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Kempen: Nach einem Jahr USA mutiger geworden

Kempen : Nach einem Jahr USA mutiger geworden

Friederike Rahn war im Parlamentarischen Patenschaftsprogramm in einer Kleinstadt in Iowa.

Friederike Rahn, noch 14-jährige Schülerin am Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium, hatte sich selbst vor falschen Erwartungen gewarnt. "Es war dann aber doch ganz anders", erzählt sie. Nach dem langen Flug von Frankfurt nach Chicago und weiter nach Iowa landete sie in einem kleinen Nest im Mittleren Westen. "Da kreuzen sich zwei Straßen ohne Ampel, es wohnen etwa 5000 Menschen im Ort, und die Landwirtschaft prägt die Region", sagt sie. Besonders auffällig ist für die Schülerin die Dominanz der Schule und der Kirchen. Beide sind der Maßstab für das Zusammenleben, das sie dort als viel intensiver erlebte als in ihrer Heimatstadt.

Im Parlamentarischen Patenschaftsprogramm ermöglichte der SPD-Bundestagsabgeordnete Udo Schiefner ihr den einjährigen Aufenthalt in den USA. Hin flog ein junges, unbekümmertes Mädchen, aufgeregt und dennoch cool genug, um alleine zurecht zukommen. Zurückgekommen ist, das sagt Friederike Rahn selber von sich, eine "deutlich erwachsener" gewordene Jugendliche, die abgeklärt wirkt.

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Gewohnt hat sie bei einer Gastfamilie, in der sie bis Januar noch eine "Schwester" hatte. Der Gastvater ist Sportlehrer, die Gastmutter stammt von den Philippinen. Gewöhnungsbedürftig war, dass die Familie 15 Rinder zur Mast hält. "Sehr viel Arbeit zusätzlich machte das aber nicht", berichtet Friederike Rahn, die gleich mit anpackte. Am alles umfassenden Schulleben - mangels einer klassischen Vereinskultur in den USA werden dort Sport, Kultur und vieles andere zusätzlich zum Unterricht angeboten. Manche Schüler sind morgens um 5 Uhr auf den Beinen, um vor Unterrichtsbeginn ihre Fitness zu fördern, anschließend eilen sie in die Sporthalle, um beispielsweise Volleyball zu spielen. Beeindruckt hat die Viersenerin der unkomplizierte und sehr offene Umgang der Schüler mit ihren Lehrern. "Sie sind weit mehr als Lehrer bei uns für die Schüler. Das hängt auch damit zusammen, dass sie den ganzen Tag über in der Schule sind und die Angebote über den Unterricht hinaus mitgestalten und umsetzen."

Friederike Rahn lernte ein Regelwerk kennen, das ihr bis dahin weitgehend fremd war. Höfliche Umgangsformen und klar strukturierte, aber keineswegs einengende Abläufe haben sie beeindruckt. "Im Vergleich zu den deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit sind die Leute dort lockerer, aber auch zuverlässig." Sie hat sogenannte Sozialstunden geleistet, indem sie in einer lutheranischen Kirche sonntags kleinen Kindern Bibelgeschichten vortrug.

Als Mitglied der Jungen Kirche in Viersen war ihr das nicht fremd. Ihr Gastvater ermöglichte ihr die Begegnung mit klassischen Sportarten wie Baseball, Basketball und American Football, zum Teil auf Universitäts- und zum Teil auf Profi-Niveau. Nachhaltigen Eindruck hinterließen Abstecher nach Washington DC, Philadelphia und New York. Vieles werde sie erst in nächster Zeit verarbeiten, sagt Friederike Rahn. Sie habe sich verändert. "Ich bin mutiger geworden", sagt die 14-Jährige.

(RP)