werden uns fehlen, Herr Rogler, genießen Sie die freie Zeit! Dieser Wunsch ist auch keine Satire.

(sr)