Parkour-Abteilung: Auszeichnung für die Turnerschaft Grefrath

Parkour-Abteilung: Auszeichnung für die Turnerschaft Grefrath

Der Kreissportbund lobte das große Engagement der Verantwortlichen. Besonders jüngere Menschen sind begeistert von dieser Trendsportart.

„Integration durch Sport“ heißt ein Förderprogramm des Deutschen Olympischen Sportbundes. Hendrik Straub vom Kreissportbund (KSB) besuchte jetzt die Turnerschaft Grefrath und übergab eine Urkunde an den Zweiten Vorsitzenden, Stefan Feld. Grund: Die Turnerschaft ist zu einem Stützpunktverein geworden ist – wegen ihrer Parkour-Gruppe, in der junge Sportler aus Deutschland aber auch aus vielen anderen Ländern dieser Welt mitmachen.

Den Kindern und Jugendlichen ist es so ziemlich egal, wo ihre Sportsfreunde herkommen, ob aus Deutschland, Syrien oder Afghanistan. Sie wollen, wie es gerade in der Sporthalle an der Bruckhauser Straße gezeigt wird, Hindernisse überwinden, um schnell von Punkt A zu Punkt B zu kommen. „Le Parkour“ heißt diese Sportart, die auch bei der Turnerschaft Grefrath schon seit einiger Zeit ausgeübt wird.

„Wir machen natürlich mit dieser Förderung weiter und wollen damit die Vereine unterstützen, die sich engagiert dafür einsetzen, dass junge Menschen durch den Sport in die Gemeinschaft integriert werden“, sagt Straub in der Cafeteria an der Sporthalle Bruckhauser Straße, kurz bevor das Training der fortgeschrittenen Hindernisläufer losgeht. Es ist das dritte Mal, dass eine Gemeinschaft aus dem Kreis Viersen diese mit einem kleinen Geldbetrag dotierte Auszeichnung erhält.

Dass diese Integration bei der Turnerschaft gelungen ist, zeigt sich schon beim derzeit zweiköpfigen Parkour-Trainerstab. Der 19-jährige in Oedt lebende Mahdi Hassani flüchtete 2016 aus Afghanistan. „Ich wollte irgendetwas tun, was Spaß macht, keinen nervt und niemanden stört“, erzählt Hassani. Er kam über das Team ELU (Every Day a Level up) zu diesem Sport. Das Team schloss sich dann der Turnerschaft an. „Parkour ist mein Leben“, ergänzt Hassani, der derzeit beim Rhein-Maas-Kolleg der Elektrotechnik-Klasse angehört und sein Fachabitur machen möchte.

  • Sport-Informationstag : Grundschüler probieren Sportarten aus

Ein fertiger Elektroniker der Automationstechnik ist bereits der 22-jährige Tobias Nopper aus Kempen, der andere Trainer. „Bereits als Zehnjähriger war ich beim Gameboyspielen von den Sprüngen über Stock und Stein begeistert, haben danach alles ausprobiert, so Karate, Fußball und das Tauchen, und bin dann bei Parkour hängengeblieben, ein Sport, der mich ständig aufs Neue herausfordert“, äußert Nopper.

Das Interesse an diesem Sport ist bei der Turnerschaft groß. Die Anfänger, von acht bis 17 Jahren, trainieren jeden Samstag, 11 bis 13 Uhr, in der kleinen Sporthalle an der Oedter Grundschule; zuletzt waren es 26 junge Menschen. Die Fortgeschrittenen, darunter auch einige Mädchen wie Leonie, Chiara und Nina, üben in der Grefrather Sporthalle: mittwochs von 19.30 bis 22 Uhr. Manchmal geht es auch ins Freie.

Gerade trainieren 18 Fortgeschrittene in der Halle an der Bruckhauser Straße, überwinden Kästen oder andere Hindernisse aus Kunststoff, klettern Seile hoch oder versuchen sich an den Geräten. Die Sportart verlangt ein hohes Maß an Körperbeherrschung, Selbsteinschätzung, Disziplin und Konzentration. Teamgeist und Hilfestellungen für den Anderen kommen dazu.

Aber nicht nur beim Parkour wird die Integration bei der Turnerschaft großgeschrieben. Auch in anderen Sportarten, so beim Fuß- oder Volleyball, machen Menschen mit, die im Ausland ihre erste Heimat hatten. Derzeit besucht Elke Dyllong, die bei der Turnerschaft die Wartin für den Breitensport ist, Kindertagesstätten und das Frauen- und Familienzentrum „Mutter und mehr“. Ziel ist dabei nicht nur, Kinder für die Bewegung zu gewinnen, sondern, so Elke Dyllong: „Wir möchten, dass auch Väter und Mütter mitmachen, unseren Sport und die Fitnessgruppen kennenlernen und mal zum Schnuppern kommen.“ Eng arbeitet die Turnerschaft ferner mit der sehr aktiven Initiative „Grefrath hilft“ zusammen.

(schö)
Mehr von RP ONLINE