Gemeinde Grefrath: Pater Theodor: Geschichten aus dem alten Mülhausen

Gemeinde Grefrath : Pater Theodor: Geschichten aus dem alten Mülhausen

Heinrich Lennackers und Alfred Knorr stellen in einem Buch die Aufzeichnungen von Pater Theodor Drahten vor. Der kannte das Milieu und beschreibt seine Zeitgenossen mit all ihren Schwächen.

Von den Berichten des Paters Theodor Drahten handelt das Buch, das die beiden Heimatforscher Heinrich Lennackers (70) und Alfred Knorr (69) jetzt veröffentlicht haben. Es ist eine Spurensuche, die deutlich macht, dass Mülhausen vor rund 110 Jahren ein wenig anders strukturiert war als heute. Das katholische Milieu prägte den Ortsteil zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Aufzeichnungen des Paters, der 1910 in die Mission nach Chile ging, über seine Besuche in 140 katholischen Familien und Einzelpersonen spiegeln das authentische Dorfleben wider.

Pater Theodor Drahten hat in Mülhausen viel erlebt. Foto: sta dtarchiv MG

Ökumene war Theodor Drahten fremd, denn ausdrücklich betont er, dass er die sieben protestantischen Personen, die in Mülhausen lebten, nicht besucht hat. Er bezeichnete Mülhausen in seinen Berichten als ein "prächtiges Dörflein, in dem es sich gut leben lässt". Und weiter: "Die Menschen sind nicht besonders leichtsinnig, aber froh, nicht besonders zurückgeblieben, aber auch nicht städtisch."

An manchen Stellen kann man herzlich lachen. Da liest man Aussagen des Geistlichen, die ihm heutzutage sicherlich ein paar Anzeigen einbringen würden. Es ist gleichzeitig ein Werk, das nachdrücklich die gesellschaftlichen Veränderungen aufzeigt. Bescheinigen muss man Drahten, dass er mit großer Sorgfalt seine Aufzeichnungen anfertigte. Mülhausen anno dazumal war geprägt von der Mühle, der Niers, dem Kloster der Schwestern Unserer Lieben Frau, der jungen Rektoratsgemeinde und der Abtei Mariendonk. Drahten war Hausgeistlicher im Kloster, half jedoch auch in St. Heinrich aus.

Der Pater hat die Menschen beschrieben, aber auch die Höfe, Häuser und Wohnungen. Er beschrieb ebenso offen deren wirtschaftliche Situation. Beim Gehöft Klein Honnen hieß es beispielsweise über den 14-jährigen Matthias: "Er ist gutmütig wie seine Eltern, denen es nicht an Geld mangelt. Man nennt Konnen reich." Über die Familie Dängs erfährt der Leser, dass die Kinder die Schule besuchen, "aber wenig Profit davon ziehen". Und weiter: "Sie bohren sich nicht tief in die Wissenschaft ein. Er selbst bohrt tiefer, weil er Totengräber ist." Der 14-jährige Josef Pennekes ist Messdiener. Ihm bescheinigt Drahten, dass er immer mit blitzblank geputzten Schuhen in die Sakristei kommt. Seine Mutter sei eine gutmütige Frau, die die Reinlichkeit nicht so ganz genau nehme.

Bei der Familie Hermanns gab es ein Person namens Trautchen, ein "negatives Lumen" (Leuchte), fern von jedweder Weisheit. Bäcker Gerhard Gilsing habe sich wegen seiner "vielen Wichter" (Kinder) noch ein Stockwerk auf sein Haus setzen lassen. Die Familie Hallen ( heute Joussen) sei eine Familie "mit viel roten Köpfen".

Oben bei Stickelbrucks wohnen Jans. Der Mann war Meister in einer Krefelder Fabrik. Die Frau habe halbrunde Ohren und sei still, sobald der Pater sich blicken ließ: "Ob sonst auch, weiß ich nicht." Die Tochter Katharina (13) tue ungemein altklug. Die Kinder der Familie Verspagen seien nicht dumm, aber "nach Art der Alten schmutzig".

Bei der Familie Pimpertz meint Drahten: Die Leute seien so sparsam, dass sich Berge Geld anhäufen müssten. Den Gendarmen bezeichnet Theodor Drahten als pflichttreu und freundlich, "aber leider ist er und seine Frau Protestant".

Diese und weitere Anekdötchen enthält das Buch, das jetzt für 6,90 Euro in der Grefrather Buchhandlung erhältlich ist.

(mab)
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