Kempen: Nettetaler Stadtrat: Der Neustart bei Venete ist gefährdet

Kempen: Nettetaler Stadtrat: Der Neustart bei Venete ist gefährdet

Die Politiker fordern mehrheitlich, die mögliche Ansiedlung der Müllumlade-Station neu zu bewerten. Sie sehen Risiken für eine erfolgreiche Vermarktung des Geländes.

Bekannt war es im Vorfeld, nun ist es offiziell: Die Stadt Nettetal trägt den Bau des Wertstoff- und Logistikzentrums (WLZ) auf dem Venete-Areal in Kaldenkirchen nicht mehr mit. In der jüngsten Ratssitzung stimmte die Mehrheit der Mitglieder jetzt für eine Neubewertung der Ansiedlung. "Wir sorgen uns um einen unbelasteten Neustart für die Vermarktung des Geländes", sagte Nettetals Bürgermeister Christian Wagner.

CDU-Ratsherr Jürgen Boyxen verteidigte die gerade in den sozialen Medien kritisierte Kehrtwende der Politik. "Die Bedenken gegen das WLZ kommen nicht nur aus Teilen, sondern aus der gesamten Bevölkerung, daran kann man als Politiker nicht vorbeigehen", sagte er. "Warum soll man denn nicht einsichtig werden?" Renate Dyck (SPD) mahnte an: "Viele Unklarheiten und Ungereimtheiten hätten sich früher klären lassen. Warum ist so lange nichts passiert?" Guido Gahlings von den Grünen sagte: "Die Sorgen der Bürgerinitiative sind in weiten Teilen berechtigt." Auch seine Partei empfinde die Kehrtwende als "nicht ehrlich und wahrhaftig". "Die Vorlage weckt Hoffnungen, das WLZ sei abzuwenden", sagte er, obwohl es dafür keine realistischen Ansatzpunkte gebe. AfD-Politiker Manfred Schmitz kündigte an, "alles zu tun, um die Müllumlade-Station zu verhindern". Einzig die WiN- und die FDP-Fraktionen schlossen sich dem Votum nicht gänzlich an. Hajo Siemes (WiN) sah nach eigener Aussage "keine wesentlichen Veränderungen der Ausgangslage". Die Neubewertung sei eine "Volksveräppelung", sagte er. "Sie dient der Gesichtswahrung." Denn rechtlich liege die Entscheidung zum Bau jetzt nur noch beim Kreis Viersen. "Man muss davon ausgehen, dass das WLZ kommen wird", sagte Siemes. Hans-Willy Troost (FDP) appellierte an die Solidarität: "Ist kommunale Zusammenarbeit, gerade bei Pflichtaufgaben, immer nur ein hehres Ziel, wenn ich davon profitiere?" Laut Expertenmeinung würden die Anwohner keine Nachteile im Bereich Lärm, Geruch, Feinstaub und Verkehr zu befürchten haben, nachteilige Vermarktungs-chancen seien bei potenziellen Investoren zu Venete nicht geäußert worden. "Wir bitten Sie, Herr Bürgermeister, beenden Sie die Geisterfahrt gegen das WLZ", sagte Troost. Beide Fraktionen mit insgesamt sechs Stimmen votierten nur für Punkt 3 der Vorlage: "Die Verwaltung wird beauftragt, die massiven und intensiven Befürchtungen und Bedenken der Bürger zu bündeln und in den weiteren Entscheidungsverlauf einzubringen."

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Claus Albrecht, Sprecher der Bürgerinitiative "Venete - so nicht", äußerte sich zum Ausgang der Ratssitzung. "Es gab nicht viel Neues", sagte er. "Wir haben es wohlwollend zur Kenntnis genommen und werden weitermachen." Besprechen will die Initiative nun die Antwort des Landrats Andreas Coenen auf ihren offenen Brief vom 7. Dezember. Auf zehn Seiten äußert sich Coenen zu den Fragen und Kritikpunkten. "Wir finden es positiv, dass er so kurzfristig reagiert hat", sagte Albrecht. "Aber ich glaube, dass nicht alle Fragen beantwortet sind, gerade hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und des Bio-Abfalls." Man wolle die in der Ratssitzung angekündigten Gespräche zwischen Stadt und Kreis abwarten.

(RP)
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