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Gemeinde Grefrath: Politik will den Grefrather Handel stärken

Gemeinde Grefrath : Politik will den Grefrather Handel stärken

Das Grefrather Marketing vernachlässigt die Innenstadt und die Ortsteile. Man konzentriert sich zu sehr auf Sport und Freizeit. Das ist das Ergebnis einer IHK-Studie. Die Politik möchte den Einzelhandel verstärkt einbeziehen.

Die Gemeinde Grefrath und ein Großteil der Händler sind mit der Zusammenarbeit insgesamt zufrieden. Allerdings gibt es vor allem in den Augen der Unternehmer noch Verbesserungspotenzial. Das sind Ergebnisse der Studie "Stadtmarketing im interkommunalen Vergleich", die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein initiiert und mit der IAW GmbH an der Hochschule Niederrhein erarbeitet hat.

 Ein Erfolg für Oedt: Im historischen Stadthaus am Niedertor gibt es seit einigen Wochen einen neuen Drogeriemarkt.
Ein Erfolg für Oedt: Im historischen Stadthaus am Niedertor gibt es seit einigen Wochen einen neuen Drogeriemarkt. Foto: Wolfgang Kaiser

In Grefrath werden die Aufgaben des Stadtmarketings von der Kämmerei mit übernommen. Das sei nicht ungewöhnlich, meint IHK-Geschäftsführer Andrée Haack: "Die zur Verfügung gestellte personelle Kapazität ist, gemessen an der Mitarbeiterzahl je 10 000 Einwohner, allerdings sehr unterdurchschnittlich."

Das Marketingbudget (ohne Personalkosten) liege aber in der Vergleichsgruppe über dem Durchschnitt: "Dies deckt sich mit der klaren strategischen Ausrichtung der Stadtmarketingaufgaben, die zu 100 Prozent auf die touristische und überörtliche Vermarktung des Standorts konzentriert sind. Eine Förderung des Innenstadt- oder Ortsteilmarketings findet kaum statt." Die Händler vermerken positiv, dass die Gemeinde die Gebühren für ordnungsbehördliche Anträge teilweise reduziert.

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Kritik üben sie an den Leistungen bei der Gestaltung des öffentlichen Raums. Außerdem wünschen sie sich eine konsequentere städtebauliche Planung. Die Studie empfiehlt der Gemeinde, die Händler in Diskussionsprozesse zur Aufwertung der Innenstädte in den einzelnen Ortsteilen einzubinden. Die CDU, erklärte Fraktionsvorsitzende Wilma Hübecker, frage sich schon länger, "ob eine entsprechende personelle wie finanzielle Ausstattung des Ortsteilmarketings installiert werden soll".

Aber wegen der Haushaltslage sei das schwierig: "Das heißt aber nicht, dass eine Förderung des Innenstadt- und Ortsteilmarketings, wie in der Studie berichtet, nicht stattfindet." Es gebe durchaus Ortsteilmarketing, wie zum Beispiel auf dem Girmes-Gelände in Oedt zu sehen sei. Wichtig bei allen Rufen nach Marketing: "Wir Bürger aus Grefrath müssen auch in Grefrath einkaufen, sonst nützt auch ein stärkeres Innenstadtmarketing nichts. Ohne Einkauf beim örtlichen Einzelhandel sterben unsere Innenstädte."

Nicht besonders überrascht über die Inhalte der IHK-Studie ist die SPD. Die Ortskernentwicklung liege der Partei am Herzen, betont Fraktionschef Jochen Monhof: "Wirre Ideen wie das begrabene Fachmarktzentrum auf dem Mäurers-Gelände führen aber nicht zum konstruktiven Umgang mit den sichtbaren Problemen in Grefrath und Oedt." Gemeindemarketing in Zeiten leerer Kassen in der Kämmerei anzusiedeln, hält Fraktionsvize Bernd Bedronka für falsch: "Vom Kämmerer erwarten wir Ideen, wie man konstruktiv spart. Wie soll er das denn mit weichen Kostenstellen und kreativen Marketingideen verbinden?" Marketing sei als Querschnittaufgabe direkt beim Bürgermeister anzusiedeln. Dass die Studie empfehle, die Händler in die Diskussion einzubeziehen, empfinde die SPD als "Wasser auf ihre Mühlen". Schließlich seien die Betroffenen diejenigen, die am besten wissen, was sich verändern muss.

(RP/rl)