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Public Viewing im Grefrather Eisstadion

Public Viewing im Eisstadion : Ein Auf und Ab der Gefühle

2200 Besucher erlebten am Samstagabend im Eissport- und Eventpark Nervenkitzel pur beim WM-Spiel gegen Schweden. Als das 2:1 fiel, waren viele Gäste schon auf dem Heimweg.

Es ist kurz vor 20 Uhr am Samstagabend. Die Straßen in Grefrath sind wie leergefegt, doch im Eissport- und Eventpark herrscht Aufbruchstimmung, als hätte es das 0:1 gegen Mexiko nie gegeben. 2200 Gäste sind da, Fahnen und Fähnchen werden geschwenkt, ebenso Hüte, Mützen, Schals und große Flaggen. Alles natürlich in den deutschen Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold. Der DJ lädt zum Schunkeln ein. Noch schnell eine „Kicker-Friko im WM-Style“ oder eine WM-Brezel. Die Nationalhyme wird intoniert – Gott sei Dank wird auf dem Bildschirm der Text eingeblendet. So kann man problemlos mitsingen, was einige auch tun. Der polnische Schiedsrichter pfeift die Partie an, und die deutschen Elitekicker stürmen drauf los.

 Betretene Gesichter hingegen, wenn’s für die Schweden gerade gut läuft.
Betretene Gesichter hingegen, wenn’s für die Schweden gerade gut läuft. Foto: Norbert Prümen

Nach drei Minuten hätten die Deutschen schon führen müssen, da sind sich rasch alle Besucher einig. Wer vorn an den Absperrgittern steht, hat den Blick frei auf die Riesenleinwand und einen erheblich kleineren Bildschirm. Der Zuschauer merkt sofort, dass auf dem kleinen Bildschirm die Übertragung ein paar Sekunden schneller ist. So gibt es immer wieder Szenen, dass ein paar Besucher „Oh und Ah“ rufen und die überwiegende Mehrheit sich wundert, warum.

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Deutschland kontrolliert Ball und Gegner. Man klatscht sich warm, denn im „Fernsehraum des Eissport- und Eventparks“ ist es kühl. Nach zwölf Minuten die erste Ernüchterung: die erste große Chance für die Schweden. Doch Manuel Neuer beweist seine Weltklasse. Der Tritt in Rudys Gesicht und die Auswechslung lassen die Gäste in Grefrath kochen, denn man ist der Ansicht, dass dieser Tritt nicht unabsichtlich war.

Längst ist Normalität im deutschen Spiel eingetreten. Das Team ist zwar besser als gegen Mexiko, aber immer noch häufen sich die Abspielfehler, und das so wichtige 1:0 fehlt. Dann die 32. Minute: Verteidiger Rüdiger sieht nicht gut aus, das überraschende 0:1 fällt. Die Euphorie unterm Zeltdach ist in Sekundenschnelle verflogen. Direkt vor dem Großbildschirm sitzt der 22-jährige Marvin im Rollstuhl in seiner Borussia-Mönchengladbach-Fan-Kleidung. Er bleibt Optimist und sagt noch vor der Pause den tatsächlichen Endstand voraus: „Wir gewinnen 2:1.“

Noch vor dem Pausenpfiff muss Manuel Neuer seine ganze Torwartkunst aufbieten, um das 0:2 zu verhindern. In der Pause animiert der DJ die Fans, das überwiegend junge Publikum diskutiert, analysiert und hofft. Nina aus Grefrath macht deutlich, dass ihre beiden Kinder sicher sind, dass „Deutschland gewinnt“. Sie trägt schon zur Halbzeit einen schwarz-rot-goldenen Siegerkranz auf ihrem Haupt. Ina und Babsi Venten aus Straelen vom Kegelclub Schepperonis haben sich unter die Fans gemischt und geben ihre Weisheiten zum Besten. Beispiel: „ Wenn man direkt pessimistisch an die Sache rangeht, kann das nichts werden. Unser Tipp: 2:1 für Deutschland.“

Die 47. Minute läuft. Der Ausgleich ist geschafft. Die Stimmung bestens, der Lärm ohrenbetäubend. Man liegt sich in den Armen. Peter (21) bringt es auf den Punkt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Die Zeit läuft den deutschen Kickern davon. Chancen bleiben ungenutzt, und die Schweden bleiben gefährlich – sie müssen im Gegensatz zu den Deutschen nicht unbedingt gewinnen. Ernüchterung macht sich breit nach dem harten, aber regelkonformen Platzverweis für Boateng. „Wie sollen wir das jetzt noch schaffen?“, meint ein DRK-Sanitäter kurz und knapp in seiner Spielanalyse.

Die Nachspielzeit wird angezeigt: satte fünf Minuten. Ein letztes Aufbäumen der deutschen Mannschaft. Als eigentlich alle schon mit einer Punkteteilung rechnen, gibt es noch einen Freistoß rund 20 Meter vor dem Schwedentor. Toni Kroos legt sich den Ball zurecht und zirkelt ihn unhaltbar ins Eck der Schweden – 2:1 für Deutschland. Kurzzeitig hat man den Eindruck, 100.000 Besucher wären plötzlich im Eissport- und Eventpark. Höllenlärm, Partystimmung, Freude pur. Die Fußballwelt ist wieder in Ordnung. Aber auch die Mahner sind schon da und sagen: „Noch sind wir nicht im Achtelfinale, denn am Mittwoch muss Südkorea geschlagen werden.“