Pfarre St. Josef in Kempen hilft in Namibia

Katholische Gemeinde St. Josef in Kamperlings : Kempener helfen in Namibia

Die katholische Gemeinde St. Josef in Kamperlings unterstützt Projekte in Okatana.

Das Land Namibia auf dem afrikanischen Kontinent ist wohl kaum einem Kempener so richtig bekannt. Dabei war das Gebiet im südlichen Afrika – zwischen Angola, Botswana, Sambia, Südafrika und dem Atlantischen Ozean gelegen – von 1884 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 eine deutsche Kolonie mit dem Namen Deutsch-Südwestafrika. Nach dem Krieg wurde Namibia vom Völkerbund unter südafrikanisches Mandat gestellt. Erst im März 1990 erlangte Namibia die Unabhängigkeit.

Aber Namibia, genauer gesagt die Missionsstation Okatana und das „Tonateni“-Zentrum in Oshakatiim im Norden Namibias, hat seit rund 20 Jahren eine besondere Bedeutung für die Kirchengemeinde St. Josef in Kempen-Kamperlings. Denn seit dieser Zeit unterstützt die Eine-Welt-Gruppe der Gemeinde die Arbeit der Missionsstation. Entstanden ist dies eher durch einen Zufall. Ein Cousin von Gemeindemitglied Theo van Helden arbeitete als Pater der Oblaten in der Missionsstation und erzählte ihm immer wieder von der Armut dort und vor allem der Bedrohung der Kinder durch das Aids-Virus.

Zwar funktionieren in dem afrikanischen Land immer noch die engen Familienbande, so Martin Boesing von der Eine-Welt-Gruppe. Aber es fehlt den Familien oft an Geld, um Schulbesuch, Verpflegung oder auch medizinische Betreuung der von Aids betroffenen Kinder und Jugendlichen zu übernehmen. Da sich der Pfarrgemeinderat schon länger mit dem Gedanken trug, aktiv in einem Entwicklungsland unterstützend tätig zu werden, konnte sich van Helden schnell der Akzeptanz des Projektes sicher sein.

Namibia hat etwa 2,1 Millionen Einwohner. Nach Informationen der UN-Hilfsorganisationen lebten Ende 2016 etwa 18 Prozent der Bevölkerung unter der namibischen Armutsgrenze, gegenüber 28,7 Prozent im Jahr 2009. Zehn Prozent der Bevölkerung litten Ende 2016 an den Folgen von Aids. Daher bestand für die Missionsstation die Notwendigkeit, sich verstärkt um die Betreuung der betroffenen Familien zu kümmern.

So wurde 2002 in Oshakati bei Okatana das Aids-Beratungszentrum „Tonateni” gegründet. Übersetzt bedeutet der Name: „Öffnet die Augen”. Rund 150 Kinder erhalten hier jeden Tag nach der Schule eine warme Mahlzeit, weitere kommen ein- bis zweimal in der Woche zum Essen. Die Station hilft bei den Kosten für den Schulbesuch. Ganz wichtig ist aber die psychosoziale Betreuung der Kinder. Speziell geschultes Personal hilft ihnen, ihre Traumata und den Verlust der Eltern oder Verwandten zu verarbeiten. Ebenso steht die Aids-Beratung im Vordergrund. Das fängt bei der Möglichkeit an, sich auf Aids testen zu lassen, und reicht bis zur Beratung und Hilfe bei Vorsorge oder auch Erkrankung. Außerhalb der Station sind auch Streetworker im Einsatz.

150 Kinder erhalten in dem Beratungszentrum jeden Tag nach der Schule eine warme Mahlzeit. Foto: Theo von Helden

Bereits mehrfach konnten sich Theo van Helden sowie weitere Mitglieder der Eine-Welt-Gruppe von St. Josef Kamperlings vor Ort selbst ein Bild von dem Erfolg der Arbeit machen. In Kempen wird mit vielen Aktionen Geld gesammelt, aber auch jede Gelegenheit genutzt, über das Projekt zu informieren. Sei es beim Pfarrfest oder – wie im vergangenen Jahr – mit einem eigenen Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Dazu gibt es regelmäßig im Frühjahr und zu St. Martin einen Brunch im Gemeindezentrum oder auch Trödelmärkte. Jährlich sammeln die Sternsinger für das Projekt. In diesem Jahr kamen dabei mit der Türkollekte bei der Messe mehr als 10.000 Euro zusammen. „Damit können wir fast 80 Prozent der Mittagessen eines Jahres finanzieren“, berichtet Theo von Helden.

Seit einigen Jahren werden sämtliche Spenden über das Kindermissionswerk des Bistums Aachen, das auch die Arbeit der Sternsinger betreut, direkt an das Projekt weitergeleitet. So können Spender sicher sein, dass ihr Beitrag auch wirklich ankommt. Ergänzt werden die Spenden aus Kempen durch ein Partnerprojekt der Pfarrgemeinde Haaren in Aachen, die ebenfalls den Kontakt mit Okatana pflegt. Vor Ort ist die „Catholic AIDSact” Ansprechpartner für die Unterstützer.

Über die Arbeit in Namibia informiert ein Flyer der Gruppe. Diesen kann man aus dem Internet unter www.st-mariae-geburt-kempen.de/gemeindeleben/eine-welt-projekte herunterladen.

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