Stadt Kempen: Nässe beeinträchtigt die Ernte erheblich

Stadt Kempen : Nässe beeinträchtigt die Ernte erheblich

Die Landwirte des Kreises Viersen sprechen von einem schwierigen Jahr. Besondere Probleme gab es bei Weizen und Kartoffeln. Die Kohlernte hat gerade erste begonnen, hier sind noch keine Trends sichtbar.

/ Grefrath Der milde Winter und der anhaltende Regen von Mitte Juli bis Ende August hat den Landwirten sehr zu schaffen gemacht. Sei es bei den Kartoffeln oder beim Weizen. "Es war für uns ein überaus schwieriges Jahr", sagt Kreis-Landwirt Christian Küskens (Niederkrüchten). Der 52-Jährige ist außerdem im vierten Jahr der Vorsitzende der Kreis-Bauernschaft Krefeld-Viersen. Dazu gehören rund tausend landwirtschaftliche Betriebe.

Schlimm sei es vor allem, so Küskens, beim Getreide gewesen. Auch wenn im Kreis Viersen der Weizen mancherorts noch so gerade reingeholt werden konnte, hätten zu viele Weizenkörner zu lange auf dem Halm gestanden, konnten teilweise wegen des Regens einige Parzellen gar nicht abgeerntet werden oder kam das zu feuchte Getreide direkt zu den Bio-Gas-Anlagen. Wenn zu spät geerntet wurde, habe darunter die Qualität gelitten. Dies machte sich auch bei den Preisen, die die Landwirte von den Genossenschaften bekommen, bemerkbar. Küskens: "So wurden im Schnitt im vergangenen Jahr für die hundert Kilogramm Weizen 19,50 Euro gezahlt, in diesem Jahr waren es nur 16, bei nasser Ware sogar nur zehn Euro."

Probleme gab es auch mit den Kartoffeln. Die Erträge seien zwar gut gewesen und es sei generell zu einer Überproduktion gekommen. Durch die Nässe sei teilweise die Fäulnis ein Problem gewesen oder eine mindere Qualität entstanden. Die Preise seien auch hier, ergänzte Küskens, auf dem freien Markt im Keller. "Einige Landwirte überlegen sogar, die Kartoffeln stehen zu lassen", wovon der Kreis-Landwirt aber überhaupt nichts hält: "Die Kartoffeln müssen raus, sie stehen dann im nächsten Jahr zwischen den Zuckerrüben oder dem Mais und beeinträchtigen die Fruchtfolge."

Beim Salat gäbe es wie bei der Kartoffel ebenfalls geringere Preise. Beim Kohl könne man dies noch nicht sagen, da gerade die Ernte begonnen habe. Hingegen glaubt Küskens bei der Zuckerrüben- oder bei der Maisernte an sehr hohe Ertragszahlen, gerade wegen der feuchten Böden.

Die Probleme beim Weizen kann Peter Josef Coenen, Ortslandwirt und Vorsitzender der Kempener Ortsbauernschaft, nur bestätigen. "Zum Teil haben wir den Weizen feucht reinholen müssen, teilweise hatten die Körner schon gekeimt. Das Stroh für das Vieh liegt immer noch draußen, das lohnt nicht mehr." Große Mengen Kartoffeln habe es gegeben, aber mit den eingangs geschilderten Beeinträchtigungen. Derzeit habe, so Coenen, die Ernte der Zuckerrüben begonnen. Die gehe aber noch bis etwa Mitte Dezember, so dass man dann Näheres sagen könne. Und was sich Coenen für die nächsten Wochen und Monate wünscht: "Bis zum Dezember schönes Wetter und einen ordentlichen Winter, mit einigen frostigen Tagen, so um Minus zehn Grad, damit die Böden endlich einmal so richtig durchfrieren können."

Der Willicher Ortslandwirt Theo Heyes fährt gerade einen Teil seiner Industriekartoffeln für die Pommes-Industrie für die Einlagerung zum Zwischenhändler. Er hat seine Ernte zu über 80 Prozent eingefahren und sagte: "Auch auf bislang schlechten Standorten habe es diesmal gute Erträge gegeben." Allerdings seien die Preise derzeit bei den insgesamt hohen Erträgen sehr schlecht. Die Weizenernte haben, so Heyes weiter, gut angefangen, bis zu den Niederschlägen vor allem im August.

Hinzu sei gekommen, dass durch die Pfingst-Unwetter einige Pflanzen bereits vorgeschädigt waren. Der Weizen habe daher größtenteils nur Viehfutter-Qualität. Gerade hab man mit der Ernte der Zuckerrüben begonnen, die ersten Einfuhren seien sehr gut. Heyes, der etwa 85 Landwirte vertritt, wünscht sich einen Goldenen Oktober mit wenigen Niederschlägen und einen Winter mit ein paar Wochen Frost im Januar.

Hochkonjunktur bei der Kartoffelernte hatte vor wenigen Tagen auch der Clörather Kartoffelhof von Hans Leo SIeben. Gerade hat er mit seinem Sohn Andre die letzten Knollen rein bekommen. Er sagte: "Es fing schon damit an, dass es im vergangenen Winter keinen Frost gab, die Böden also nicht siebfähig waren, dann kam der Regen im Sommer dazu, die Böden waren verschlammt und zu fest." Sieben spricht zwar auch von einem der schwierigsten Jahre, immerhin arbeitet er im Kartoffelanbau schon seit nahezu fünf Jahrzehnten, nennt allerdings hohe und größtenteils gute Erträge, auch wenn hier und da Probleme gegeben habe. Sieben hält nichts davon, eine schlechte Qualität zu Schleuderpreisen den Discountern oder SB-Läden anzubieten.

Sein Kommentar dazu: "Dadurch geht das Vertrauen der Kunden in die Kartoffel nur noch weiter verloren." Sein Wunsch für die strapazierten Böden: "Ein normaler Winter, mit ein bis zwei Wochen Frost, bloß keine geschlossene Schneedecke."

(wsc)
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