Stadt Kempen: Ratsmehrheit für die Übernahme der Burg zeichnet sich ab

Stadt Kempen: Ratsmehrheit für die Übernahme der Burg zeichnet sich ab

Die SPD-Fraktion ist für die Übernahme des Denkmals vom Kreis. Einige CDU-Mitglieder wollen ebenfalls dafür stimmen.

"Wir sind gegen eine Privatisierung, die Burg muss öffentlich bleiben", sagte gestern SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Gareißen auf Anfrage der Rheinischen Post. Seine Fraktion hat sich am Mittwochabend festgelegt: Die Stadt Kempen soll - entgegen dem Vorschlag von Bürgermeister Volker Rübo - das Wahrzeichen vom Kreis übernehmen. Diese Forderung ist verbunden mit dem Auftrag an die Stadtverwaltung, jetzt mit dem Kreis die Modalitäten der Übernahme zu verhandeln. Dabei gehe es unter anderem um die Miete, die der Kreis für die Unterbringung der Volkshochschule zahlen würde.

Der Beschlussvorschlag des Bürgermeisters ist der SPD nicht konkret genug. Daher erarbeitet Gareißen nun einen eigenen Vorschlag für seine Fraktion. Den möchte er gerne noch vor der Sondersitzung des Stadtrates am kommenden Dienstag, 6. Februar, mit allen anderen politischen Gruppierungen im Rat abstimmen. Ihm ist bei "diesem wichtigen Projekt" um eine einheitliche Position des Stadtrates gelegen. "Wir müssen jetzt Mut zur Verantwortung beweisen, bei allen anderen wichtigen Projekten, die die Stadt zu stemmen hat", meinte Gareißen. Ob ihm dieser Plan gelingt, ist indes fraglich.

Die CDU-Fraktion ist nach wie vor in der Sache geteilter Meinung. Es gibt sowohl Befürworter des Rübo-Vorschlags, die Burg jetzt nicht zu übernehmen, als auch Befürworter einer Übernahme. Am Mittwochabend hatten die Christdemokraten noch einem Landrat Andreas Coenen (CDU) zu Gast in ihrer Fraktion. Der habe klar gemacht, dass der Kreis jetzt eine Entscheidung möchte und dass der Kreis die Burg in jedem Fall abgeben will. Und wenn die Stadt die Burg nicht übernimmt, wird der Kreis sie eventuell an einen Privatinvestor verkaufen.

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CDU-Fraktionschef Wilfried Bogedain, der in seiner Fraktion zu der Gruppe der Gegner einer Übernahme gehört, ist der Ansicht, dass das Burg-Projekt für die Stadt Kempen "eine Hausnummer zu groß" sei. Es gehe nicht nur um die Kosten für eine Sanierung mit Umbau - hier steht bekanntlich eine Summe von bis zu zehn Millionen Euro im Raum -, auch der wirtschaftliche Betrieb des Gebäudes müsse zu leisten sein. Bei allem "Wunschdenken" sei das wirtschaftlich und personell von der Stadtverwaltung nicht zu stemmen.

Wilfried Bogedain plädiert dafür, dass Kreis und Stadt gemeinsam ein neues Nutzungskonzept erarbeiten, eventuell über eine gemeinsame Trägergesellschaft. Pläne einer Hotelnutzung in der Burg steht er skeptisch gegenüber, weil sie sich nur über den Neubau eines Bettenhauses realisieren ließen, meinte Bogedain gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post. In Kempen mittlerweile bekannt sind Pläne eines privaten Investors, in der Burg ein Hostel - ähnlich einer Jugendherberge auf höherem Niveau - zu etablieren. Dafür müsste allerdings ein Bettentrakt angebaut werden.

Mit den Stimmen von SPD, Grünen, Freien Wählern und einigen CDU-Ratsmitgliedern gäbe es am Dienstag in der Ratssitzung wohl eine Mehrheit für die Übernahme. Denn bereits vor der Entscheidung der Sozialdemokraten hatten sich frühzeitig die Grünen und zuletzt auch die Freien Wähler für die Übernahme der Burg durch die Stadt entschieden. Die FDP ist angesichts der Vielzahl anderer Vorhaben - Schulsanierung, Kita-Ausbau, Rathaus-Projekt - dagegen.

(RP)