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Stadt Kempen: Pflegefamilien dringend gesucht

Stadt Kempen : Pflegefamilien dringend gesucht

Wie in vielen Kommunen im Lande hat auch das Kempener Jugendamt Probleme, Familien zu finden, die Kinder in pflegerische Betreuung nehmen. Die Kinder stammen zumeist aus schwierigen Verhältnissen.

Hand aufs Herz. Wer will schon ein Kind aus einer schwierigen Lebenssituation gerne Tag und Nacht um sich haben? Es sind nur wenige Bürger, die sich für diese nicht immer leichte Aufgabe zur Verfügung stellen. Die Jugendämter haben zunehmend Probleme, für Kinder und Jugendliche, die vorübergehend oder ganz zum eigenen Wohl und Schutz aus ihrem schwierigen familiären Umfeld herausgenommen werden müssen, Unterbringungsmöglichkeiten in Pflegefamilien zu finden.

Beim Kempener Jugendamt ist diese Situation nicht anders wie bei anderen Jugendämter in der Region. Der Pflegekinderdienst des Jugendamtes sucht händeringend Pflegefamilien, die Kinder bei sich aufnehmen, die in ihren Herkunftsfamilien auf Grund von Gefährdungssituationen nicht mehr bleiben können. In jüngster Zeit steigt die Zahl dieser Fälle und die Hilfeersuchen an den Pflegekinderdienst.

Dabei ist die ebenso schwierige wie verantwortungsvolle Aufgabe von Pflegeeltern durchaus wichtig. Sie ist es vor allem deshalb, weil die Kinder in eine möglichst intakte familiäre Lebenssituation kommen sollen, wenn sie vorher in ihren eigenen Familien Chaos und möglicherweise Gewalt erfahren haben. Die Unterbringung in einer Pflegefamilie ist für die meisten betroffenen Kinder besser als die in einem Heim, meinen Experten. "Die Aufnahme in einer Pflegefamilie erfolgt entweder vorübergehend oder als auf Dauer angelegte Lebensform, je nach Rückkehrperspektive der Kinder in den elterlichen Haushalt. Die Unterbringung in einer Pflegefamilie ist immer an den spezifischen Bedürfnissen des Kindes orientiert", erklärt Gabriele Franke vom Pflegekinderdienst des Kempener Jugendamtes.

Die Aufnahme eines Pflegekindes in die eigene Familie stellt für die Pflegefamilien selbst eine besondere Herausforderung dar. "Häufig sind Pflegekinder auf Grund ihrer Erlebnisse in ihrer eigenen Familie traumatisiert, zeigen Entwicklungsverzögerungen und auffällige Verhaltensweisen", sagt Gabriele Franke.

Kinder, die in Pflegefamilien untergebracht werden, haben nicht selten körperliche Gewalt oder Verwahrlosung erlebt und waren schon im Kleinkindalter auf sich alleine gestellt. Expertin Gabriele Franke: "Sie haben häufig eine ganz andere Familienkultur erlebt als die, die sie in der Pflegefamilie erwartet. Dies kann unter Umständen bei der Aufnahme eines Pflegekindes zur Verständnisschwierigkeiten zwischen Pflegekind und Pflegefamilie führen." Aber trotz aller erlebten Belastungen in der eigenen Familie seien die leiblichen Eltern fast immer ein wichtiger Teil im Leben der Kinder.

Die meisten Pflegekinder benötigten sehr viel Aufmerksamkeit, Entwicklungsförderung und die Sicherheit, durch ein stabiles Umfeld begleitet zu werden, um Entwicklungsdefizite aufarbeiten zu können.

Weil dies Pflegeeltern gerade am Anfang eine solchen Betreuung vor besondere Herausforderungen stellt, werden Bewerber für eine solche Kinderbetreuung vom Pflegekinderdienst der Jugendämter vor Aufnahme eines Pflegekindes geschult. Das ist auch in Kempen so. "Im Rahmen der Vorbereitung werden Themen wie Bindung- und Bindungsstörungen, Traumatisierungen von Pflegekindern, rechtliche Grundlagen, die Relevanz von Biografie und Herkunft für Pflegekinder sowie viele weitere Themen mit den Pflegeeltern erörtert", erklärt Gabriele Franke.

Auch nach Aufnahme eines Pflegekindes werden Pflegefamilien weiterhin von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendamtes betreut. Gabriele Franke: "Pflegefamilien werden von uns sowohl in Alltags- als auch in Krisensituationen unterstützt." Der Pflegekinderdienst begleitet darüber hinaus die Kontakte zwischen den Kindern und den leiblichen Eltern.

Bewerber, die sich für die Aufnahme eines Kindes interessieren, sollten offen und tolerant eingestellt, belastungsfähig und kooperativ sein. Ein offener Umgang mit dem Pflegekinderdienst der Stadt Kempen wird erwartet.

Nähere Informationen erhalten Interessenten bei Gabriele Franke unter der Telefonnummer 02152 917-312.

(RP)