Radrundfahrt entlang historischer Stätten von Kempen bis Neersen

Serie Fahrrad : Rundfahrt entlang historischer Stätten

Es geht von Kempen bis Neersen und wieder zurück. Die Strecke ist attraktiv und abwechslungsreich.

Für Fahrradfahrer aus der Region gibt es kaum etwas Schöneres, als bei angenehmen Temperaturen durch die schöne Landschaft des Niederrheins zu fahren. Berge sind eher selten, die Strecken sind abwechslungsreich und attraktiv. Beispiel für eine solch attraktive Route ist etwa die, die von Kempen über Oedt zum Schloss Neersen und von dort über Willich und Tönisvorst zurück nach Kempen führt. Die genauen Knotenpunkte finden sich unter www.kempen.de/Radtouren.

Am Startort Kempen kann man sich in zahlreichen Lokalitäten für die bevorstehende Fahrt stärken. Eine besonders schöne Atmosphäre bietet der Buttermarkt, der gerade an schönen Tagen (und auch Abenden) reichlich mediterranes Flair ausstrahlt. Gut ausgeruht, geht es zunächst in Richtung Oedt. Durch wunderschöne Bruchlandschaft fahrend, sieht man bereits nach relativ kurzer Zeit den Girmes-Turm – ein Relikt aus einer Zeit, in der das Textilunternehmen in und um Oedt herum der mit Abstand größte Arbeitnehmer war. Im Jahre 2003 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Foto: Ferl/Martin Ferl

Der große Besuchermagnet in Oedt ist die Burg Uda, liebevoll saniert vom ortsansässigen Heimatverein. Sie ist den Oedtern regelrecht ans Herz gewachsen. Vom einstigen Wahrzeichen steht heute allerdings nur noch der Turm. Es gibt jedoch Mauerreste auf der Anlage, die erahnen lassen, wie imposant diese mittelalterliche Festung einst gewesen sein muss. Um 1300 gebaut, musste die Burg für die Verteidigung des Kölner Kurfürsten Walram von Jülich gegen die Herzogtümer Geldern und Jülich herhalten. Rund 300 Jahre später wurde die Burg durch hessische Truppen stark beschädigt. Die Franzosen schließlich sprengten die Burg 1757. Nur der Turm blieb übrig. Der Heimatverein bietet regelmäßig die Gelegenheit, den Burgturm zu besichtigen. Wer möchte, kann darin auch heiraten.

Im Schloss Neersen ist heute die Stadtverwaltung untergebracht. Im Schlosspark kann man wunderschöne Spaziergänge machen. Foto (archiv): Wickerath. Foto: Wickerath, Stephanie (WS03)

Verlässt man Oedt in Richtung Süchteln / Hagen und macht einen kleinen Schlenker, landet man am Haus Neersdonk, einem der altehrwürdigen Vorster Herrenhäuser. Die kleine Wasserburg soll auf Geheiß der Gräfin Maria von Dohn im Jahr 1193 in der Niederung von Schleckbach und Niers errichtet worden sein. Man geht aber davon aus, dass die Wasserburg auf dem Fundament eines fränkischen Adelshofes fußt. Das heutige Herrenhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert. Anno 1667 wurde der zweigeschossige Herrensitz von zwei Türmen mit barocken Hauben flankiert.

Um Haus Neersdonk ranken sich mehrere Geschichten. So soll Neersdonk im Gegensatz zu den anderen Vorster Adelssitzen Schlossgespenster haben. Obwohl sie noch niemand gesehen hat, erzählen sich die Vorster, dass in der Neujahrsnacht beim Glockenschlag Mitternacht ein Rauschen von seidenen Kleidern zu hören sei. Zwei weiß gekleidete Edelfrauen nehmen am Kamin des Rittersaales Platz. Während die Ältere ein Wollknäuel abwickelt, spult die Jüngere es wieder auf, wobei sie ein für Sterbliche unverständliches Lied singen und wieder im Nichts verschwinden.

Weiter geht’s südöstlich in Richtung Neersen. Man passiert die so genannte „Neue Niers“, die zwischen Willich und Viersen kerzengerade und gemächlich fließt, eher als Kanal denn als Fluss.

Jetzt ist es nicht mehr weit zum Neersener Schloss. Die Ursprünge der Wasserburg Neersen reichen bis ins Mittelalter zurück. Heute dient es als Sitz der Willicher Stadtverwaltung. Direkt daneben ist der Schlosspark. Keine barocke Gartenanlage erwartet den Besucher, sondern eine neun Hektar große Fläche, angelegt nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten, wobei Graf Virmond schon seinerzeit exotische Bäume mit nach Neersen brachte. Ein Werk, entstanden um 1899 und bis heute erhalten. Doch die Anlage an sich ist es nicht allein, die den Park ausmacht: Der große klassische Park und seine 14 Hektar große Erweiterungsfläche zeichnen sich durch eine einmalige Konstellation aus. Hier treffen verschiedene Bereiche aufeinander und machen die Anlage für kleine und große Besucher gleichermaßen interessant und abwechslungsreich. In den Sommermonaten kann man sich in einer Eisdiele stärken für den Rückweg.

Der führt zunächst an der Kapelle Klein-Jerusalem vorbei. Im 17. und 18. Jahrhundert waren Wallfahrten am gesamten Niederrhein beliebt. In der Betrachtung von Leben und Leiden Jesu sollten die Wallfahrer Antworten auf Fragen zu ihrem persönlichen Schicksal erhalten. Noch heute sind an den Leuchtern der Grabeskapelle Pilgerzeichen zu finden. Insgesamt ist Klein-Jerusalem als ein Zeugnis für Volkserziehung und Gegenreformation zu sehen. Die Kapelle ist regelmäßig für Gottesdienste geöffnet, auch Besichtigungen sind im Angebot.

Weiter geht es in Richtung Willich mit seinem Neubaugebiet Wekeln und seinen Gewerbegebieten Münchheide. Der Radfahrer passiert den westlichen Krefelder Stadtteil Forstwald und erreicht bald darauf St. Tönis. Wer eine Pause machen möchte, kann sich die Innenstadt ansehen und in einem der vielen Lokale etwas zu sich nehmen. Auf der letzten Etappe in Richtung Kempen liegt das Gut Heimendahl mit seinen kleinen urigen Lädchen. Wer samstags unterwegs ist, kann leckeren Eintopf essen. Der ist in der ganzen Region bekannt und beliebt.

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