Prozess um Kindstötung in Grefrath: Gutachter sagt aus

Gericht: Experte hält Erinnerungslücken  bei junger Frau für möglich

Im Prozess um die Tötung eines Säuglings sagte gestern Gutachter vor dem Krefelder Landgericht aus. Der Psychiater erklärte, die Angeklagte sei vermindert, aber nicht völlig schuldunfähig.

An der 2. Großen Strafkammer des Krefelder Landgerichts wurde am Montag der Prozess gegen eine junge  Grefratherin fortgesetzt. Der 24-Jährigen, die zurzeit in U-Haft  sitzt,  wird Totschlag vorgeworfen. Konkret soll die Beschuldigte am  12. Oktober 2017 in ihrem Zimmer der elterlichen Wohnung in Grefrath einen lebenden Säugling geboren und danach getötet zu haben, indem sie dem Neugeborenen ein T-Shirt um den Hals gewickelt und zusammengezogen habe. Danach versteckte sie das Baby, laut Anklageschrift, unter ihrem Bett, wo der kleine Junge wenig später erstickte. Die Beschuldigte sagt, sie könne sich weder an die Geburt noch an die Tötung des Säuglings erinnern.

Gestern sagte ein Gutachter aus. Der Psychiater erklärte, dass er es für wahrscheinlich halte, dass nach der Geburt – bedingt durch den hohen Blutverlust – bei der jungen Frau Bewusstseinsstörungen sowie Beeinträchtigungen des Gedächtnisses aufgetreten seien. „Es ist also möglich, dass sie sich im Nachhinein an die Tötung des Kindes und auch an die Stunden vor der Geburt nur schemenhaft oder auch gar nicht erinnert“, erklärte der Psychiater. Trotzdem schließe er eine völlige Schuldunfähigkeit aus, wohingegen aber einiges für eine verminderte Schuldunfähigkeit spräche.  So habe sich der Blutverlust möglicherweise auf die Einsichtsfähigkeit der Grefratherin ausgewirkt - und ihre Steuerungsfähigkeit sei wohl  ebenfalls eingeschränkt gewesen. Wäre die Bewusstseinsstörung nicht aufgetreten, hätte sich die junge Frau also eventuell  entschließen können, das Baby leben zu lassen, hätte vielleicht eingesehen, dass es falsch ist, ihm etwas um den Hals zu wickeln und zusammenzuziehen.

Sie habe das Kind definitiv nicht gewollt, denn: „Sie verleugnete die Schwangerschaft vor sich selbst und anderen und verdrängte sie teilweise sogar völlig.“ Dass es dazu kommen konnte, habe mit der Persönlichkeit der 24-Jährigen zu tun. Sie sei äußerst introvertiert und kommunikativ sehr eingeschränkt, vertraue sich anderen Menschen nicht oder nur schwer an und leide unter Versagensängsten und mangelndem Selbstbewusstsein.

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Als die Geburt nahte, sei es dann wahrscheinlich zu „enormen Stress und einer regelrechten Panik“ gekommen. Und das führte anschließend, im Zusammenspiel mit Blutverlust und Bewusstseinstrübung, zu der Kindstötung.

Der Prozess wird fortgesetzt.