Stadt Kempen: Radkonzept kommt auf den Prüfstand

Stadt Kempen: Radkonzept kommt auf den Prüfstand

Vor 20 Jahren hat die Stadt Kempen ein Radverkehrskonzept erstellen lassen. Damit bewarb sich Kempen um den Titel "Fahrradfreundliche Stadt". Diese Auszeichnung währt bis heute. Der Radwegeplan soll bis 2019 aktualisiert werden.

Vor 20 Jahren war Kempen in einer Vorreiterrolle. Als erste Stadt im Kreis Viersen ließ die Stadtverwaltung 1996 ein Radverkehrskonzept erstellen. Damals wurden die Weichen gestellt für eine besonders fahrradfreundliche Innenstadt. Wesentliche Inhalte des Konzeptes gelten auch heute noch: Es sollte sichere Verbindungen zur Schule und in die Altstadt geben, eine Fahrradstraße wurde an der Ludwig-Jahn-Straße eingerichtet, die Radparkinfrastruktur am Bahnhof ausgebaut. Kempen trat der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen bei und erhielt den Titel "Fahrradfreundliche Stadt". Bis heute ist die Stadt Kempen neben dem Kreis Viersen als Gesamtheit Mitglied in dieser Arbeitsgemeinschaft. Bis heute wirbt die Thomasstadt mit ihrer Fahrradfreundlichkeit.

Das Netz der Radwege wurde im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte regelmäßig überarbeitet und stückweise erweitert und verbessert. Es gibt so genannte Velorouten, die das Kempener Stadtgebiet durchziehen. Das alles hat dazu geführt, dass das Fahrrad in Kempen zum beliebtesten Verkehrsmittel wurde.

Viele Bürger, ganz gleich welchen Alters, nutzen das Rad. Das hat auch eine repräsentative Bürgerbefragung im vergangenen Jahr ergeben. Damals wurde gemeinsam mit dem Kreis Viersen eine so genannte Model-Split-Untersuchung der Verkehrsmittelwahl vorgenommen. Diese Befragung ergab, dass viele Kempener das Rad nutzen, weil die Fahrradinfrastruktur im Stadtgebiet recht gut ist. Es wurden aber Schwachstellen genannt und Wünsche zur Verbesserung des Radwegenetzes geäußert. Vor allem außerhalb von Alt-Kempen gibt es Nachholbedarf bei der Infrastruktur.

Dem soll nun ein neue Mobilitätskonzept für den Radverkehr Rechnung tragen. Der zuständige Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz hat kürzlich dem Vorhaben einmütig zugestimmt. Für ein solches Konzept, das die Stadt bei einem Fachbüro in Auftrag geben will, muss mit Kosten von rund 50.000 Euro gerechnet werden. Die Stadt kann aber Zuschüsse im Rahmen einer so genannten Nationalen Klimaschutzinitiative bekommen. Wenn das neue Radverkehrskonzept als Klimaschutzteilkonzept bewertet wird, können 50 Prozent der Kosten über der Fördergelder finanziert werden. Ein entsprechender Antrag soll Anfang 2018 gestellt werden. Die Stadt rechnet damit, dass die Bearbeitung des Förderantrages etwa ein halbes Jahr dauern wird. So könnte im kommenden Jahr ein Büro mit dem Radverkehrskonzept beauftragt werden. Das könnte dann voraussichtlich Mitte 2019 vorliegen. Untersucht werden soll vor allem, ob die Radverkehrsinfrastruktur noch den aktuellen und möglichen künftigen Nutzeranforderungen gerecht wird. Die zunehmende Zahl an E-Bikes zeigt beispielsweise, dass auch der Bedarf an Ladestationen für Fahrradparker wächst.

Überprüft werden muss auch, ob die Aufteilung des Straßenraums, das Rad- und Fußwegenetz noch den gestiegenen Anforderungen entspricht. Zu diesem Themenfeld haben sich auch Schüler, Lehrer und Eltern des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums in der jüngsten Vergangenheit Gedanken gemacht. Vertreterinnen legten dem Fachausschuss ein detailliertes Papier mit einem Verbesserungs- und Forderungskatalog für einen sichereren Schulweg zum Gymnasium an der Berliner Allee vor. Einzelne Gefahrenstellen wurden benannt, die die Stadt bereits jetzt untersuchen wird. Insgesamt könnte das Papier auch Grundlage für weitergehende Untersuchungen im Rahmen des neuen Radverkehrskonzeptes sein.

Allerdings dürfte der Wunsch, die Berliner Allee vor dem Gymnasium vollständig für den Autoverkehr zu sperren, ebenso wie die Forderung, das gesamte Wohnviertel um die Schule für den Durchgangsverkehr dicht zu machen, ein Wunsch bleiben. Realistischer erscheint da schon die Forderung, dass der Rad- und Fußgängerverkehr in Kempen "absoluter Vorrang" haben soll.

(RP)