Neues Kreisheimatbuch 2020

Neues Kreisheimatbuch 2020 : Geschichten aus der Heimat für die Heimat

Das neue Heimatbuch des Kreises Viersen für 2020 ist soeben erschienen. Es ist der 71. Band in der Reihe, die alljährlich wissenschaftlich fundierte Beiträge zur Geschichte, Kunst oder Landschaft im Kreisgebiet präsentiert.

Wissenschaftlich fundiert und trotzdem unterhaltsam und spannend zu lesen ist das neue Heimatbuch 2020, dessen 71. Band der Kreis Viersen soeben herausgegeben hat. Das Heimatbuch berichtet faktenreich und in großer detaillierter Breite aus fast jeder Stadt und Gemeinde des Kreisgebietes. 26 Autoren stellen in 23 Artikeln Persönlichkeiten und Begebenheiten aus mehr als 400 Jahren Geschichte und Gegenwart auf dem Gebiet des heutigen Kreises Viersen dar.

So greift Erhard Louven das Leben des Kempeners Aegidius Gelen (Gelenius) auf, der ein engagierten Seelsorger und Kölner Historiograph (Geschichtsschreiber) des Spätmittelalters war. Peter Geuskens führt uns die Untaten des Straßenräubers Fingerhut-Peter aus Neersen vor, der wegen seiner Missetaten 1755 gehängt wurde.

Von der Eisenbahnlinie Kempen über Mülhausen, Grefrath, Hinsbeck und Kaldenkirchen bis Venlo berichtet Ralf Hendrix, dem die Aufzeichnungen des an der Strecke mitarbeitenden Wanderarbeiters Carl Fischer zur Verfügung standen. Bei dieser Eisenbahnlinie hatte auch Johannes Spickenheuer mitzureden, der dafür das „Bureau“ führte, also die Schreibarbeiten zu leisten hatte. Durch diese Streckenführung – eigentlich sollte sie aus Kostengründen durch den nördlichen Teil Vinkraths oder an der Dorenburg vorbeiführen – erhielt Grefrath 1868 seinen Bahnhof.

Alfred Knorr schreibt im Heimatbuch über Johannes Spickenheuer, der ein halbes Jahrhundert bis 1901 Bürgermeister in Grefrath war und den Grefrathern mit seiner Autobiographie ein wertvolles Stück Grefrather Heimatgeschichte hinterlassen hat. Grefrath ist mit einem weiteren Bericht über die Geschichte der Grefrather und Vinkrather Elementar- / Volksschulen von Herbert Küsters und Christiane Fehse gut vertreten.

Leo Peters erinnert an die 2018 gestorbene Kempener Kunsthistorikerin Margret Cord (rechts) – hier mit Bürgermeister Volker Rübo (links), Vize-Landrätin Luise Fruhen und Winfried Schittges, der sie 2012 mit dem Rheinlandtaler auszeichnete. Foto: Friedhelm Reimann

Wie in fast jedem Heimatbuch sind die allen interessierten Lesern sehr gut bekannten Historiker Leo Peters und Hans Kaiser auch dieses Mal wieder mit spannenden Berichten vertreten. Peters würdigt in einem Portrait die Kempener Kunsthistorikerin Margret Cordt, die 2018 gestorben ist, und berichtet über ihre Arbeit als pädagogische Mitarbeiterin der Kreisvolkshochschule. Kaiser widmet der in diesem Jahr aufgelösten Volks-/ Hauptschule (Martin-Schule) und der Erich Kästner Realschule einen letzten Bericht. Karl-Hans Bonzelett stellt den Domkapellmeister Hans-Josef Roth vor, der als Kirchenmusiker und Chorleiter weit über Dülken hinauswirkte.

In diesem Jahr ist der Kempener Geschichts- und Museumsverein 130 Jahre alt geworden. Die wechselvolle Geschichte des früheren Heimat- und Geschichtsvereins stellt Michael Habersack ausführlich vor. Auf 40 Jahre erfolgreiche Geschichte der Aktionsgemeinschaft Viersen Dritte Welt Afrika (AWA) blickt Werner Odenthal, und über 50 Jahre Netteverband und seine Erfolgsprojekte ist von Thomas Schmitz und Marc Heußen zu lesen.

Seit 40 Jahren engagiert sich die Aktionsgemeinschaft Viersen-Westafrika – kurz AWA – in Togo und Benin. Über die erfolgreiche Arbeit des Vereins findet sich ein Bericht im neuen Kreisheimatbuch. Die AWA hat mit Spendengeldern Schulen und Krankenstationen in Westafrika gebaut. Foto: Awa

Stolpersteine erinnern in Viersen an die NS-Gewaltherrschaft und Gedenktafeln in Dülken-Boisheim an die Bombenopfer der beiden Weltkriege. Für Viersen berichtet darüber Marcus Ewers sowie Karl Giesen und Peter van Horrick für Dülken. Ines Jonczyk, Kunsthistorikerin aus Brüggen, fand in ihrer Heimatkirche St. Mariä Himmelfahrt in Bracht ein besonderes Detail in den Glasfenstern, das die Besucher der Kirche bei näherer Betrachtung nur staunen lässt. Der Künstler Franz Pauli erlaubte sich (als Scherz oder Provokation?), am Rande des Barbara-Fensters aus dem 19. Jahrhundert sehr versteckt einen weiblichen Akt einzuarbeiten.

Auch Natur und Landschaft kommen im Heimatbuch 2020 nicht zu kurz. Bernd Steinweg berichtet durch beeindruckende Luftfotos über noch heute sichtbare Bombenschäden in der Landschaft, und Karl-Heinz Schroers sowie Markus Heines können sich vorstellen, dass auch im Kreis Viersen der Wolf bald wieder entdeckt werden wird. Walter Tillmann bereichert das Heimatbuch mit einem Artikel über Vergangenheit und Zukunft des Textilgewerbes in Viersen.

Wie jedes Jahr hat Jürgen Grams, Mitarbeiter des Kreisarchivs Viersen, das umfangreiche neue Schrifttum zum Kreis Viersen mit 102 Veröffentlichungen von A wie Anrath bis Z wie Zweiter Weltkrieg zusammengestellt.

Viele weitere spannende Artikel wären noch erwähnenswert, von denen Ingo Schabrich, Kreisdirektor und Kulturdezernent des Kreises Viersen, bei der Buchvorstellung im Kreisarchiv in Kempen kürzlich sagte, dass in einer Zeit, in der es viele Menschen mit den Fakten nicht mehr so genau nähmen, mit dem Kreisheimatbuch gesicherte und solide Informationen zu Geschichte und Kultur unserer Heimat bereitgestellt würden.