Neuer Technischer Beigeordnete der Stadt Kempen zieht 100-Tage-Bilanz

Kempen : Dezernent Beyer will Strukturen ändern

Der neue Technische Beigeordnete der Stadt Kempen zieht eine erste Bilanz seiner Amtszeit. Er hat viele verwaltungsinterne Problemfelder entdeckt. Die Zusammenarbeit der Mitarbeiter und Dezernate will er stärken.

Er gilt als der neue Hoffnungsträger in der Verwaltungsspitze. Die Politik lobt die bisherige Arbeit des 44 Jahre alten Diplom-Ingenieurs durch die Bank. Allerdings erwartet niemand Wunderdinge von Marcus Beyer, der seit 1. April in der Nachfolge von Stephan Kahl als Technischer Beigeordnete im Rathaus für die Bereiche Stadtplanung, Bauen und Umwelt zuständig ist. Beyer bringt Verwaltungserfahrung aus seiner Tätigkeit bei der Stadt Tönisvorst mit, wo der Krefelder zuvor Fachbereichsleiter für Stadtplanung, Tiefbau und Liegenschaften war.

In Kempen ist die Verantwortung gleichwohl weitaus größer. In Beyers Dezernat arbeiten 135 Stadtbedienstete. Sie bearbeiten eine Vielzahl von Projekten, die Arbeit ist schwierig. Das es nicht rund läuft, ist kein Geheimnis. Marcus Beyer hat die vergangenen Wochen vor allem dazu genutzt, sich einen Überblick zu verschaffen. Dass ein Baudezernent sich um Baustellen kümmert, liegt in der Natur der Sache. Doch in seinem Dezernat hat Beyer eine Menge von „Baustellen“ vorgefunden. Da wäre die Personalknappheit in einigen Bereich zu nennen, die es zuletzt unmöglich gemacht hat, bei wichtigen Projekten die vorgegebenen Zeitpläne einzuhalten. Hinzu kommt ein hoher Krankenstand unter den Mitarbeitern.

Schon vor seinem Amtsantritt im Kempener Rathaus hat Beyer eigenen Angaben zufolge festgestellt, dass es in der Thomasstadt so viele Vorhaben gibt, die man einfach nicht alle parallel  angehen kann. „Es gibt Bereiche, in denen es läuft, und andere, wo der Anspruch der Politik extrem hoch ist. Dem können wir derzeit nicht immer gerecht werden“, sagt Beyer.

Marcus Beyer ist seit 1. April Technischer Beigeordneter der Stadt Kempen. Foto: Wolfgang Kaiser

Er hat bereits erste Entscheidungen getroffen: So wurde die geplante Sanierung des Rathauses am Buttermarkt zunächst einmal zurückgestellt. Geplant war, dafür ein Konzept zu erstellen, bei dem die drei derzeit im Bau befindlichen neuen Verwaltungsgebäude an der Schorndorfer Straße als Ausweichquartier für den Rathausumbau am Buttermarrkt dienen sollten. Dieser Plan ist hinfällig, denn im Rathaus ist man von einem Sanierungskonzept noch weit entfernt. Also werden die Verwaltungsneubauten, wenn sie im kommenden Jahr bezugsfertig sind, direkt mit Dienstellen aus den Bereichen Soziales und Jugend belegt. Ob und wieweit das Rathausgebäude am Buttermarkt unter Denkmalschutz gestellt wird, darüber will Beyer demnächst mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) sprechen. Wie mehrfach berichtet, hat die LVR-Behörde vorgeschlagen, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Darüber müsste der Kempener Stadtrat entscheiden. Eine Unterschutzstellung hätte Auswirkungen auf die Umgestaltung des Rathauses.

Bis September will Beyer eine Prioritätenliste erarbeiten, in welchem Zeitfenster die vielfältigen Aufgaben im Hochbauamt umzusetzen sein könnten. Mit dieser Liste will er dann in die Politik gehen. Kita-Ausbau, Modernisierungen in Schulen, Sanierung von Flüchtlingsunterkünften sind dabei wichtige Punkte. Und gerade die erfordern eine enge Zusammenarbeit mit den Ämtern im Dezernat des Beigeordneten Michael Klee (Soziales, Jugend, Schule und Sport). Die beiden Krefelder verstehen sich bereits gut, wollen die Zusammenarbeit intensivieren und Synergien nutzen. Das war in der Vergangenheit unter Beyers Vorgänger Kahl nicht immer möglich. „Wichtig ist, bei der Prioritätensetzung auch zu prüfen, was wir selbst im Hause erledigen können oder wo wir externe Hilfe von Ingenieurbüros benötigen“, betont Beyer. In Zeiten der Hochkonjunktur im Baubereich sind externe Büro derzeit sehr gut ausgelastet. Sie warten nicht unbedingt auf öffentliche Aufträge. Es wird daher nicht leicht sein, die passende Unterstützung von außen zu bekommen, so Beyer.

Im Bereich Tiefbau laufe es mit Ausnahme der Arbeiten auf der Hülser Straße derzeit gut, meint Beyer. Das Beispiel Hülser Straße zeige aber, dass Stadt und Stadtwerke bei solchen Projekten noch enger zusammenarbeiten müssen. Gemeinsame Ausschreibungen könnten die Sache vereinfachen.

Bei der Stadtplanung hakte es zuletzt beim Fortgang des Projektes „Kempen-West“. Hier soll es aber mit der öffentlichen Beteiligung der Bürger in Workshops im Herbst weitergehen. Die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens müssten noch konkretisiert werden. Dann könne der Prozess fortgesetzt werden. Bis Frühjahr 2019 könnte ein städtebaulicher Entwurf für den ersten Bauabschnitt vorliegen und in den politischen Beratungsprozess eingebracht werden. Bis Ende 2020 könnte dann ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegen, schätzt Beyer.

Was dem Beigeordneten ein wenig Sorge bereitet, ist die große Erwartungshaltung von Seiten der Politik an ihn. Er empfinde sie nicht als Druck, sondern als besondere Herausforderung.