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Stadt Kempen: RE 10: Bürger machen ihrem Ärger Luft

Stadt Kempen : RE 10: Bürger machen ihrem Ärger Luft

Zum Thema Regionalexpress konnten sich im Ratssaal die Kempener Bürger äußern. Sie beklagten besonders die zahlreichen Verspätungen. Die Verantwortlichen gestanden Mängel ein und versprachen Besserungen.

Es soll alles besser werden — das ist kurz gefasst das Fazit, als Mittwochabend im Ratssaal des Kempener Rathauses zum vielkritisierten Regionalexpress (RE) 10 ein Bürgergespräch mit allen Beteiligten (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, NordWestBahn, Netz-Agentur der Bundesbahn) stattfand. Etwa 70 Passagiere und Pendler, auch aus Kleve, Krefeld oder Grefrath, erschienen und machten natürlich ihrem Ärger über Zugausfälle, überfüllte Waggons oder veralterter Techniken gehörig Luft. Trotzdem war es eine gute, informative und sachliche Gesprächsrunde, die Kempens Bürgermeister Volker Rübo leitete und die auch von den Unternehmen hochkarätig besetzt wurde. So war VRR-Vorstandssprecher Martin Husmann gekommen sowie Prokurist Hark Neumann und Geschäftsführer Hans-Rüdiger Fritz von der NordWestBahn. Die Netz-Agentur hatte ihre Leiter von Produktion und Fahrplan, Michael Käufer und Herbert Dopstadt, nach Kempen geschickt.

 Viele Bürger nahmen die Gelegenheit wahr und diskutierten mit Fachleuten über die Probleme der Bahn.
Viele Bürger nahmen die Gelegenheit wahr und diskutierten mit Fachleuten über die Probleme der Bahn. Foto: wolfgang kaiser

Eingangs sagte Rübo, dass ein gut funktionierender ÖPNV ein wichtiger Standortfaktor sei, zumal es alleine in Kempen täglich rund 10 700 Aus- und 10 100 Einpendler gebe. Hier liege beim RE 10, was die vielen Beschwerden in letzter Zeit dokumentierten, wohl einiges im Argen. Rübo erinnert daran, dass im Winter 1862 die erste Lokomotive in Kempen gefahren sei, von Böllerschüssen begleitet: "Wir würden heute keine Böllerschüsse mehr abgeben, sondern vielleicht an der Burg die Fahnen hissen, wenn wir endlich entscheidende Verbesserungen erreichen." Unter den vielen Zuhörern, die sich aktiv an der Gesprächsrunde beteiligten, war auch eine 40-jährige Grefratherin, die einen Werbeartikel mitbrachte: ein Ausstechförmchen mit dem Zettel "Wir stechen jeden aus", das ihr Vertreter der NordWestBahn 2009 bei ihrem Werbefeldzug überreicht hatten. Kommentar der Dame: "Eigentlich wollte ich Ihnen das Förmchen wegen der Nichteinhaltung Ihres Versprechen wieder zurück geben." Auch sie, die in Düsseldorf arbeitet, war von den vielen Verspätungen der Züge betroffen: "Wenn ich nicht Gleitzeit hätte, wäre ich meinen Job schon längst los." Dies war mehrere Male zu hören. So meinte ein 19-Jähriger aus Kempen, der ein Berufskolleg in Krefeld besucht, dass er aufgrund der vielen Verspätungen im Schuljahr 2012/13 über 50 Fehlstunden gehabt habe: "Wenn das noch mal passiert, schmeißen die mich von der Schule."

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Für den führte Husmannaus, dass man im Laufe der Zeit bei den Zügen nachgesteuert habe, sodass die gesamt Sitzplatz-Kapazität in der Hauptverkehrszeit von 2055 Plätzen auf jetzt 2312 gestiegen sei. Einen Anspruch auf einen Sitzplatz gebe es aber nicht. Husmann war sehr wohl bewusst, dass es in der Vergangenheit bei der NordWestBahn, was fehlende Waggons oder übervolle Züge anging, zu erheblichen Problemen gekommen sei: "Es darf nicht sein, dass, wenn alle Züge fahren, sich auf Teilstrecken die Passagiere wie in einer Sardinenbüchse fühlen." Für die NordWestBahn sah Fritz durchaus Handlungsbedarf. Trotz relativ guter Gesamtquoten, was Pünktlichkeit und die erforderliche Anhängung angehe, sei trotzdem einiges noch verbesserungswürdig. Fritz sprach weiter davon, dass sein Unternehmen alsbald die Werkstatt-Kapazität ausweite und für rund eine Millionen Euro ein zusätzliches Werkstatt-Gleis errichten werde. Zur gewünschten besseren Infra-Struktur nahm Michael Käufer von der Netz-Agentur Stellung. Auch er sprach von einer alten Technik, von einem hohen Aufwand bei der Entstörung und nannte ferner einige Ausfälle von Mitarbeitern, die für so manche Panne gesorgt hätten.

Dennoch: "Wir haben kein Besetzungsproblem." Allerdings könnten Effizienz und Effektivität verbessert werden. Daran arbeite man, wolle auch einige Anlage erneuern, aber das gehe nicht von heute auf morgen. Herbert Dopstadt ergänzte, dass aufgrund des geringen Puffers Fahrpläne nicht verschoben werden könnten. Die Unternehmen sicherten zu, zukünftig stärker zusammen zu arbeiten und an Verbesserungen intensiv zu arbeiten. Gewünscht wurden aus Reihe der Gesprächsteilnehmer noch: mehr Haltevorrichtungen für die stehenden Passagiere, mehr Platz für das Reisegepäck oder aber auch aktuelle Fahrgastzählungen. FRAGE DES TAGES

(wsc)