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Stadt Kempen: Morgens sind die "Müll-Heinis" auf Tour

Stadt Kempen : Morgens sind die "Müll-Heinis" auf Tour

Am Thomaeum ist die so genannte Zangengang unterwegs. Zusammen mit Schulleiterin Agnes Regh sind mehrere Schüler regelmäßig und freiwillig für die Sauberkeit rund um das Gelände des Kempener Gymnasiums im Einsatz.

Nahezu jeden Morgen stellen Marie, Kathrin, Paula, Kezia, Lisa, Clara, Katharina, Phillip und Robert ihre Schultaschen erst einmal zur Seite, wenn sie im Gebäude des Kempener Gymnasiums Thomaeum ankommen. Dafür greifen die neun Gymnasiasten im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren zu Warnwesten, Greifzangen und Eimern. Vor dem Unterricht sind sie zunächst einmal für die Sauberkeit im Einsatz und das auf freiwilliger Basis. Alleine sind sie dabei nicht unterwegs. Schulleiterin Agnes Regh begleitet sie, wenn es rund um das Gymnasium geht und man den Müll aufsammelt, den andere Mitmenschen an der Ludwig-Jahn-Straße oder auf der Straße "Am Gymnasium" mehr oder weniger achtlos weggeworfen haben.

"Wir haben schon die ungewöhnlichsten Dinge gefunden. Angefangen von der Schuhsohle über eine Taucherbrille bis hin zu einer Kiste voller Böller", berichtet Kathrin beim Ortstermin mit der Rheinischen Post. Das Gros machen aber Zigarettenstummel und Kronkorken aus. In der Regel ist die Gruppe 20 Minuten auf Tour, dann geht es zurück und die Gerätschaften werden gegen die Schulsachen getauscht.

Entstanden ist diese "Zangengang", wie die Schüler sich selber nennen, durch einen Zufall. "Im März vergangenen Jahres hat uns Frau Regh morgens gefragt, ob jemand sie begleiten und ein wenig Müll aufsammeln würde", erinnert sich Paula. Sie und die anderen Schüler kommen aus Wachtendonk und sind aufgrund der Busverbindungen schon immer um 7.30 Uhr in der Schule. Die halbe Stunde bis zum Unterrichtsbeginn um 8 Uhr verbringen sie meist im Pädogischen Zentrum (PZ) des Thomaeums. Dort wurden sie auch von Direktorin Agnes Regh angesprochen. "Ich komme meist zu Fuß zur Schule und habe mich am besagten Morgen über den Müll geärgert, der sich auf den Bürgersteigen, dem Zaun und in den Hecken am Gymnasium befand", berichtet die Schulleiterin. Gemeinsam mit den Freiwilligen ging es raus und man sammelte die Hinterlassenschaften anderer ein.

Doch es sollte nicht bei dieser einmaligen Aktion bleiben. Die Schüler, die aus den fünften, sechsten und siebten Klassen kommen, fanden es gut. Es wurde ein festes Ritual zusammen mit Agnes Regh auf die Straße zu gehen. Marie, die von ihren Klassenkameraden aus Wachtendonk, von der Aktion erfuhr, fand es so gut, dass die Kempener Sechstklässlerin jeden Morgen ebenfalls früher zur Schule kommt und mitmacht.

"Der Müll wird weniger. Im vergangenen Schuljahr hatten wir 192 Einsätze. Im aktuellen Schuljahr waren es bis jetzt erst 63", berichtet Philipp. Es ist eindeutig sauberer geworden und bleibt auch länger ordentlich. Sie alle führen das auf ihre Aktion zurück. Wo weniger Müll liegt, kommt auch weniger dazu. "Das Engagement der Schüler ist einfach toll. Sie drückten damit eine Verbundenheit zur Schule aus, die mich sehr freut", lobt Agnes Regh ihre "Zangengang", die von Philipp den Spitznamen "Müll-Heinis" bekommen hat. "Ich finde es schön, wenn unsere Schule auch zur Straße hin sauber und ordentlich aussieht", meint Robert. Eine Meinung, der sich alle anderen nur anschließen können.

Für die Sauberkeit auf den Schulhofflächen sorgt indes der klassische Schulhofdienst, der für alle Klassen im wöchentlichen Wechsel ansteht. Die "Zangengang" hat derweil schon eine besondere Auszeichnung erhalten. Sie bekam im vergangenen Jahr den Thom-Award. Zudem überraschte Agnes Regh ihre Gangmitglieder mit einem kleinen Ostergeschenk. "Und es gibt natürlich ein entsprechendes Zertifikat zum Zeugnis, auf dem der Einsatz hervorgehoben wird", erklärt die Schulleiterin.

(tref)