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Preiswerter Wohnraum ist in Kmepen Mangelware

Sozialer Wohnungsbau : Preiswerter Wohnraum ist Mangelware

Die Diskussion um günstige Mietwohnungen im ländlichen Raum flammt immer wieder auf. Die Städte und Gemeinden im Ostkreis verfügen über keine eigenen kommunalen Baugesellschaften. Die GWG ist der Hauptpartner.

Die Kempener Grünen träumten vor einigen Jahren von einer eigenen städtischen Baugesellschaft für die Stadt Kempen. Die könne steuernd auf den Mangel an preiswerten Wohnungen in der Thomasstadt einwirken. Die Stadt könne selbst als Bauherr und Vermieter aktiv werden, und die dringend benötigten günstigen Mietwohnungen bereitstellen, meinten sie. Diese Idee klang gut, wurde aber schnell wieder verworfen. Denn der Aufbau einen eigenen Wohnungsbaugesellschaft ist für eine Stadt von der Größe Kempens mit rund 35.000 Einwohnern schwierig.

Experten wie der Vorstandsvorsitzende der Viersener Aktien-Baugesellschaft (VAB), Albert Becker, rieten im Gespräch mit unserer Zeitung seinerzeit davon ab, eine eigene städtische Gesellschaft zu gründen. Becker kennt die Verhältnisse in Kempen nur zu gut, war er doch vor Jahren als Beigeordneter im Kempener Rathaus selbst fürs Planen und Bauen zuständig. Becker empfahl, die Partnerschaft mit der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft für den Kreis Viersen (GWG) im Blick zu behalten und gegebenenfalls zu intensivieren.

Mit dieser Partnerschaft fahren die Städte und Gemeinden im Kreis Viersen seit vielen Jahren gut. Die GWG ist überall sehr engagiert, auch in Kempen, Willich, Tönisvorst oder Grefrath. Etliche Projekte werden aktuell vorangebracht, das größte ist zurzeit das Bauvorhaben am Heyerdrink in der Kempener Innenstadt. Hier investiert die GWG 13 Millionen Euro in vier Neubauten, von denen einer bereits bezogen ist. Insgesamt entstehen 59 Wohnungen, 31 davon sind öffentlich gefördert.

Am Heyerdrink in Kempen baut die GWG Kreis Viersen einen Komplex mit 59 Wohnungen, 31 davon sind öffentlich gefördert. Foto: Marc Schütz

Auch eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft braucht bei ihren Bauvorhaben eine gewisse Mischung von öffentlich und frei finanzierten Wohnungen, um kostendeckend arbeiten zu können. Kempen ist für die GWG seit jeher ein gutes Pflaster. Hier besitzt die Kreisgesellschaft etliche Wohnungen – die meisten mit sozialer Mietpreisbindung. Im Stadtbezirk Hagelkreuz gehört die GWG zu den großen Vermietern. Hier wie andernorts auch wird viel in die Modernisierung des Wohnungsbestandes investiert. In die Instandhaltung und Modernisierung der insgesamt rund 4600 Wohnungen im Kreis Viersen und in der Stadt Meerbusch wurden 2018 rund 4,6 Millionen Euro investiert, darunter war auch der Bau eines neuen Aufzuges an ein Mehrfamilienhaus im Kempener Hagelkreuz.

Im Neubaugebiet „Auf dem Zanger“ in St. Hubert will die GWG in den Mietwohnungsbau investieren. Für den Kempener Westen, wo in den kommenden Jahren in mehreren Bauabschnitten ein großer neuer Wohnbezirk entstehen soll, hat GWG-Vorstand Michael Aach bereits den Bau von bis zu 200 Wohnungen angekündigt. Eines Tages sollen in dem Bereich zwischen Strae­lener Straße im Norden und Ziegelheider Straße einmal rund 2000 Bürger wohnen.

Auch in Kempen denkt man politisch darüber nach, die Geschosshöhen für Neubauten anzuheben, um eine allzu große Verdichtung der Landschaft zu vermeiden. Klassische Hochhäuser, wie es sie in Großstädten gibt, soll es aber nicht geben. Wichtig ist der Politik, dass die Mischung zwischen Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern stimmt. Denn eine Ghettoisierung in den Wohngebieten soll es nicht geben. Einen festgesetzten prozentualen Mindestanteil von sozial geförderten Wohnungen bei Neubauprojekten will man in Kempen ebenfalls nicht. Ein entsprechender Vorstoß der Kempener SPD fand im Stadtrat keine Mehrheit.

Bleibt die Frage des Mietpreises: Hier gibt es auch bei der GWG zuweilen Erhöhungen, die den Mietern nicht passen. An der Bahnstraße in Grefrath hat die Gesellschaft ein bestehendes Haus modernisiert und die Mieten erhöht. Einige Mieter, die dort zum Teil seit 40 Jahren wohnen, müssen nun ausziehen, weil sie sich die höhere Miete nicht leisten können.

Insgesamt orientiert sich auch die GWG an den ortsüblichen Mieten. Man werde „die Mietpreise moderat halten“, hatte GWG-Vorstand Michael Aach bei der Bilanzpressekonferenz im Mai vorigen Jahres gesagt und angekündigt, die durchschnittliche Kaltmiete im öffentlich geförderten Wohnungsbau um zwei Prozent oder zehn Cent auf 5,27 Euro pro Quadratmeter zu erhöhen. Man wolle „den Markt nicht ausreizen“, betonte er. Das gelte auch für frei finanzierte Wohnungen. Die neuen Wohnungen am Heyerdrink in Kempen bietet die GWG für etwa 5,05 Euro (bei öffentlicher Förderung) und bei 8,50 Euro pro Quadratmeter (frei finanzierte Einheiten) an. Die Nachfrage ist groß.