1. NRW
  2. Städte
  3. Kempen

Modellbahntag im Gefrather Freilichtmuseum

Freilichtmuseum : Mit der Winkelfrau auf Spur 0

Zum wiederholten Mal rückte das Freilichtmuseum in Grefrath in den Mittelpunkt von Liebhabern der Spur-0-Bahn. Mehr als 75 Meter Schienen der Spur 0, die es schon lange nicht mehr gibt, waren dort aufgebaut.

Schneebedeckte Gipfel, über denen ein Flugzeug und ein Zeppelin schweben. Kleine Bergdörfer, die unterhalb der Schneegrenze liegen und ein Viadukt, über das ein Dampfzug rattert. Ein Flüsschen, das eine Mühle antreibt, und ein Auto, das zwischen Fußgängern die Straße kreuzt. Auf wenigen Zentimetern Fläche, die einen Tunnel darstellen, ist eine komplette Landschaft zu sehen. „Es ist ein kleines Kunstwerk. Dabei sind es eigentlich nur zwei, mit einem Scharnier verbundene Blechscheiben, die lithografiert wurden“, sagt Walter, der im Gespräch mit unserer Zeitung wie seine Mitstreiter nur seinen Vornamen nennen möchte, und nimmt den Tunnel in die Hand, um ihn neugierigen Besuchern zu zeigen. Aber nicht nur der Tunnel ist ein Hingucker. Der gesamte museumspädagogische Raum im Eingangsgebäude des Niederrheinischen Freilichtmuseums in Grefrath hat sich in eine Modellbahn-Landschaft verwandelt. Allerdings in eine ganze Besondere. Die Liebhaber der Spur-0-Bahn haben auf Tischen an einem Tag mehr als 75 Meter Schienen verlegt, Bahnhöfe aufgebaut, Drehscheiben installiert, Dörfer entstehen lassen und ganze Landschaftszüge gebaut.

  • Modelleisenbahner Gerhard von Melle (v.l.) zeigt
    Modelleisenbahnclub in Rheinberg : Nächster Halt: Sommerfest der Spur-0-Fans
  • Norbert Opfermann besitzt natürlich auch das
    Neuerscheinung : Eisenbahn-Romantik auf entlegenen Schienen
  • Uwe Karstens führt seit 2007 die
    Was Kunden wissen müssen : Langes Warten auf smarte Elektrogeräte

Die so genannte Spur 0 ist dabei ein historisches Schätzchen. Sie wurde bis in die 1950er-Jahre gebaut, danach löste sie die Spur H0 ab. Das Einmalige: Alles ist auch Blech hergestellt. Walter hat inzwischen ein Haus aus der großen Anlage herausgegriffen. Durch den Blechdruck und die gekonnte Bemalung wirkt es dreidimensional. Die Fensterläden erwecken den Eindruck, als stünden sie im Raum und die aufgemalten Hühner an der Stallwand scheinen gackernd über die Fläche zu wandern. Ein Hingucker ist der sechsgleisige Hauptbahnhof von Bing, einem der damaligen führenden Hersteller von Spur 0. Direkt daneben die Drehscheibe von Märklin, an der sieben Dampfloks mit Tender auf ihren Einsatz warten.

Mit einem leisen Summen dreht sich die Drehscheibe. An den Trafoanlagen werden die entsprechenden Knöpfe gedrückt und eine Lok wird auf das richtige Gleis gebracht. Die Anlage, über die die Dampflokomotiven mit Kohlen versorgt wurden, fehlt ebenso wenig wie ein Wasserturm. Walter hebt das Turmdach ab und demonstriert, dass hier wirklich Wasser eingefüllt werden kann und das drehbare Ventil dafür sorgt, dass der Wasserdruck arbeiten kann und das Wasser aus dem Tankrohr läuft.

Vor den Augen der Besucher rattern die Züge über die Schienen. „Berlin-München“ verkündet das Zuglaufschild an den Waggons der größten Bahn, die auf der Anlage fährt. An der aufgebauten Burg, die ihre eigene Gleisanlage hat, lassen zwei helle Bäume die Besucher innehalten. „Schau mal, Margarinefiguren“, ruft einer der älteren Besucher aus. Die Figuren, die von 1920 bis in die 1950er-Jahre in den Margarinepackungen zu finden waren, rufen Erinnerungen an die Kindheit wach. „Holger, kannst du mal nach der Winkefrau sehen. Sie klemmt irgendwie?“, kommt indes der Ruf vom anderen Ende der Bahn. Sekunden später ist das Problem behoben und besagte Frau in dem Bahnwärterhäuschen winkt, dank freigeschaltetem Kontakt, wieder mit dem Taschentuch aus der Türe, wenn ein Zug vorbeifährt.

 Die Modellbahnen, Brücken, Fahrzeuge oder Häuser – alles ist aus Blech gefertigt. Einer der Hersteller war seinerzeit die Firma Rokal in Lobberich.
Die Modellbahnen, Brücken, Fahrzeuge oder Häuser – alles ist aus Blech gefertigt. Einer der Hersteller war seinerzeit die Firma Rokal in Lobberich. Foto: Wolfgang Kaiser

Die von Udo aufgebaute Hochbahn inmitten der Anlage zieht die Blicke genauso auf sich, wie die Moskabel Pionerskaja von Claudia. „Diese Bahn wurde von 1950 bis 1960 in der Sowjetunion gebaut. Es stellte ein technisches Lehrspielzeig für junge Menschen da, um diese für den Eisenbahnbau in Sibirien zu begeistern“, erzählt die Fachfrau, die sich seit 30 Jahren mit der Materie Eisenbahn, Spur 0, beschäftigt und eigens aus der Hamburger Ecke angereist ist. „Der Austausch bei diesen Treffen ist immer wieder schön. Man sieht alte Bekannte und kann neue Leute für die Spur 0 begeistern“, sagt Claudia.

Ob von Hamburg, Stuttgart oder Grefrath und näherer Umgebung, die Spur 0 verbindet die Liebhaber deutschlandweit. Seine Bahn, die kleinste auf der Anlage, erweckt Klaus indes mit einem schmalen Blechschlüssel zum Leben. Ordentlich aufziehen und die Mini-Blechlok mit Anhänger dreht ihre Runden. Auch die benachbarte Drehscheibe von Frank muss wie ein Uhrwerk aufgezogen werden, damit die Besucher erleben können, wie der Zug auf die Scheibe einfährt, stoppt, die Scheibe sich dreht und der Zug erneut auf die Gleisstrecke gesetzt wird und weiterfährt.