Kempen: Polyant meldet Kurzarbeit an

Kempen : Polyant meldet Kurzarbeit an

Die Umsatzzahlen des St.Huberter Segelherstellers sind gewaltig gesunken. Die Arbeitsplätze sollen aber weitgehend erhalten bleiben. Betriebsrat und Geschäftsführung haben ein Maßnahmenpaket beschlossen.

Die Umsatzzahlen des St. Huberter Segelherstellers sind gewaltig gesunken. Die Arbeitsplätze sollen aber weitgehend erhalten bleiben. Betriebsrat und Geschäftsführung haben ein Maßnahmenpaket beschlossen.

st. hubert Die Geschäftsleitung von Dimension-Polyant in St. Hubert hat für mehrere Monat Kurzarbeit beantragt. Betroffen sind knapp 70 Mitarbeiter im Produktionsbereich. Je nach Auftragslage sei eine Ausweitung auf einen längeren Zeitraum geplant. Seit mehreren Monaten hat der renommierte Hersteller von Segeltuch mit gravierenden Umsatzeinbußen zu kämpfen. Sie betragen bis zu 50 Prozent.

Nischengeschäft

Um die Arbeitsplätze am Speefeld 7 in St. Hubert weitgehend zu sichern, haben sich die Geschäftsleitung und der Betriebsrat auf ein breitgefächertes Maßnahmenpaket geeinigt. Zunächst einmal wurden die Stundenguthaben auf den Zeitkonten der Beschäftigten abgebaut. Dieses Abschmelzen reichte aber bei weitem nicht aus, nachdem sich die Auftragslage zu Jahresbeginn weiter verschlechtert hat. Wobei die Umsatzeinbuße nach Ansicht des Betriebsrats nicht in erster Linie mit der Finanzkrise zu tun hat: "Die Einbußen gibt es nicht erst seit September. Wir sind halt ein Nischengeschäft", heißt es. Wobei es aber durchaus Folge der Krise sei, dass weniger Großyachten in Auftrag gegeben werden.

Nun soll ab Mitte Februar in fast allen Produktionsbereichen die Arbeitszeit bis um die Hälfte verkürzt werden. Die Folge sind erhebliche Einkommenseinbußen, die aber durch das Kurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit zu 60 bis 67 Prozent ausgeglichen werden. Der Betriebsrat forderte eine weitere Aufstockung des Betrags, wozu die Geschäftsleitung allerdings nach Angaben des Betriebsrates nicht bereit war. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Produktionskapazität an die Nachfrageschwäche anzupassen. Auch der Einsatz von Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen bei älteren Mitarbeitern sollen dazu beitragen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Gleichzeitig soll die Phase der Kurzarbeit dazu genutzt werden, die Mitarbeiter umfassend zu qualifizieren.

Das ist genau im Sinn von Peter Ewert, dem Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld-Kreis Viersen. Darauf wies er erst gestern bei der Vorlage der aktuellen Arbeitsmarkt-Statistik für den Januar hin: "Es bietet sich an, diese Zeit der vorübergehenden Arbeitsausfalls für die Weiterbildung der Beschäftigten zu nutzen. In diesen Fällen übernehmen wir unter bestimmten Voraussetzungen nicht nur die Beiträge des Arbeitgebers zur Sozialversicherung, sondern beteiligen uns auch an den Kosten der Qualifizierungsmaßnahme."

Grundsätzlich sei Kurzarbeit in Zeiten der Krise ein probates Mittel: "Arbeitgeber sollten Alternativen zu möglichen Entlassungen prüfen." Aktuell steigt die Zahl der Kurzarbeiter in Krefeld und im Kreis: Im Januar waren 2600 Arbeitgeber in 80 Betrieben betroffen.

In St. Hubert ist es oberstes Ziel, die Arbeitsplätze zu sichern. Wobei der Betriebsrat die große Unsicherheit in der Belegschaft beklagt, was den angedachten Verkauf der Firma betrifft, der aber zurzeit zurückgestellt ist.

(RP)
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