"Nacht der Sinne" im Freilichtmuseum Dorenburg in Grefrath

Grefrath : Ein Ausflug in neue Welten

Unter dem Titel „Neue Welten“ trotzte die dritte Nacht der Sinne im Freilichtmuseum auch dem einsetzenden Regen.

Schon das lange Alphorn, das Wilhelm Junker vor dem Eingang des Niederrheinischen Freilichtmuseums spielt, lässt erahnen, was die Besucher auf dem Gelände erwartet. Es geht in andere Welten, und das nicht nur musikalisch. Hobbits und andere Gestalten aus Herr der Ringe huschen umher, Jazz-Töne geben den Ton in der Hofanlage Waldniel an, während die Niersmatrosen auf der Eichenwiese mit Shantys überraschen. Das Kölner Figurentheater begibt sich auf die Suche nach einer besseren Welt. Die Harfenistinnen von E.P.I.C. Harps nehmen die Zuhörer mit ihrer keltischen Musik auf eine Zeitreise ins 15. bis 17. Jahrhundert mit.

Während die Tauben auf dem Brunnendach leise gurren, Hühner über den Hof wandern und der Wind die Blätter der Bäume wie eine Begleitmusik rauschen lässt, geht es nach Großbritannien. Vor dem inneren Auge tauchen Burgen und Schlösser auf, in denen zu den zarten Harfenklängen getanzt wird. Das Handy mit Schnur und Wählscheibe, der Thermomix in Form des Zick-Zack-Zyliss – Ludger Kazmiercak geht im Innenhof der Dorenburg derweil nur 50 Jahre zurück. „Das Wischen gab es damals auch schon, wir wischten Staub“, erzählt der Kabarettist. Der Schnupp-Schrank wird genauso wieder lebendig wie Mel Sandocks Hitparade. Und wer hätte gedacht, dass Musik einmal downgeloaded und in einer Wolke abgelegt wird? Es habe auch niemand gedacht, dass Deutschland einmal von einer kleinen untersetzten Frau aus der DDR regiert würde, so Kazmiercak, was lautes Lachen auslöst.

Historische Auswandererbriefe erwecken Verena Bill und Michael Koenen vom Niederrhein Theater vor der Miertz-Kate zum Leben. Jeder kann sich ein Bild davon machen, ob die neue Welt Amerika wirklich der Segen war oder es die gleichen Probleme wie in der alten Heimat gab. Eine Reise in die Vergangenheit und die Phantasie ist im Wechsel in der Schmiede möglich. Kopfhörer aufsetzen, und es geht mit Clärenore Stinnes von 1927 bis 1929 im Auto um die Welt. Danach lassen die Welten von Tolkien grüßen, wobei seine Orks und ihre Genossen im gesamten Museum anzutreffen sind.

Dann setzt ungefähr zur Halbzeit der „Nacht der Sinne“ der Regen ein. Eins ist blitzschnell vergriffen, und das sind die Leihregenschirme des Museums. Aber so mancher Besucher hat vorausgedacht. Mitgebrachte Regenschirme und -jacken gehen in den Einsatz. Auch die Musiker lassen sich vom Landregen nicht beeindrucken. Teilweise bereits geschützt spielend, wie unter anderem auf der Bühne im Innenhof der Dorenburg, können sie weiter musizieren und Theater präsentieren. Andere ziehen kurzentschlossen in die Häuser des Museums und spielen von dort. Als sich die Dämmerung herabsenkt, setzt die Illuminierung des Museumsgeländes ein.

Auf der großen Bühne neben der Dorenburg gehen zudem die Scheinwerfer an. Die Niederrheinische AllStarBand nimmt mit ihrem phantastischen Unplugged-Konzert die Menschen mit in die Disco-Welt der 70er-Jahre. Ob Bee-Gees-Medley oder „Yes Sir, I can boogie“ – das Publikum singt und tanzt unter Regenschirmen voller Begeisterung mit. Egal, wie sich das Wetter präsentiert, die „Nacht der Sinne“ zeigt, dass sie regenfest ist und es jede Menge Besucher gibt, die sich vom Regen nicht beeindrucken lassen und den wundervollen Abend genießen.

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