Stadt Kempen: Paterskirche als Raum für leisere Töne

Stadt Kempen : Paterskirche als Raum für leisere Töne

Im engeren Sinne sind die Jubiläumsfeiern zu 20 Jahre Kempen Klassik schon Vergangenheit. Doch mit Konzerten auf hohem Niveau geht es in der neuen Saison da weiter, wo es in der letzten aufhörte. So gesehen gibt es bei Kempen Klassik ja immer was zu feiern. Den geglückten Start in die neue Saison übernahm die Reihe "Klavier extra" mit Ragna Schirmer.

Die ausgezeichnete Pianistin war nicht zum ersten Mal in Kempen. Sie habe sich, bekannte sie zu Beginn des Abends, schon lange auf ein Wiedersehen gefreut. Ambiente und Akustik der Paterskirche hätten sie animiert, sich verstärkt mit Franz Schubert zu beschäftigen. Der benötige Räume, in denen man leisen Tönen zu ihrem Recht verhelfen könne. Und dazu sei die Paterskirche wie geschaffen. Mit Franz Liszt setzte sie noch einen zweiten Komponisten aufs Programm, dem man nicht unbedingt eine Wesensverwandtschaft mit Schubert nachsagt. Indessen hat auch Liszt eine sensible Seite. Seine "Années de pèlerinage" sind keine Programmmusik über Pilgerreisen. Vielmehr beleuchten sie die verschiedenen Gefühlslagen eines Menschen, der sein Inneres zu durchleuchten versucht. Da geht es, wie die Pianistin in "Vallée d'Obermann" deutlich voneinander absetzte, mal grüblerisch, mal friedlich und mal dramatisch zu. Sorgfältig differenzierte sie den Ausdruck, fast so, als ob ihr auf dem Flügel verschiedene Register zur Verfügung ständen.

Wie gut Liszt Schubert verstand, wurde in seinen Bearbeitungen von Schubert-Liedern deutlich. Liszt fügt ihnen pianistische Raffinesse hinzu. Aber die setzt er nicht als Selbstzweck ein, im Gegenteil. Die authentische Wiedergabe von Ragna Schirmer machte deutlich, dass die pianistisch reizvollen Umspielungen den Charakter der Lieder nicht verfälschen, sondern, im Gegenteil, genau erfassen und die Wirkung noch verstärken. Schirmer spielte das gesangliche Element in den Liedern Ständchen, Gretchen am Spinnrade und Meeresstille subtil aus. Im Erlkönig stellte sie mit kraftvollen Bässen eine gelungene Verbindung zwischen dem Bedrohlichen und dem Virtuosen her.

Schuberts G-Dur-Sonate (D 894), auch Fantasie-Sonate genannt, gab Schirmer im zweiten Teil Gelegenheit, genau die feinen Zwischentöne hörbar zu machen, von denen sie zu Beginn gesprochen hatte. Kompetent gelang ihr die Wiedergabe der Ecksätze. Empfindsam erklang das Andante, mit Schwung, Grazie und einer Prise Wiener Charme das Menuett. Filigran gestaltete die Pianistin die Übergänge. Die begeisterten Zuhörer spendeten eifrig Beifall und hatten Verständnis für die Auffassung der Pianistin, dass nach einem so groß angelegten Werk wie der Schubert-Sonate eine Zugabe nicht mehr so recht passen würde.

(-tr)