Stadt Kempen: Plädoyer für eine geistliche Ökumene

Stadt Kempen : Plädoyer für eine geistliche Ökumene

Zum dritten und letzten Mal wurde gestern in der Paterskirche die Thomas A Kempis-Stele vergeben. Der Preisträger, Walter Kardinal Kasper, hat sich als "Ökumeneminister" des Vatikans viele Jahre für die christliche Einheit eingesetzt.

"Es ist mir eine Ehre, aber ich weiß gar nicht, womit ich diesen Verdienst erworben habe", sagt Walter Kardinal Kasper. Dieser Verdienst, das ist die Auszeichnung mit der Thomas A Kempis-Stele, die dem geistlichen Würdenträger gestern in der Paterskirche überreicht wurde.

Uwe Schummer, CDU-Politiker aus Viersen und Mitglied des Bundestags, hatte den Ehrenpreis zu seinem 50. Geburtstag ausgelobt. Drei gläserne Stelen mit dem Konterfei des Thomas von Kempen ließ der Politiker beim Viersener Künstler Thomas Dewey anfertigen, um sie Menschen zu verleihen, die sich für ein friedliches Miteinander in Europa einsetzen.

2007 war Bundestagspräsident Norbert Lammert der erste Preisträger. "Nach einem schrecklichen Jahrhundert mit zwei Kriegen, der Herrschaft der Nationalsozialisten und dem eisernen Vorhang, steht der Bundestagspräsident für die parlamentarische Demokratie und für den Frieden, der heute von deutschem Boden ausgeht", sagt Schummer. Mit Jean Claude Juncker hatte der Bundestagsabgeordnete 2010 einen zweiten Preisträger gefunden. "Der europäische Frieden manifestiert sich in einer gemeinsamen Währung", begründet Schummer die Wahl des Eurogruppenvorsitzenden.

Und nun also ein Kardinal. Ein Mann der Kirche, der dem Patron des Preises schon aus dieser Berufung heraus am nächsten steht. Denn Thomas von Kempen, der Ende des 14. Jahrhunderts neben der Probsteikirche aufwuchs, war ebenfalls ein Mann der Kirche. Sein Werk "Die Nachfolge Christi" war lange Zeit das meistgelesenste Buch nach der Bibel. Aber nicht die gemeinsame Liebe zu Gott sei der Verdienst, durch den sich Kardinal Kasper als Preisträger empfohlen habe. "Walter Kardinal Kasper steht für die Einheit der Christen", sagt Schummer in seiner Laudatio. Wer sich mit dem 79-Jährigen unterhalte, der gehe auf eine Weltreise durch die Freikirchen von Nordamerika, die christlichen Kirchen in Afrika, der lerne die koptischen Christen und die protestantischen Christen kennen. "Kardinal Kasper hat erkannt, dass die Vielfalt die christliche Einheit fördert und, dass Gott auf die Herzen schaut, nicht auf die Riten."

1933 im süddeutschen Heidenheim geboren, studierte Kasper in den 50er Jahren Philosophie und katholische Theologie in Tübingen und München. "In Tübingen gab es auch Vorlesungen für die evangelischen Theologen, die waren uns natürlich verboten – und deshalb umso interessanter", erzählt der Kardinal. Schon früh habe er sich mit den Schriften Luthers beschäftigt, daran Gefallen gefunden und entdeckt: "In den Grundthesen sind wir eins."

Auch bei Thomas von Kempen und Martin Luther, der nur zwölf Jahre nach dem Tod des Kempener Theologen geboren wurde, fänden sich ähnliche Aussagen, hat Kasper festgestellt. In einer humorigen Rede, die an eine Theologievorlesung erinnert, zeigt der Kirchenmann diese Gemeinsamkeiten auf. "Und diese gleiche Basis der evangelischen und der katholischen Kirche zeigt sich auch in den Liedern, die von tiefer Gläubigkeit sind und in beiden christlichen Kirchen gesungen werden", sagt der Kardinal. Als Beispiel nennt er "Von guten Mächten wunderbar geborgen", das der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer 1945 in der Zelle schrieb, in der er auf die Hinrichtung durch die Nazis wartete.

"Die geistige Ökumene ist das Gebot der Stunde und das Werk des Thomas von Kempen kann auf diesem Weg ein treuer Begleiter sein", schließt der Kardinal seinen Vortrag, der mit viel Beifall der 300 Gäste bedacht wird. FRAGE DES TAGES

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