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Regen füllt endlich die Bodenspeicher für die Landwirtschaft im Kreis Viersen

Landwirtschaft im Kreis Viersen : Regen füllt endlich die Bodenspeicher

Für die Landwirte bedeuten der kühle April und Mai sowie der Niederschlag eine Atempause. Nach extrem trockenen drei Jahren ist das dringend notwendig.

Nach den schwierigen Bedingungen der vergangenen drei extrem trockenen Jahre sorgt das feuchte und kühle Wetter dieser Tage für eine willkommene Atempause für die Landwirte in der Region. Die Wasserspeicher der Böden seien in der relevanten Tiefe wieder gut gefüllt, berichtet Paul-Christian Küskens, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen. Entsprechend würden die Landwirte positiv auf die kommenden Wochen und Monate blicken. Allerdings gibt es gleichzeitig auch Sorgen: Für eine gute erste Heuernte brauchen die Produzenten zeitnah einige trockene Tage.

„Generell ist dieses Jahr eine Atempause für uns. Die Böden haben sich hinsichtlich der Feuchtigkeit erholt“, sagt Küskens. „Über das Grundwasser kann ich wenig sagen, aber es dauert auch lange Zeit, bis die Feuchtigkeit dort ankommt. Für uns ist zum Anbau von Gemüse oder Getreide die Bodenschicht in Tiefen von 60 Zentimetern bis zwei Metern relevant. Hier ist der Boden aktuell gut durchfeuchtet.“

Der April sei etwas kühler gewesen, als das im langjährigen Mittel der Fall ist. Auch der Mai sei bislang etwas zu kühl. „Darum ist die Natur im Vergleich zu den vergangenen paar Jahren etwa ein bis zwei Wochen später dran. Wenn es jetzt wärmer wird, wird sie regelrecht explodieren und das schnell aufholen“, erläutert Küskens. Wichtig sei auch der Frost im Februar gewesen. „Das sind aus unserer Sicht ideale Bedingungen. Der knackige Frost bis minus 15 Grad hat Schädlinge dezimiert und sorgt für die wichtige Bodengare, die wir künstlich nicht herstellen können. So haben wir ideale Bedingungen“, erklärt der Kreislandwirt.

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Bodengare bezeichnet dabei feine Wassertröpfchen, die tief in die Erde eingedrungen sind und sich bei Gefrieren ausdehnen. Dabei wird der Boden auf ganz feinem Niveau regelrecht aufgesprengt und so feinkörnig. Das ist besonders wichtig bei Böden, die durch Bearbeitung verdichtet wurden.

Allerdings seien die nun angekündigten trockenen Tage jetzt auch wünschenswert. Denn unter den bisherigen Bedingungen ließe sich keine Heuernte einbringen. Dieses müsse nach dem Schnitt einige Tage auf der Wiese liegen und antrocknen, berichtet Küskens. Das funktioniert naturgemäß nur bei trockenem Wetter. Küskens aber nimmt die Situation gelassen. „Optimales Wetter gibt es nicht. Wenn wir uns Wetter wünschen könnten, dann wäre es von Frühjahr bis Spätherbst sechs Tage die Woche warm und trocken, einen Tag würde es stetig regnen, ohne, dass es zu heftig wird und obere Bodenschichten weggespült werden. Aber das ist natürlich nicht realistisch. Wir sind gewohnt, mit den Bedingungen zu leben, die die Natur eben bietet“, sagt er entspannt.

Die aktuellen Bedingungen könnten allerdings auch das Wachstum von Pilzen beispielsweise bei Erdbeeren fördern und so die Ernte bedrohen. Zu lange sollte es also auch für andere Feldfrüchte als Heu nicht zu nass und kalt bleiben. Entsprechend drängt hier für einen optimalen Ertrag auch die Zeit. „Gerade beim Heu ist es so, dass der erste Schnitt Ende Mai, spätestens Anfang Juni erfolgen muss. Danach sinkt mit jedem Tag die Qualität des Produkts. Aktuell kann folglich nur Silage hergestellt werden“, sagt der Landwirt.

Heu wurde bereits in den vergangenen Jahren zum Problem. Durch ausgetrocknete Wiesen fand kaum Wachstum statt. Mehrere Schnitte mussten ausfallen, und die Heupreise auf dem Markt zogen deutlich an. Das ist nicht nur für Landwirte ein Problem. Auch beispielsweise auf Pferdebesitzer und Reitstallbetreiber kommen stetig höhere Kosten zu.

Dennoch, der Blick in den Sommer ist aus Sicht der Landwirte optimistisch. „Das Frühjahr ist eine willkommene Atempause. Perfektes Wetter gibt es wie gesagt in der Realität nicht. Mit den nun aufgefüllten Wasserspeichern des Bodens können wir aber mit einiger Beruhigung in die kommenden Monate blicken“, bilanziert Küskens.

In den vergangenen Jahren liefen um diese Zeit bereits die Regenmaschinen und Bewässerungsanlagen rund um die Uhr. Damit sind derzeit auch die Kosten für die Landwirte im Vergleich zu den Vorjahren spürbar gesenkt. Monatelange Dürre allerdings könnte auch weiterhin zum Problem werden. Gerade für Pflanzen, die nicht sehr tief wurzeln.